Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 11 (11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Schächtfrage int Gesetzgebnngsansschntz des Landtags. Laut Darmstädter Zeitung erledigte der Gesetzgebungsausschutz am 22. Okt. d. I. den Rest der ihm vorliegendenTagesordnung. Abg. Dr. Werner hatte einen Antrag aus sittliche Forderungen des Tierschutzes gestellt. Dazu lag eine Eingabe des Vorstands des Tierschutzvereins sür Hessen-Darmstadt vor aus Forderung der gesetzlichen Betäubung der Schlachttiere und eine Eingabe des Hessischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden betreffend das Schlachten von Tieren. Abg. Dr. Werner gab eine eingehende Begründung zu seinem Antrag. Innenminister Leuschner steht, wie der Ausschutz, im allgemeinen den Forderungen sehr sympathisch gegenüber, doch kam zum Ausdruck, datz sowohl der Antrag, als auch die Eingaben zu weit gingen. Auch wurde allgemein die Tätigkeit des Trerschutzvereins anerkannt. Der Antrag Dr. Werner wird in folgender Fassung angenommen: 1. Forderung des Schutzes aller Tiere durch entsprechende Matznahmen gegen jede begangene Tierquälerei. 2. Weitgehende Aufklärung in den Schulen, um die Jugend schon ffühzeitig in tierfreundlichem Sinne zu erziehen. Punkt 3 der ein Tierschutzamt in jedem Lande errichtet wissen will, verfiel der Ablehnung, weil die Errichtung eines solchen Amtes mit der finanziellen Lage nicht in Einklang zu bringen sei und ein einziges Tierschutzamt keinen besonderen Zweck hätte. Auch die Position 4, die die gänzliche Abschaffung der Vivisektion in allen Ländern einschließlich der vielfach mit der Impfstoff- und Serumgewinnung verbundenen Tierquälereien verlangt, wurde abgelehnt. Punkt 6 wird abgeändert: Förderung aller Bestrebungen moderner und hygienischer Schlachthäuser und humanster Schlachtmethoden. Punkt 3, der die Verbesserung der Vorschriften über die Viehtransporte und deren internationale Regelung wünscht, wird der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Punkt 7 fordert weiteren Ausbau des Vogelschutzes. Punkt 8: Einschränkung von Verstümmelungen lebender Tiere. Eine weitergehende Auslegung auch bezüglich des Kupierens wurde abgelehnt, weil auch der Amtstierarzt in manchen Fällen das Kupieren für erforderlich hält. Die beiden letzten Punkte: ein gesetzliches Verbot der Verwendung von Hunden als Zugtiere und ein Verbot des dauernden Ankettens von Hunden zu erlassen, wurde abgelehnt, weil hier polizeiliche Bestimmungen bestehen, die zum Schutze der Tiere ausreichend sind. Hier wurde betont, daß alle Tierquälereien zur Anzeige kommen müssen, damit dagegen eingeschritten werden kann. Durch die Annahme dieses Antrages wird die Eingabe des Tierschutzvereins abgelehnt, die des Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden für erledigt erklärt. Wenn dem Gesetzgebungsausschuß bei seinen Beratungen über einen Antrag des Herrn Abg. Werner eine förmliche Eingabe unseres Landesverbandes auch nicht Vorgelegen hat, so können wir gleichwohl unfern Lesern mitteilen, daß wir in der Sorge um die Sch'chitah und in der Aufklärung behufs Abwehr eines Schächtverbots, wie stets, so auch jetzt an nichts haben fehlen lassen. Generalversammlung des Isr. Landeslehrervereins im Volksstaate Hessen am 19. Okt. 1939 in Darmsladt. I. Geschäftsbericht erstattet von dem Vereinsvorsitzenden Lehrer Kahn, Alsfeld. Der Bericht, den ich Ihnen im Aufträge des Vorstandes erstatte, erstreckt sich auf das 5. Geschäftsjahr unseres Landeslehrervereins. Der größte Teil unserer Arbeit vollzog sich vor aller Oeffentlichkeit. Die regelmäßigen Berichte des Mitteilungsblattes gaben Ihnen Kenntnis von dem, was erreicht und was nicht erreicht wurde. Wir haben auch im verflossenen Jahre an allen Sitzungen des Oberrates teilgenommen und bei diesen Gelegenheiten sind wir stets mit Wort und Tal für die Interessen der jüdischen Lehrerschaft eingetreten. Datz uns unsere bisherigen Erfolge nicht beffiedigen, daß wir in all dem, was bisher der Landesverband für die Hebung der Lehrerschaft getan hat, nichts Endgültiges und Durchgreifendes erblicken können, das müssen wir auch heute wieder bei