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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-09-01 · 9 (9.1932) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
9 (9.1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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K"i>. .. %' ■ „ ‘"JUr Wissens und seiner asketischen Frömmigkeit nannten ihn seine Zeitgenossen Baal Schein^) (Wundertäter mittels des Gottesnamens). Durch den Psalzgrascn und den Bischof von Speyer wurde die Ruhe in Worms 1616 wiederhergestellt und die vertriebenen Juden dursten in die verlassene Heimat zurückkehren. Loans verließ mtu Mainz, hielt sich einige Monate in Worms auf und nahm dann die Rabbinerstelle in Friedberg an. Hier konnte er seinem Streben nach unisasseiider Tätigkeit nicht nachkomnien. Biele Gegner und Verleumder verleideten ihm seinen Aufenthalt, die Talmudschnle wurde bald ausgelöst. In letzter Stunde wurde er nochmals nach Worms berufen, wo er sich nunmehr für dauernd niederließ. Dies war im Jahre 1623. Um diese Zeit kam auch der nachmals durch sein „Wormser-Maase-Nisimbnch" bekannt gewordene Juspe Schumes als Talmndschüler nach Worms. Wie aus den Schriften Loans hervorgeht, war er in Worms nur Prediger und Borbcter. Doch in den Jahren 1622—28 und von 1630—36, als die Wormser Gemeinde ohne geistliches Oberhaupt war, hat Loans vertretungsweise das Rabbineramt mitversehen.n) Aus diesem Grunde wird er oft als Wormser Rabbiner genannt. Sein Portrag und sein gottesdienstlicher Gesang in der impoiunten Wormser Synagoge scheinen von großer Wirkung gewesen zu sein, denn sie lockten auch christliche Zuhörer aus den verschiedensten Kreisen herbei. Elia Loans war in Worms sehr angesehen, er hatte den Namen eines Wundertäters. Die Geschichte erzählt vieles von ihm, und noch heute lebt manche wunderliche Sage von diesem Gottesgelehrten im Munde des Volkes.12) Rabbi Juspe Schumes erzählt in seinem „Maase 9?ifim"'13) „Im Jahre 1623 bin ich gekimmen nach Worms im zi lernen oijf der Jeschiwe ist selbiges uralt is Raw gewisin zu Worms der Gaon Elia Hasoken (der Greise) in hot ihn geheisin Rabbi Elia Baal Schein". „Er erzählte mir, daß Worms zu den jüdischen Gemeinden zähle, welche schon zur Zeit der Zerstörung des ersten Temepls bestanden hätten."iff (Schluß folgt.) 10) Unter den in Deutschland bekannten Trägern des Titels „Baal Schem" ist wohl Seckel Löb Wormser „Bal Schein" von Michelstadt 1768—1847 am populärsten. Von ihm ist ein Originallnies im Archiv der Mainzer Religionsgem. ausbewahrt. n) Epstein — Tie Familie Luria, Wien 1901, S. 48. 12) Mannheimer •— Tie Juden in Worms, Frankfurt 1842, S. 61. 13) Epstein — Tie Familie Luria. 11) Rothschild, S. — Aus Vergangenheit und Gegenwart der israel. Gemeinde Worms, Mainz, S. 23. Mannheimer — Die Juden in Worms, S. 48. Beim Kampfe um das heilige Grab war ein Ritter aus dem fürstlichen Geschlecht der Dalbergs schwer verwundet aus einer einsamen Oede liegen geblieben. Sein Bitten und Flehen bei den in großer Zahl vorübergehenden Christen, ihn vor den Horden zu schützen, blieb unerhört. Kein Herz ließ sich durch seine Tränen erweichen. Ein armer Jude, kaum seiner ansichtig geworden, sah in dem Christen nur den bedürftigen Mitmenschen und nahm sich seiner wie ein Bruder mit warmer Teilnahme an. Er brachte ihn in ein Haus und pflegte seiner bis zur vollkommenen Genesung, nicht Belohnung erwartend, sondern im Innern zufrieden, eine edle Handlung begangen zu haben. Die Dalbergische Familie ließ nun bis zur französischen Revolution einen aus ihrem Geschlecht bei öffentlichen Zeremonien, Hochzeiten usw. mitziehen, damit die Juden bei der Ausführung nicht gestört würden. Ganz anders berichtet Moritz in seiner Abhandlung: Geschichte von Worms. Siehe auch Rothschild, Aus Vergangenheit und Gegenwart d. I. W. JZeiht uns (Eure Me in der Unterftüßung der ßermften \ Spendet trotz der fchineren Zeit! <3entralnpohlfahrts(telle der ifr. Reiigionsgememde IDain^ Büro: flindenburgftraise 44 Doftfchecbbonto: Jnbaffoftelle der 3[r. vereine IDainj, Poftfchecbamt Frankfurt a. ID. Pr. 67 7 92 Die geheimnisvolle jüdische Glaubensgemeinschaft Deutschlands. Nationalsozialistische Zeitungen, unter ihnen der „Völkische Beobachter", drucken ein Flugblatt ab, das in einigen Teilen Deutschlands vor der Wahl ohne Namensnennung und ohne den preßgesetzlichen Bestimmungen zu