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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-04-01 · 4 (4.1931) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
4 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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L.Ishrg.,lHr.4j? iRpcil m ä des Lsndesverbandes der lstaeWchen llleligionsgemeinden Wens .- - DI1IIC 1 - Kieses ölatt erscheint monatlich und geht den Mit-!I! Zuschriften: Minj, HjinDenburgflrafie |fir. 44 gliedern unentgeltlich i». ♦ krschcinungsort Wainj. III schriftleitung: lllabbiner Dr. s. Levi, lülnini r ■ -t Sorgfältiger Beachtung dringend empfohlen! Die geplante Kalenderreform gefährdet den Sabbat. Wie unseren Lesern aus der Tagespresse und aus jüdischen Zeitungen bekannt sein dürste, ist dem Völkerbundsbüro in Gens ein Antrag zugeleitet worden, der eine wesentliche Reform des gegenwärtig gültigen Kalenders bezweckt. Der Antrag ist von amerikanischen kaufmännischen Kreisen ausgegangen, seine Durchführung soll der Vereinfachung des wirtschaftlichen Lebens dienen. Der Grundzug der geplanten Reform besteht darin, daß das Jahr in 13 Monate zu je 28 Tagen ausgeteilt wird und daß alle 13 Monate mit dem gleichen Wochentage beginnen. E i n Tag (der 365. unseres Sonnenjahres oder der Neujahrstag) soll als Blancotag eingeschaltet werden. Die notwendigen Ausgleiche und Berichtigungen sind ebenfalls vorgesehen, so für das Schaltjahr ein Mitt-Somlner-Blancotag. Bei einer Einführung dieser beantragten Reform, für welche in tveiten Kreisen nachdrücklich geworben wird, die aber auch vielfach bekämpft wird, müßten die bisherigen Fest- und Feiertage des Kalenders neu angeordnet werden. Für uns Juden bringt die geplante Reform eine nicht zu unterschätzende Gefährdung des Sabbat mit sich, weil infolge des Neujahr-Blancotages (um nur von diesem zu reden, und die weitere Verschiebung der Wochentage im Schaltjahre durch deu Mitt-Sommer-Blancotag ganz außer Acht zu lassen) im Laufe der Jahre unser Sabbat der Reihe nach auf alle Tage der Woche fiele. Wenn beispielsweise der Blancotng im ersten Jahre des reformierten Kalenders auf einen bisherigen Freitag fiele, dann wären sämtliche Wochen- und Monatsanfänge des Jahres 1 auf den bisherigen Samstag festgelegt. Demzufolge wären sämtliche Wochen- und Monatsenden mit dein bisherigen Freitag identisch. Der Blancotag des Jahres 2 müßte nun nach 13 mal 4 Wochen oder nach 364 Tagen auf einen bisherigen Samstag fallen und die Wochen und Monate des Jahres 2 begännen sämtlich mit einem bisherigen Sonntag d. h. unser Sabbat fiele in diesem Jahre auf den siebenten Tag der bisherigen Zählung. Im Jahre 3 wäre alsdann ein Sonntag der bisherigenTagesbezeichilung der Blancotag. Alle Wochen und Monate begännen mit einem bisherigen Montag, unser Sabbat wäre der sechste Tag der Woche. Im Jahre 4 wäre ein bisheriger Montag der Blancotag. Alle Wochen und Monate begännen mit eincrn Dienstag, unser Sabbat wäre der fünfte Tag der Woche usw. Jeder Laie kann sich ausmalen, in welche Schwierigkeiten der sabbattreue Jude durch diese dauernde Verschiebung seines religiösen Ruhetages käme und welche Gefährdung unseres gesamten religiösen Kalenders mit dieser geplanten Reform verbunden ist. Jüdische und nichtjüdische Organisationen haben infolgedessen bereits ihre Stimme gegen die geplante Reform erhoben und haben andere Vorschläge, die ebenfalls eine Vereinfachung des bisherigen Kalenders ermöglichen, unterbreitet. Der Allg eim ei n e Deutsche Rabbinerverband hat bei einer am 5. Januar d. I. in Leipzig abgehaltenen Ausschußsitzung das Referat des Herrn Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal, Köln, über die geplante Reform entgegengenommen und folgende Erklärung abgegeben: „Wir begreifen das Interesse weitester Kreise an einer Kalender-Reform. Wir sehen uns aber genötigt, mit allem Nachdruck Einspruch zu erheben gegen solche Reformvorschläge, die durch Einsetzung eines Blancotages Geltung und Heilighaltung des -L-abbat aufs schwerste gefährden. Wir weisen darauf hin, daß es Vorschläge gibt, die diese Gefahr vermeiden, und zwar durch Einführung einer Schalt Woche. Es wäre wünschenswert, dieser -schaltwoche den Charakter einer Weltfriedenswoche zu geben." Nun kommt es darauf an, daß die Kreise, welche ein Interesse daran haben, daß die geplante Kalenderreform in der oben gezeichneten Art nicht beschlossen werde, ihre Stimme dagegen erheben. Auch unser Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens will eine Protestliste vorbereiten. In diese Liste, die beim Völkerbund eingereicht werden soll, werden die Namen der Haushaltungsvorstände der hessischen Juden eingetragen, soweit die Haushaltungsvorstände nicht ihre Eintragung verweigern. Wir hoffen, daß kein Jude Hessens uns seinen Namen vorenthält; sollte aber doch jemand gegen die Eintragung seines Namens in die Protestliste sein, so erwarten wir seine baldige Nachricht, damit wir seinen Namen aus der Liste streichen. Mainz, im März 1631. Der Oberrat des Landesverbandes.

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