Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 2 (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Außenansicht der Synagoge in Alsfeld. msmm •V « unter Führung der ersten Vorstandsdame des Franenvereins, Frall Auguste Strauß, die sich durch ihre jahrelange, unermüdliche Arbeit ganz besonders verdient gemacht haß ein herrliches wirknngsvolles Porauches, eine Schulchandecke, eine silberne Thorakrone und ein silbernes Thoraschild, gestiftet haben, ebenso der Männerchewrah, die ein schönes, stimmungsvolles Nöir Thomid ans diesem Anlaß gespendet hat. Seine Ansprache klang aus mit dem Versprechen, auch Weiterfort die Obligenheiten der Gemeinde im Sinne unserer Ahnen zu führen. Darauf hielt Herr Lehrer K a h u die Weihepredigt, die in ihrer Formvollendung 'und Innigkeit alle Zuhörer in ihren Baun schlug und tiefen Eindruck hinterließ. Er sprach über die Bedeutung der Synagogen und ihrer Einrichtungen, der heiligen Lade des ewigen Lichtes und des Almemors, den er mit dem Misböach, dem Altar im heiligen Tempel, verglich, ihre Beziehungen zueinander und ihre Beziehnngen zur Gemeinde. Er dankte Herrn Steinberger ftir seine Worte der Anerkennung und der ganzen Gemeinde für das Vertrauen, das sie ihm in all den Jahren seiner Tätigkeit entgegengebracht hat. Seine Predigt klang aus in einem Treuegelöbnis zur altüberlieferten Religion und ihren traditionellen Einrichtungen und schloß mit einem Segenswunsch für die Gemeinde. Die Feier fand ihr Ende mit dem Psalm 100, der vom Synagogenchor vorgetragen wurde. Der Gottesdienst am Sabbatmorgen wurde von Herrn Josef Bettmann gehalten, der schon fast 80 Jahre das Amt eines Hilfsvorbeters ehrenamtlich versieht. Nach dem Entheben hielt der als geistvoller, weit über die Grenzen seines Bezirkes hinaus bekannte Kanzelredner. Sr. Ehrwürden Herr Provinzialrabbiner Dr. Hir schfeld seine großaugelegte Festpredigt über den Anfang des Wochenabschnittes: m Ueberaus packend verstand er es, an Hand der Persönlichkeit des Jehndah das Wesen des Judentums zu kennzeichnen. Aus dem ersten Wort der Sidrah: Wajigasch entrollte er ein Bild von den jahrtausendlangen Kämpfen, die Israel um die Erhaltung seiner Existenz führen mußte und die bis zum heutigen Tage noch nicht abgeschlossen sind. Er bezeichnete das T'r , die Synagoge, als dasjenige Mittel, welches dem müden Kämpfer immer wieder neue Kraft und neuen Antrieb verlieh. Eine besondere Note erhielt diese Festpredigt dadurch, daß Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld vor 25 Jahren die Weihe des neu erbauten Gotteshauses vornahm, auf welche Tatsache er mit besonderer Freude hinwies. Am Schluß seiner Predigt, welche den nachhaltigsten Eindruck auf alle Zuhörer machte, erbat er den Segen Gottes für nufere Gemeinde und ihre Einrichtungen und wünschte ihr für alle Zuknnft ein weiteres Blühen und Gedeihen. Besondere Anerkennung verdient der Synagogenchor, der, unter Leitung des Herrn Lehrer Kahn stehend, viel zur Verschönerung der Feier beigetragen hat. Die Gemeinde sah infolge der schweren Zeitverhältnisse von einer größeren weltlichen Feier ab, jedoch versammelte man sich abends zu einem Gemeindeabend, an welchem Herr Lehrer Kahn einen Vortrag hielt über die Geschichte der ,Alsfelder jüdischen Gemeinde, die bis ins tiefste Mittelalter zurückreicht. Dieser Vortrag wurde von Gesangsvorträgen eingerahmt, ausgeführt von Frau Rosi Stein berge r. Dieser Sabbath wird in der Erinnerung bei all denen, die ihn erleben durften, fortleben. K. B. Gießen. Am 28. Januar d. I. begeht Herr Moritz Strauß, seit 1907 Mitglied des Vorstandes und bis zur Vollendung seines 70. Lebensjahres eine Reihe von Jahren Vorsitzender der israelitischen Religionsgemeinde, in voller Körper- und Geistesfrische seinen 75. Geburtstag. Herr Strauß, der nach dem Tode des unvergeßlichen Herrn Geheimrat Dr. h. c. Siegmund Heichelheim als dessen Nachfolger die Leitung der Genreinde übernahm, hat sich große Verdienste um dieselbe erworben. Durch eine segensreiche Tätigkeit im Dienste des Gemeinwohls hat er die Gemeinde- Institutionen, auch in beu schweren Zeiten der