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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-01-01 · 1 (1.1931) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
1 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Mainz. Tie Rechnung über den Betrieb der Israelitischen Religionsgemeinde Mainz in der Zeit vorn 1. April 1929 bis 31. März 1930 schließt ohne Fehlbetrag ab; der Rechnungsrest einschließlich vorgeschriebcnem barem Betriebskapital hat gegerrüber dem Vorjahre eine Verminderung nicht erfahren. Wesentliche Veränderungen gegenüber dem Vorarrschlag sind nicht cingetretcn. An kleinen baulichen Arbeiten sind zu erwähnen, partielle Erneuerung des Zauns und der Wege des Friedhofs, sowie Anschluß des Hauses Margarcthengasse 1 an das Kanalnetz. Bedauerlicherweise ist in der Vermögcnsrechnung an Schenkungen und Stiftungen lediglich zur Verstärkung einer früheren siduciarischcn Stiftung nur ein Betrag von 2ö0 RM. zur Kasse eingegangcn. Die von der Aufsichtsbehörde bereits genehmigte Wirtschaftsrechnung für Renovierung des Ritualbades ist in dieser Vermügensrechnung ansgäblich verrechnet. Gleichzeitig mit dieser Renovierung der Räumlichkeiten ist auch ein Apparat erworben worden, der es ermöglicht, in religionsgcsetzlich zulässiger und technisch einfacher Weise Grundwasser, anders als hydraulisch, zu heben. Mainz. Am 1. und 12. Dezember d. I. hat sich der Vorstand der Rcligionsgcmeinde zu Sitzungen versammelt. Es wurden verschiedene Verwaltungsangelegenheiten beraten, im Nahmen des Voranschlags Subventionen neu festgesetzt und für eine bauliche Veränderung in den der Gemeindebibliothek und dem Museum dienenden Räumen ein Kredit von 400 RM. bewilligt. Mainz. Am 10. Dez. fand aus Einladuug des Ortskomitees der Jewisb Agency ein Vortrag im Gemeindehaus statt, in dem Herr Dr. Eduard Strauß, Frankfurt a. M. und Herr Kurt Blumcnseld, Berlin, über den Anteil der deutschen Juden in dem Ausbau der I. A. sprachcu. Als erster Redner sprach Herr Eduard Strauß; er gab einen bekcnntnishaften Bericht seiner eigenen Entwicklung, Unc Palästina allmählich für ihn aus einem Denkproblem zur lebendigen, Entscheidung fordernden Wirklichkeit geworden ist. In lehrreicher Form legte er das Bekenntnis der Verantwortung derbe utigen Generation vor der Geschichte dar. Seine anschauüngsvollen Ausfüllungen fanden lebhaften Beifall. Der zweite Redner, Herr Kurt Blumenfeld, zeichnete die Linie der letzten Ereignisse im Zionismus. Sehr lehrreich waren seine Ausführungen über die Verbandlungcn der englischen Regierung mit dem Führer der I. A. Herrn Dr. Weizmann. Tie Wandlungen, die die Stellung der Juden zu Palästina in den letzten Jahren genommen hatte, legte er in klarer Weise dar. Die Berichte der beiden Redner wurden mit großem Interesse ausgenommen. Ter Leiter des Abends, Herr Rechtsanwalt Dr. Paul Simon, sprach am Schluß des Abends den Dank für die lehrreichen Ausführungen den beiden Rednern aus. Worms. Am 10. Dez. veranstaltete der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Worms", einen Vortragsabend, wobei Herr Kantor L i l i e n t h a I, Wiesbaden, über „Lehren der Reichstagswahl" sprach. In einer nach Inhalt und Form großangelegten, sehr ansprechenden Rede behandelte der Redner diesen aktuellen Stofs. Von einer Diskussion wurde in Anbetracht der wertvollen Ausführungen abgesehen. Nur ein Vertreter der Jugend, Herr H a n s M a n n h e i m e r , legte für diese das Gelöbnis freudiger Mitarbeit ab und gab dabei dem Wunsche Ausdruck, daß innerhalb des Judentums sich endlich die dringend notwendige Einigung vollziehen möchte. — Wir hätten dem Vortrag einen größeren Zuhörerkreis gewünscht. Adam Kadel, Darmstadt WÄKl D..r u Kfp BQflENB EpXGE Pallaswiesenstrasse 45/47 Fernruf 3063 Baumaterialien Wand-u. Boden platten beläge| kur- Worms D a I b e r g - L o g e Worms. sind der Einladung gerne gefolgt, in der Erwartung, etwas ganz Eigenartiges zu hören. Unsere Hoffnung ist nicht getauscht worden. Der Abend bot uns so viel des