Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 8 (8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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.Iahrg., Illr.8 des Landesverbandes der jsrselililchen Üeligionsgemeinden Sjeffens .911. .■«■.■ *■'.----- vitses Statt erscheint monatlich und geht den Bit- III Luschristen: Wainr, tjindenburgstrahe |l>r. 44 gliedern unentgeltlich >u. * lkrscheinungsort Main;.!I! schristleitung: lllabbiner vr. 8. Levi, flllnmi t -M .— 1 Zur Zeitlage. Nach den Jahren schwerer Anstrengungen und Enttäuschungen in der Nachkriegszeit und den Monaten der Zermürbung ist nun in Deutschland auch noch die Unruhe und Sorge eingekehrt, die mit den finanziellen Erschütterungen der letzten Wochen in Verbindung stehen. Immer wieder müssen neue uud schmerzliche Erfahrungen über die verheerenden Folgen des fürchterlichen Krieges gemacht werden. Unter diesen Sorgen der letzten Wochen leiden die jüdischen Bevölkerungsteile ganz gewiß nicht weniger als die übrige Bevölkerung. Durch die Verordnungen der Regierung ist zwar eine gewisse äußere Ruhe im Wirtschaftsleben auf kurze Zeit gesichert, die innere Ruhe der Menschen ist aber dadurch nicht verbürgt. Gerade weil die Erschütterung des Wirtschaftslebens auf den Mangel an Vertrauen der Menschen und der Völker zueinander zurückzuführen ist, wird das Vertrauen des Menschen im eigenen Innern auf eine harte Probe gestellt. Es ist begreiflich, daß jeder Familienvater und jeder Geschäftsinhaber, der an die Zukunft seines Kreises oder seines Betriebes denkt, von einem gewissen Bangen erfüllt wird. Man soll aber dieses Bangen nicht so weit über sich Gewalt gewinnen lassen, daß man die allgemeine Unruhe durch das eigene Verhalten noch steigert. Im Grunde genommen kann ja durch diese Unruhe auch gar nichts gebessert werden. Die Menschen, die durch Erfüllung ihrer Souderwünsche sich schnell noch sichern zu können glauben, müßten, wenn eine allgemeine Ordnung nicht zu erhalten oder durchzuführen wäre, sehr schnell erkennen, daß auch sie sich der allgemeinen Lage nicht entziehen können. Es ist deshalb Pflicht, nicht nur an seine eigene Lage zu denken, sondern den Blick auf die Gesamtheit zu richten. Es scheint zwar, daß wir alle in den nächsten Jahren manches von dem, was wir berechtigte Lebensansprüche nennen, werden drein geben müssen, und daß an vielen Orten und in vielen Häusern gespart und bescheiden gelebt werden muß, auch wo die Not bisher noch nicht Einzug gehalten hat, und daß wir in manchem wieder auf die Lebensanschauuugen und Lebensgewohnheiten unserer Vorfahren werden uns einstellen müssen, die ja, wenn auch in einem bescheidenen äußeren Lebensrahmen, doch ihren Lebensinhalt, ihre Haltung und ihre Werte besaßen, und die bei aller äußeren Lebensbescheidenheit ihr Vertrauen zu ihrem Dasein und ihren Aufgaben nicht verloren. Man wird zwar heutzutage, wenn man solche Gedanken ausspricht, leicht als rückständig und weltfremd bezeichnet, und es ist eine undankbare Aufgabe, solchen Gedanken Ausdruck zu geben und doch werden vermutlich diese Gedanken in der Zukunft Recht behalten. Wenn man heute dem deutschen Volk von allen Seiten sagt, daß es sich selber helfen müsse, dann kann man auch jedem einzelnen und vor allem jedem Juden nur die gleiche Mahnung wiederholen, daß er seinen Halt in sich und feinem Glauben, in dem Vertrauen, das wir von alters her als prvez zu bezeichnen pflegen, finden müsse. Dieses Vertrauen und diesen Halt wünschen wir Allen, die sich Sorge um ihre und um die Zukunft machen. Sorgfältiger Beachtung empfohlen! Ablösung der Neujahrs-Glückwünsche. Die Versendung von Neujahrsglückwünschen durch die Post ist zwar eine weitverbreitete Sitte, stellt aber eine kostspielige und umständliche Art der Beglückwünschung dar. Ilm unseren Lesern die Erfüllung der Glückwunschsitte zu erleichtern, wollen wir in der September-Nummer unseres Mitteilungsblattes eine Liste der Gratulanten veröffentlichen, welche die alte Form der Beglückwünschung durch eine Spende ablöfen wollen. Gegen Einsendung eines Betrages von M. 3.— können Einzelpersonen und Familien in diese Liste ausgenommen werden. Die erzielte Ablösungssumme soll wohltätigen Zwecken innerhalb unseres Landesverbandes zugeführt werden. Die September-Nummer unseres Mitteilungsblattes wird rechtzeitig vor Rofch-haschonoh in den Händen unserer Leser sein. Senden Sie umgehend den anhängenden I I Bestellungszettel ausgefüllt an uns ab! B I Landesverband der israel. Relig.-Gemeinden Hessens. Adresse für Postschecksendunaen: Landesverband der israel. Relig-Eem Lessens in Mainz, Postscheckamt Frankfurt a. M. 63618. Deutliche Schrift erbeten, Nichtzutreffendes ist zu streichen. . WUI Lier abtrennen! W . Hierdurch bitte ich, mich — und meine Familie — in die Ablösungsliste der Neujahrsgratulauten aufzunehmen. Den dafür fälligen Betrag von M. 3.— sende ich auf das Postscheck-Konto des Landesverbandes, Frankfurt a. M. Nr. 63618. (Ort). den .August 1931. (Unterschrift)