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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-05-01 · 5 (5.1931) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
5 (5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Juden, die unter der ersten französischen Republik und dem ersten Kaiserreich ehrenvollen Kriegsdienst taten. Anschließend schildert M. A. Halevy die Verhältnisse der Juden von Eetatea-Alba in Bessarabien am Anfang des 14. Jahrhundert. Das interessante Heft bringt ferner einen größeren Aufsatz über die Geschichte der jüdischen Gemeinde und des jüdischen Friedhofs Rofenwiller, Notizen über einen jüdischen Baron im 18. Jahrhundert und eine reichhaltige bibliographische Abteilung. Tr. Rene Hartogs. Karl Lieblich: Wir jungen Juden. Stuttgart 1931. Br. 2 NM. Lieblich, ein begabter Novellist, wirbt für „die Erneuerung des jüdischen Volkes in religiöser, politischer und ethischer Hinsicht". Er fordert die radikale Befreiung von jeder erstarrten Form, bezeichnet Assimilation und Zionismus als Fehlwege, fordert dagegen den Zusammenschluß der Weltjudcnhcit zu einem interterritorialen Gürtelvolk und lehnt schließlich jede Dogmatik ab, die nicht den realen Erscheinungstatsachcn entspricht. Lieblich holt zu einem feierlichen schlage aus gegeu alles, was ihm in der jüdischen Religion nicht von demselben ^troin lebendiger Kraft getragen scheint, die ihn selbst zu seinen umstürzlüsternen Formulierungen bewog. Er wendet sich gegen alles Kleinliche, gegen „das Kinderspiel der jüdischen Verbote", gegen „das Eiertänzen zwischen hunderterlei leblos gewordenen Aeußerlichkeiten". Zu dieser resoluten Negation veranlaßt ihn seine innere Wahrhaftigkeit, die den Widerstand klar voraussieht und ihn nicht scheut. Lieblichs Anregungen, Gedanken und Forderungen werden gewiß heute bei manchen jungen Menschen aus fruchtbaren Boden fallen, denn dieser kleine jiidische Luther versteht es, mit eindrucksvoller Begeisterung Probleine 311 fassen und darzustellen, die vielen denkenden Juden aus der Seele brennen. Man wird mit Genugtuung anerkennen, daß der Verfasser — als Jude durch Schicksalsbejabung — den Mut zur Ehrlichkeit fand, wird aber seinen Weg nicht gehen. Lieblich ist aufrechter Jude, ist Dichter, ist Kämpfer, man sieht aber nicht ein, weshalb er unter allen Umständen gegen das kämpfen will, zu dem er keine innere Beziehung hat, weshalb er sich für unbedingt verpflichtet hält, eine Tradition zu stürzeu, die ihn innerlich nichts mehr angeht. Seine Ablehnung mag motiviert und für ihn notwendig sein., sein Angriff jedoch ist in keiner Weise gerechtfertigt. Lieblich kann sich eine Welt bauen, lvo und wie er will, er darf auch gewiß für sie bei anderen werben, aber die moralische Befugnis zur Offensive ist ihm zweifelsohne abzusprechen. Wer ist dieser Karl Lieblich, der cs wagen dürste, den ersten Stein aufzuheben gegen eine religiöse Formenkultur, die seit Jahrtausenden die zeugende Lebenskraft in sich führte, bis endlich der Jude Karl Lieblich als Jude geboren werden konnte? Hebt man die Hand aus gegen die Mutter, auch wenn man ihre Ausdruckssormen und ihre Kleidung für gegenwartsfremd und lächerlich hält? Und wenn man wirklich gar keine Beziehungen zu ihr finden kann, ist es dann nicht viel, viel besser, zu schweigen und weiterzugehen, als ihr die Jugendlichkeit und Kraft, die sie selbst dem jungen Menschen gab, triumphierend entgegenzuhalten? Wir wollen gewiß keine unangebrachte Pietätsduselci, aber die Achtung vor denr Organisch-Gewordenen bewahren wir uns als Menschen organischvitalistischer Lebenshaltung. Tie Zeit ist keineswegs geeignet für Wandlungen, wie sie Lieblich in neuerungsgieriger Eile herbeiführen will. Wir bestreiten ihm das Recht, für die jungen Juden schlechthin zu sprechen, wenn wir auch seine Weltschau und sein lebendiges Jude-Sein zu schätzen wissen. Tie unangebrachte Proklamierung einer mit dichterischem Pathos ersehnten Umwandlung, die Lieblich als „neue jüdische Idee von Weltbedeutung" bezeichnet, muß als bedauerlicher taktischer Mißgriff angesehen werden. Wir bestreiten entschieden, daß man dem Judentum zu neuem Leben verhelfen kann, wenn man zu den bereits vorhandenen Arzneislaschen wie Zionismus, Neuorthodoxismus usw. eine neue hinzusügt. Heute bedürfen wir mehr als je der Einigkeit unter Zurücksetzung persönlicher Interessen und Meinungen. Den sauber den- Neues Modell mit Vorderschluss P. A. Stoss Nachfolger Mainz Ludwigstraße 22/10 EMYLIS kendcn und sicher empfindenden Menschen bedünkt es daher, e» wäre besser gewesen, wenn Lieblich geschwiegen hätte, als mit einer „neuen Wcltordnung" nebst entsprechender Vereinsgründuug auszuwarten. Tr. Rene Hartogs. Religionsgesellschaften und Weltanschaunngsvereinigungen im Bolksschulrecht. Von Dr. Max Stieselzieher. Preis 6 RM. Verlag B. Heller, München,. Plinganserstraße 64. Tie schwierigen Fragen des Volksschulrechts nadC) der Reichs- Verfassung haben schon nach