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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-02-01 · 2 (2.1931) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
2 (2.1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Mainz. Die hundertste Wiederkehr des Geburtstages Rabbiner Tr. Marcus Lehmann s. A. beging die israelitische Religionsgesellschaft Mainz, bei der Tr. Lehmann sein Lebenswerk begründet und fast vierzig Jahre gewirkt hat, zunächst durch eine beim Sabbathgottesdienst am 17. Januar d. I. durch ihren Rabbiner, Dr. B a m b e r g e r , gehaltene Festprcdigt. Am Sonntag, den 25. Januar d. I. veranstaltete die Religionsgesellschaft alsdann eine Gedenkfeier im Bankettsaal der „Liedertafel". Die Mitglieder der Religionsgesellschaft nahmen fast vollzählig an dieser Gedenkfeier teil; auch der Vorstand der Religionsgemeinde hatte vier feiner Mitglieder zu dieser Feier entsandt. Herr Gemeinderabbiner Dr. Levi und zahlreiche Mitglieder der Religionsgemeinde waren ebenfalls erschienen. Vor der geschmückten Rednertribüne war das umkränzte Bild Dr. Lehmann's aufgestellt. Herr I s a a c Fulda, Mitglied des Vorstandes und Nachkomme eines Mitbegründers der Religionsgesellschaft, begrüßte die Erschienenen, nachdem der Shnagogenchor der Religionsgesellschaft unter Leitung des Herrn Schlessinger durch einen Gesang die Feier eingeleitet. Eine Urenkelin Dr. Lehmann's, Fräulein Rosa T s ch e r n i a k, trug einen durch Wärme und Schlichtheit wirksamen Prolog vor. Dann ergriff in Vertretung des durch Unpäßlichkeit verhinderten Herrn Dr. Meyer Hildesheimer, Berlin, Herrn Redakteur S. S ch a ch n o w i tz, Frankfurt a. M. das Wort zu einer Gedenkrede, in der er als Nach« folger Dr. Lehmann's in der jüdischen Journalistik und Belletristik, ein großzügiges Bild der Zeit gab, in die Lehmann hineingeboren wurde, und der Entwicklung der Neuorthodoxie, die Lehmann neben S. R. Hirsch und Esriel Hildesheimer mitschuf. Der Redner charakterisierte die Eigenart der Persönlichkeit und Arbeit Lehmann's, der sich die Waffe leichtesten Kalibers, die Publizistik und die schön-geistige Literatur für sein Ziel wählte und dadurch vielleicht den größten Erfolg erzielte, weil er zum Herzen des Volkes sprach. Hirsch, Hildesheimer und Lehmann haben jeder auf seine Weise sich eine Weltkanzel geschaffen, von der aus sie weit über ihren engeren Kreis hinaus gehört wurden: Hirsch schrieb feine religionsgedanklichen Werke und zeigte so in kritischer Zeit neue Wege für die Erfassung religronsgesetzlicher Vorschriften und für die Betätigung religionsgesetzlichen Lebens; Hildesheimer errichtete das Rabbinerseminar und versorgte dadurch die Gemeinden mit Lehrern und Führern; Lehmann begründete in der richtigen Erkenntnis, daß der Orthodoxie ein entsprechendes Publikationsorgan fehle (wie es Ludwig Philippsen und sein Kreis in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" geschaffen hatte), im Jahre 1860 den Mainzer „Israelit", schrieb seine Novellen und Romane ans Vergangenheit und Gegenwart. Lehmann erreichte auf diese Weise Jung und Alt, Männer und Frauen; mit Spannung wurden die allwöchentlich in der Beilage des „Israelit" gebrachten Fortsetzungen aus der Feder Lehmann's bei den zahlreichen Lesern des „Israelit" erwartet. Auch den für deutsch-jüdische Veröffentlichungen sonst schwer zugänglichen Osten wußte Lehmann durch seine