Schönen, daß wir nur eins bedauern können, daß der Kreis der Zuhörer nicht noch größer gezogen war. Meisterhaft durch die Damen: Frau Ella Mannheim e r und Frl. Lotte Honig, vorgetragene Schumannfachen, Klavierstücke zu 4 Händen, gaben einen würdigen Auftakt. Dann betrat Herr I. Kiefer das Podium. Mit einer ihm eigenen schöiigeistigen Art sprach er über die Wirkung der Musik im allgemeinen, über jüdische Gesänge im Mittelalter, über jüdische Liedersammlungen, über den jüdischen Meistersinger Sützkind und ging dann aus die Erläuterung der Lieder des Programms ern. Tie jüdischen Volkslieder, ernster und heiterer Natur, gaben uns getreue Spiegelbilder jüdischen Seelenlebens, jüdischer Sitte und Art, frommer Gebräuche und innigen Familienlebens. Eine ganz hervorragende Vermittlerin der Volksweisen war Frau Dr. Salomo il Wir haben uns früher wiederholt an ihren Vorträgen erfreuen dürfen. Heute steht vor uns eine reife Künstlerin. Ihre Stimme verrät eine langjährige, gewissenhafte Schulung, die m jeder Lage allen Anforderungen gerecht wird. Wenn uns in dem „Leg ich mei Köppele" das Herzinnige des Vortrags auffiel, so bezauberte uns dann wieder in anderen Liedern das Neckische, Humorvolle des Vortrags mit vollendeter Mimik. Das Beste des Abends war „Unser Rebenju", ein Hymnus von ergreifender Wirkung. Wir hoffen, die verehrte Künstlerin einmal in einem großen Konzert zu hören. Eine ebenbürtige Partnerin am Klavier war Frau Ella Mannheimer. In feinfühliger Art wußte sie sich der Sängerin anzupassen und entledigte sich namentlich in dem melodramartigen Liede ihrer nicht leichten Aufgabe in vorzüglicher Weise. Reicher Beifall folgte den Darbietungen; die drei Damen wurden noch besonders durch Blumenspenden geehrt. Der „Musikalische Abend", den wir der Dalberg-Loge verdanken, war ein herrlicher Abend, ein Volksbildungsabend im wahren Sinne des Berichtiguug. In dem Aussatz des Herrn Dr. Gropp „Ein Neunzigjähriger aus einer alten Wormser Familie und sein Stammbaum" ist übersehen, Herrn Lehrer S. Rothschild in Worms zu erwähnen. Herr Dr. Guggenheim macht uns darauf aufmerksam, daß ohne die mühseligen und grundlegenden Vorarbeiten des Herrn S. Rothschild die Herausgabe des Stammbaums der Familie Guggenheim nicht möglich gewesen wäre. Er sei Herrn S. Rothschild für diese Tätigkeit zu großem Dank verpflichtet. Chanukkah-Feiern. Wie^ alljährlich, so haben auch in diesem Jahre in den verschiedensten jüdischen Gemeinden Kinder- und Jugendfeiern anläßlich des Chanukkahfestes stattgefunden. Berichte über alle diese Feiern zu bringen, ist uns aus Raummangel nicht möglich. Das seit vielen Jahren bekannte, regelmäßig voll der w. Rhenusloge Mainz veranstaltete Chanukkahfest, zu welchem alle Kinder der jüdischen Gemeinde geladen sind, stand in diesem Jahre unter dem Zeichen der wirtschaftlich ungünstigen Zeit und' war deshalb unter Verzicht auf alle kostspieligen Aufwendungen im einfachsten Rahmen gehalten. Am Sonntag, den 14. Dezember 1930, nachmittags J45 Uhr versammelten sich die Kinder in der Hauptsynagoge der israelitischen Religionsgemeinde. Zahlreiche Familienangehörige hatten die Kinder zu der Feier begleitet Ein Schüler entzündete das erste Chanukkahlicht. Die jugendliche Gemeinde sang oder hörte das Moaus zur jeschuosi. Herr Rabbiner Dr. Lev: fand in einer an die Jugend gerichteten Ansprache die Worte, welche die Kinder fesselten und belehrten. Dann wurden sämtliche Kinder beim Verlassen der Synagoge von Danien und Herren eines Ausschusses im Namen der Rhenusloge mit kleinen Geschenken erfreut. Diese schlichte Feier bildete einen würdigen Auftakt zum diesjährigen Chanukkahfeste und zu den weiteren über die Abende des Chanukkahfestes verteilten Feiern hiesiger Vereine. Eine besondere, wegen ihrer Eigenart erwähnenswerte Feier hat m diesem Jahre in Mannheim stattgefnnden. Ueber diese Chanukkahfeier berichten wir unseren Lesern in dem Seite 9 folgenden Artikel „Licht und Volk". 6

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