verschiedenen Richtungen ihre Darstellung gefunden; doch sind dabei eine ganze Reihe von Problemen, namentlich soweit die Religionsgesellschaften, und unter diesen die jüdische, und Weltanschauungsvereinigungen betroffen sind, unerörtert geblieben. Die vorliegende Arbeit unternimmt es nun erstmals, das aus diesem Gebiet geltende Recht erschöpfend darzu- ,stellen. Im ersten Hauptteil werden, nach einer guten, historischen Einleitung, der Grundsatz der ausführlichen staatlichen Schulverwaltung nach dem Prinzip des Art. 144 der Reichsverfassung mit der geschlossenen Zahl von sieben Ausnahmen, dann die Rechte der Religionsgesellschaften in der Verwaltung des Volksschulwesens nach dem bayerischen Konkordat vom 29. März 1924 behandelt. Ter zweite Hauptteil, der der Arbeit ihre Sonderbedeutung gibt, hat zum Gegenstand das Recht der jüdischen Volksschule und des jüdischen Religionsunterrichts in der Volksschule nach Reichsrecht und den Hauptlandesrechten. Schließlich wird die rechtliche Stellung der Weltanschauungsvereinigungen im Volksschulrecht dargestellt. Tie Rechtsgrundlagen für den Religionsunterricht an den Volksschulen Hessens sind in diesem Buche ebenfalls zusammengestellt, so daß für alle jüdischen Gemeinden, Vorstandsmitglieder, Lehrer und Verwaltungsbeamten, die überhaupt mit Schul- und Ilnterrichtssragen befaßt sind, das Buch unentbehrlich sein dürste. Ter Morgen. Das erste Heft des siebenten Jahrgangs ist soeben erschienen. Einige geleitende programmatische Sätze legen Richtung und Ziele des neuen Jahrgangs dar, wie sie sich aus der Fortführung des bisher Gebotenen und der geistigen Lage der Gegenwart ergeben. Das Aprilhest nimmt mit einer Reihe besonders bedeutsamer Arbeiten die angezeigte Linie auf. Leo Baeck eröffnet das Heft mit einer Betrachtung über „Volksreligion und Weltreligion", in der er die Idee einer über das Staatliche hinausreichenden, mit ihrer Forderung an die Welt sich wendenden Religion aufzeigt. Es folgt ein Abschnitt aus dem Josephroman von Thomas M a n n , „das bunte Kleid", ein jüngst entstandenes in sich abgeschlossenenes Einzelbild von großer Schönheit. Aus dem Nachlaß Franz Kaskns erscheint eine Reihe bedeutender philosophischer Auszeichnungen: „Vom inenschlichen Dasein", „Von der Sünde", „Von' der Hoffnung". Ter Dorpater Religionsphilosoph T. Werner ©nie h n gibt eine aufschlußreiche Einführung irr einen außerordentlich interessanten Wissenskreis: „Die Stufen der mystischen Versenkung und ihre seelischen Hintergründe." Der Autor fügt seiner Abhandlung ein ausführliches Literaturverzeichnis bei. Max Diene in a n u ergänzt diese Ausführungen durch eine Betrachtung „Erlebnis und Tat", in der er das eigenartige Wesen der jüdischen Mystik darlegt. Eine eingehende Darlegung und Kritik „des nationalsozialistischen Wirtschaftprogramms" von Margarete Wiener kommt einem allgemeinen Bedürfnis nach Aufhellung dieses Fragenkomplexes entgegen. Eine wissenschaftlichfundierte Kritik des Programms wird hier mit leidenschaftsloser Sachlichkeit vorgetragen. Paulus van Husen gibt einen Ueberblick über „Die geistigen Strömungen des Katholizismus Deutschlands". Der Frankfurter Universitätsprofessor Franz Weidenr e i ch behandelt „das Problem der jüdischen Rasse" mit Sachkenntnis und großer Ueberlegenheit und gibt wertvolle, statistisch belegte Tatsachen über Rasse, Blutgruppcn'forschung und verwandte Fragen. Auch das Gebiet der Wirtschaft kommt in diesem vielseitigen Heft zur Sprache: Leopold M e r z b ach legt in vorzüglichen „Betrachtungen zur Wirtschaftslage" die Ursachen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise dar, und Gerhard Schacher beschließt seine Ausführungen: „Tie wirtschaftliche Lage der jüdischen Minderheiten in Südosteuropa." Tie Zeitschrift erscheint zweimonatlich (jedes Heft ist ca. 100 Seiten stark) und ist durch jede Buchhandlung oder direkt durch den Philo-Verlag Berlin W 15, Cmser Str. 42 zum Jahrespreis von 12 Mark zu beziehen. ' Die Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" hat zum Gedächtnis Eugen Easparys, des Begründers und Vorsitzenden der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und des Wohlfahrts- und Jugendsürsorgeamtes der Jüdischen Gemeinde Berlin ein Doppelheft (März-April) herausgegeben. Es enthält eine Gedächtnisrede von Rabbiner Tr. Baeck, Aussätze von Eugen Casparh ,eine Schilderung seines Wirkens und einen ausführlichen Bericht über „Fünf Jahre Wohlfahrts- und Jugendsürsorgeamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin". Der Erörterung einiger besonders wichtiger und aktueller Fragen dienen ein weiterer Aussatz von Dr. Kreutzberger über die „Notwendigkeit einer jüdischen Sozialpolitik" und ein Artikel über „Jüdische Darlehnskassen", dem ein Verzeichnis der in Deutschland befindlichen Tarlehnskassen beigefügt ist! Eine vielseitige Ilmschau (u. a. über Jugenhwohlfahrtz Gesundheitsunh 10

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