Wochenschrift zu interessieren und für eine religiöse Gemeinschaft über Landesarenzen hinweg zu gewinnen. Der Redner mahnte seine Zuhörer, auch heute noch für die Verbreitung der Lehmann'schen Schriften besorgt zu sein. Herr Bankdirektor Eduard Simon, einer der ältesten Schüler Dr. Lehmann's, gab dann aus persönlichen Erinnerungen ein lebensnahes Bild von der Persönlichkeit, der unermüdlichen Arbeit und der Güte feines einstigen Lehrers, die ihm seine einflußreiche Stellung und die bekannte Verehrung schufen. Nach einem Schlußwort des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger und nach einem Psalmgesang des obengenannten Chores erklärte Herr Jsaac Fulda die Gedenkfeier, an der zahlreiche Nachkommen und Familienangehörige, darunter eine staatliche Schar von Urenkeln teilnahmen, für beendet. Mainz-Kastel. Am 14. Januar verstarb hier Herr Nathan N e u m a n n. An der Trauergefolgschaft nahmen teil die Freiw. Turnerfeuerwehr Mainz-Kastel, der Kreisverband freiw. Feuerwehren, sämtliche Wehren von Groß-Mainz, der Turnverein Mainz-Kastel, der Kriegerverein Mainz-Kastel, der Möbelfabrikanten- und Meisterverband, sowie die Schreinereigenossenschaft. Sprendlingen. Bei der Neuwahl des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde wurde Herr Adolf Berger zum 1. Vorsitzenden und zu weiteren Vorstandsmitgliedern die Herren Daniel Aron und Ernst Schloß gewählt. Worms. Herr S a m u e l G u g g e n h e i m, der Nestor unserer Gemeinde, ist nicht mehr. Vor wenigen Wochen noch konnte er seinen 90. Geburtstag feiern. Nun ist er zu seinen Vätern eingegangen. Wie bei der Feier seines letzten Geburtstages kam jetzt wieder alle Liebe, Hochschätzung und Verehrung, die der Heimgegangene während seines langen Erdenwallens sich erworben, zum ergreifenden Ausdruck. Der Trauerzug, der von dem Sterbehaus durch die Stadt nach dem alter: israelitischen Friedhofe sich bewegte, vereinigte in sich eine außergewöhnlich große Zahl von Teilnehmern aus allen Schichten unserer Bevölkerung und vor: auswärts. Ter Heimgegangene war, einer der letzten Vertreter von Alt-Worms, eine jener markigen, wetterfesten Persönlichkeiten, die unser Geschlecht selten mehr kennt, erfüllt von inniger Religiosität, ein Mann der Tatkraft, unermüdlichen Fleißes und froher Geselligkeit. In seinem Familienleben, wie auch draußen im Getriebe des Alltags bewahrte er die Traditionen aus guter alter Zeit, wie er in seiner JugendTagen sie in sich ausgenommen. An der Bahre rief Rabbiner Tr. Holzer dem Freunde von Herzen kommende Worte des Abschieds nach und ließ das Leben und Sichgeben dieses seltenen Mannes nochmals vor den Augen der Zuhörer vorüberziehen. In gleichem Sinne sprachen Herr I. Kiefer namens der Hospitalverwaltung und des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeindc, dem der Verewigte jahrzehntelang angehört, Herr Dr. Tryfus namens der Dalberg-Loge, Herr Rabbiner Dr. D i e n e m a n n aus O f f e n b a ch a. M. als Freund des Verstorbenen und seiner Familie, Herr Prokurist H e i n z e l namens der Angestellten der Firma Daniel Guggenheim. — Nicht nur trauern wollen wir, nein, diese edle, vornehme Persönlichkeit möge uns ein Vorbild sein, das uns zur Nacheiferung anspornen soll. n. Hamburg. Die Stadt und die jüdische Gemeinde Hamburg hat einen schweren Verlust erlitten, der auch die Gemeinde Mainz betrifft: Am 25. Dezember 1930 starb der