entsprechen, verteilt wurde. In diesenr Flugblatt fordert eine angebliche „Jüdische Glaubensgeineinschast Deutschlands" die jüdischen Wähler aus, ihre Stinnne für die Kommunistische Partei abzugeben. Das Flugblatt ist. wie uns der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mitteilt, eine grobe Fälschung. Schon die Statistik, mit der der jüdische Anteil an der Sowjetregierung ausgezeigt werden soll, weist aus die Herkunft dieser Fälschung hin. Seit mehr als zehn Jahren werden diese erfundenen Zahlen: 406 jüdische von 503 Regierungsuiitgliedern Sowjetrußlands von judensemdlicher Seite verbreitet. In einer gründlichen und aus vielseitigen Nachforchungcn beruhenden Darstellung hat Timitri Bulschow in seiner im Jahre 1922 erstmalig erschienenen Schrift „Bolschewismus und Judentum" aus Seite 14 festgestellt, daß es in Rußland nicht 22, sondern nur 18 Volkskommissariate gegeben habe und daß unter den 18 Volkskommissaren nur zwei Juden — T r o tz k i und Towgolewski — gewesen sind. Weiterhin stellte Bulaschow fest, daß die Zahl „503 russische Kommissare" ganz willkürlich herausgegrisfen ist. In Rußland führt nämlich jeder Beamter den Titel „Kommissar" und unter den Hunderttausenden Kominissaren, die es in Rußland gibt, wird man sicher auch die von dem Flugblatt angegebene Zahl von 406 jüdischen Kommissaren auftreiben können. Eine Organisation, die sich „jüdische Glaubensgemeinschaft" betitelt, gibt es nicht. Mit Rücksicht aus die zahllosen Terrorakte, die von durch solche Lügen verhetzten Menschen auf deutsche Juden verübt werden, hat der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens den Sachverhalt dieses plumpen Wahlmanövers dem Herrn Reichsinnenminister übermittelt und gebeten, die Voraussetzung einer amtlichen Auslageberechtignng zu überprüfen. Die ganze Veröffentlichung hat selbstverständlich keine andere Unterlage, als die Absicht, die Juden zu verdächtigen und in der Oefsentlichkeit den Anschein zu erwecken, als ob eine offizielle Vertretung der deutschen Juden hinter der Kommunistischen Partei stände und damit für alles das verantwortlich sei, was unter dem Namen der Kommunistischen Partei wirklich und angeblich geschieht. Aus unseren Verbandsgemeinden. Heldenbergen. Vor einigen Wochen mußten wir Frau Lea Scheuer in ihrem 77. Lebensjahre zu Grabe tragen. Ihr Name war weit über die Grenzen ihres Wohnortes bekannt. Die Verstorbene erfreute sich der größten Hochachtung und Schätzung bei jedermann. Aus strengreligiösem Hause stammend hat sie die Ueberlieserung ihres Elternhauses stets hochgehalten. Das ihr von ihrem früh verstorbenen Gatten überkommene Geschäft hat sie mit treuem Fleiß und Gottvertrauen in Redlichkeit weitergesührt. Ihren Kindern hat sie eine sorgfältige Erziehung zuteil werden lassen. Unter der Fülle der Beileidsschreiben verdient das in Worten herzlicher Anteilnahme gehaltene des hiesigen katholischen Pfarrers Blum hervorgehoben zu werden. Weiskirchen (Kr. Offenbach). Am 13. August, dem Sabbat Nachamu, beging die Gemeinde Weiskirchen das Jubiläum der fünfzigsten Wiederkehr des Tages, an dem ihre Synagoge eingeweiht worden war. Die kleine, aus wenigen Familien' bestehende Gemeinde hatte mit großen Opfern und vieler Hingabe die Synagoge zu dieser Feier von Grund aus renoviert und wieder hergerichtet. Eine große Anzahl früherer Kinder der Weiskirchener Gemeinde waren zu dem Feste, zum Teil aus weiter-Ferne erschienen. Den Dienst als Vorbeter versah, wie auch sonst an allen Sabbaten und Feiertagen, ein junges' Mitglied der Gemeinde, Herr Manfred Meyer. Die Festpredigt hielt Herr Bezirksrabbiner Tr. Tienemann. Mit der Erinnerung an die Errichtung der Synagoge war zugleich die Enthüllung der Gedenktafel verbanden, auf der die drei Gefallenen der Gemeinde verzeichnet sind. Nach der Enthüllung der Tafel sprach der älteste anwesende Frontsoldat das Kaddisch. Die Bevölkerung des ganzen Ortes nahm lebhaften Anteil an der Feier der Gemeinde; der Bürgermeister war beim Gottesienst anwesend. — Am Abend vereinigten sich die Mitglieder der Gemeinde mit vielen auswärtigen Gästen zu einein gemütlichen Beisammensein. Worms. Bei dem anläßlich der Tenkmalweihe der 118er in der Synagoge abgehaltenen Gottesdienst hielt Herr Rabbiner Tr. Holzer die Festansprache, die von Orgelspiel und Gesangsvorträgen würdig umrahmt war. »'*s- 2

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