Inflation, auf der Höhe gehalten und es verstanden, den Frieden in der Gemeinde zu wahren. Möge Herrn Strauß, der sich allgemeiner Wertschätzung erfreut, im Kreise seiner Familie ein sonniger Lebensabend beschieden sein! Groß-Gerau. Der hiesige israelitische Franenverein hielt seine diesjährige Versammlung Ende Dezember 1930 in Verbindung mit einer kleinen Feier anläßlich des 60jährigen Bestehens des Vereins, ab. Unter fast vollzähliger Beteiligung hieß die Vorsitzende Frau Minna K a h n die Erschienenen willkommen und warf einen kurzen Rückblick auf die Gründung und die Zwecke des Vereins. Der wohlgelungene Abend wird den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. Groß-Gerau. Ter hiesige B r a u t a n s st a t t n n g s v e r e i n hielt am 18. Januar seine alle zwei Jahre am stattsindende Hauptversammlung ab. Der Verein wurde vor 104 Jahreil gegründet, zählt über 100 Mitglieder, die sich die hohe Aufgabe gestellt haben, das Gebot von zu betätigen, co wurden auch dieses Mal wieder zwei Töchter von Mitgliedern des Vereins mit Legaten bedacht. Lehrer Rotschild wies auf die Wichtigkeit der von "^2 71^2,1 hin und führte aus, daß hierin Gemeinschaft ein edles Gebot erfüllt wird, das der einzelne nur schwer zu erfüllen imstande sei. In der NNNL (i heißt es: 2lpn ‘r-."7'" „Wenn der einzelne zu gering ist, das Gebot zu erfüllen, so tue er es mit seinem Nachbar." Groß-Karben. Am 20. Januar wurde Frau H e u r i e t1 e I u n k e r unter außergewöhnlich großer Beteiligung ans allen Kreisen der Bevölkeruilg zu Grabe getragen.TieVerstorbene war eine?'r; TwUS und ihrem greisen Manne eine wahre Stütze. ~2Ä:r, Mainz. Wiederwei h e einer S y n a g 0 g e : Der israelitische Männerkrankenverein der Aeltere lMainzer Kippe» konnte am Sonntag, den 25. Januar d. I., die im Gartengelände seines Vereinshauses gelegene Synagoge von Steuern weihen, ßn dieser Synagoge wurde in früherer Zeit in Trauerwochen unö i-n Jahrzeitstagen der Bereinsmitglieder regelmäßig Gottesdienst abgehalten. In den letzten Jahren war diese alte Sitte aus den verschiedeilsten Gründen nicht mehr aufrecht gu erhalten. Eine Zeitlang - während der Kohlennot der Nachkriegszeit — hat d,e israelitische Religionsgenwinde ihre täglichen Morgen- und Abeudgottesdienste in die Synagoge verlegt. Seit einigen Jahren stalld sie aber ungenützt. Nachdem nun die rituelle Speisewirtschaft in das Bereinshans des geilanilten Krankenvereins, Klarastraße 13, eingezogen ist, hat der Vorstand des Vereins auch die Synagoge instandsetzen und unter wesentlichen finanziellen Opfern für ihren heiligen Zweck bereitstellen lassen, Nachdem die Instandsetzungen unter Leitung des Architekten P r e i s durchge führt waren, wurden in schlicht feierlichem Zuge die Tborarollen von dem Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde, dem Rabbiner der Religionsgesellschaft und von Vorstandsmitgliedern des Vereins in die heilige Lade zurückgebracht. Beim Einzug der Thorarollen stimmte ein Männer-Doppelqnartett des Synagogenchors der Religionsgesellschaft das „Boruch baho" an. Nach dem Gebet beim Einheben der Thora und einem kurzen Weihegebet, gesprochen von Herrn Kantor London, wurde durch ein gemeinsames Maarivgebet die alte heilige Stätte ihrem religiöseil Zweck wieder zugeführt. Durch diese Neuweihe Uürd es in Zukunft insbesondere möglich sein, synagogale Tranlingen innerhalb desselben Gebändekompleres zu vollziehen, in welchem anschließend an die Trauung auch die festliche Hochzeitsmahlzeit gehalteil werden kann. Nach der religiösen Weihe der Synagoge blieben die Teilnehmer 311 einem gemütlichen Abendimbiß im Vereinsrestaurant G 0 l d s ch m i d t, Klarastraße 13, beisamlnen. Der Vorsitzeilde des Vereiils, Herr Koiilmerzieiirat B. A. M a n e r, begrüßte nunmehr den festlicheil Kreis. Herr Hugo Cahn, als Religionsvorsteher des Vereins, hielt eine auf Geschichte und Zweck des Vereins eingehende Weiherede. Unter weitereil Ansprachen der Herreil Studienrat Dr. L 0 r g e, Gemeinderabbiner Tr. Levi und Jsaae Fulda verliefeii die Stuilden bis gegen Mitterllacht belehrend und anregend. 7