in Mainz geborene und seit einer Reihe von Jahren in Hamburg ansässige Herr Hugo K n o b I o ch im 64. Lebensjahre. Herr Hugo Knobloch, der als Seniorchef die bekannte Im- und Exportfirma Hugo Knobloch & Co. in Hamburg und Chemnitz leitete, hat sich in Gemeinschaft mit seinem Bruder in energischer und zielsicherer Arbeit zu einer führenden Persönlichkeit in seinem Berufskreise emporgearbeitet. Sein Tätigkeitsgebiet ging über Länder und Meere. Hugo Knobloch hat sich aber auch als wohltätiger und hilfsbereiter Mensch in Hamburg große Dankbarkeit erworben. All diese Verdienste kamen bei der Beisetzungsfeierlichkeit zum Ausdruck, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Holzer, Hamburg, die Gedenkrede hielt und verschiedene weitere Redner Zeugnis ablegten von den bleibenden Verdiensten des Verstorbenen. Vereine und Verbände. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. B. hält ihre diesjährige Mitgliederversammlung am Mittwoch, dem 25. Februar 1931, 20 tlhr pünktlich, im Logenhaus, Berlin W. 62, Kleiststraße 10, ab. Herr Dozent Dr. Harry Torczyner, Berlin, wird über das Thema: „Die Bibel und die Literaturen des alten Orients" sprechen. Der auch für einen weiteren Kreis sehr interessante Gegenstand des Vortrages wird sicher zahlreiche Mitglieder veranlassen, die Versammlung zu besuchen. Gäste können eingeführt werden. Das Turchwandererheim der Provinzialkasse für jüdische Wanderfürsorge, Frankfurt a. M. (Eigentümer der Israelitische Hilfsverein) ist nach längeren Bemühungen renoviert worden. Das Heim wurde am Donnerstag, den 22. Januar, in Gegenwart einer Anzahl geladener Gäste seiner Bestimmung übergeben. Namens der Wanderfürsorge begrüßte Herr Sanitätsrat Dr. Albert Ettlinger als Vorsitzender die Anwesenden. Herr Rabbiner Dr. I. H o r o v i tz hielt eine Ansprache, in der er die Notwendigkeit eines Heimes für Wanderer betonte und seiner Freude Ausdruck gab, daß trotz der Schwere der Zeit es den vereinten Kräften des Vorstandes gelungen wäre, die Renovierung durchzuführen. Herr Arch. B. D. A. Fritz E p st e i n, der die Leitung des Umbaues in uneigenütziger Weise übernommen hatte, zeigte dann den Besuchern die Räume. Das Durchwanderheim ist innen und außen vollkommen erneuert worden, teilweise wurden Neubauten vorgenommen. Innerhalb der Wanderfürsorge bedeutet das Frankfurter Heim einen der Stützpunkte, die für die geregelte Arbeit von allergrößter Wichtigkeit und Nutzen sein dürften. Wir haben die Freude, daß manche von unseren Wanderern, nachdeu: sie die Wohltaten eines eingeteilten geregelten Lebeus kennengelernt habeu, den Weg zur Familie und zur Arbeit zurück finden. Möge das Wort, das Herr Rabbiner Dr. Hoffman:: am ersten Freitagabend nach der Wiedereröffnung des Heims zu den Wanderern sprach für alle in Erfüllung gehen: „Kommt in Frieden und geht in Frieden." Anläßlich des K.C.-Tages in Frankfurt a. M. wurde nachfolgende Resolution gefaßt: „Die anläßlich des 27. ordentlichen K.C.-Tage§ am 10. und 11. Januar 1931 in Frankfurt am Main versammelten Mitglieder des Kartell-Conveurs der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens (K.C.) haben mit Empörung davon Kenntnis genommen, daß in mehreren Studentenparlamenten Beschlüsse gefaßt wurden, bei den Staatsbehörden auf Einführung des uumerus clausus für alle ftidischen Studieren- 9

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