dieser Gelegenheit aussprechen. Wir wollen dankbar anerkennen, datz der Landesverband seit seinem Bestehen große Opfer, die in der Hauptsache von den wenigen Grotzgemeinden Hessens getragen wurden, für unseren Stand gebracht hat. Doch reichen diese bei weitem nicht aus, die Not, die nicht nur jetzt infolge der Wirtschaftsnot unserer Zeit, in vielen jüdischen Lehrerhäusern anzutreffen ist, zu beheben und den jüdischen Lehrern Hessens das zu geben, was in allen anderen Ländern unseres Vaterlandes Selbstverständlichkeit ist. Wir sind in unseren Berichten in Offenbach und in Gießen ausführlich auf diese Dinge eingegangen; wir haben dort Vorschläge gemacht, die, wenn befolgt, eine Aenderung und Besserung der Lage der Lehrerschaft herbeigeführt hätten. Wir können deshalb heute von einer nochmaligen Behandlung dieser, für unseren Stand am allerwichtigsten Frage absehen. Aber dies sei auch heute nochmals mit allem Ernst und Nachdruck betont: Wir wissen, datz heute infolge der großen wirtschaftlichen Nöte, die weiteste Kreise unserer jüdischen Glaubensgenossen in Stadt und Land ergriffen hat, sich eine durchgreifende Aenderung und Besserung in der Lage der jüdischen Lehrerschaft nicht von heute auf morgen erzielen läßt. Es ist in Hessen versäumt worden, das zu tun, was in anderen Staaten Deutschlands rechtzeitig für die Erhaltung des jüdischen Lehrerstandes getan wurde. Aber es muß trotz aller Nöte dieser traurigen Gegenwart vornehmste Aufgabe und höchstes Ziel der hessischen Judenheit sein, alle Opfer zu bringen, ihre wenigen Lehrer so zu besolden, und so zu stellen, datz diese unbeschwert durch Sorgen des Tages ihres hl. Berufes walten können. Datz hierzu nur der Landesverband allein imstande und fähig ist, dies ist auch heute noch unsere feste Ueberzeugung, die trotz aller Enttäuschungen nicht wankend' geworden ist. Und so -wird sich unsere Hauptarbeit auch in Zukunft innerhalb des Landesverbandes und mit diesem vollziehen. Wir haben auch in unserer Eigenschaft als Mitglieder des Oberrates an den Verhandlungen teilgenommen, die einen Zusammenschluß der beiden Verbände bezwecken feilten. Leider sind 2 diese Verhandlungen trotz größten Entgegenkommens des Mainzer Verbandes wieder gescheitert, und damit ist auch unsere Hoffnurig, daß endlich durch den Zusammenschluß der gesamten hessischen Judenheit ein starker, leistungsfähiger Verband entstehe, wiederum in weite Ferne gerückt. Die Leidtragenden an diesem beschämenden, innerhalb Deutschlands einzig dastehenden Zustande, sind die jüdischen Lehrer Hessens. Weiter waren wir bestrebt, in einer großen Reihe von Einzelfällen, die ich an dieser Stelle nicht aufzählen mag und kann, sowohl mit Hilfe des Verbandes als auch durch Beeinflussung verschiedener Gemeinden und Behörden, unseren Kollegen Erleichterungen und finanzielle Besserung und Förderung zuteil werden zu lassen. Es ist uns hier nicht alles geglückt, aber wir hatten doch die Genugtuung, einzelne Erfolge verzeichnen zu können, die uns für die Mühe, die solche Kleinarbeit in ganz erheblichem Matze verursacht, reichlich entschädigten. Ein Jahr ist auch verflossen, seit wir dem Reichsverband der ^irdischen Lehrervereine angehören. Sie wissen alle, welch erhebliches Matz von Arbeit, Geduld und Selbstüberwindung es erforderte, bis wir so weit waren, daß wir unseren Beitritt vollziehen konnten. Auf unserer letzten Tagung in Gießen, unter Anwesenheit unseres allseits verehrten Kollegen Steinhardt, wurde einstimmig und unter der Begeisterung der gesamten Versammlung der Anschluß unseres Vereins an den Verband vollzogen. Der Vertreter unseres Vereins, Kollege Bick, hat dann an der Sitzung des Verbands-Ausschusses in Leipzig, Pfingsten 1929, teilgenommen. Diese Zusammenarbeit mit dem großen Verband hat sich bisher reibungslos vollzogen und wird sich in Zukunft auch so gestalten, datz sowohl sur den Einzelnen, als auch für die Gesamtheit der jüdischen Lehrerschaft nur Gutes und Ersprießliches aus diesem Zusammenwrrken erwachsen wird. . Vom 29. bis 31. Dezember findet in Berlin der Verbandstag des Retchsverbandes statt. Es sind jetzt schon zu dieser Versammlung sämtliche hessischen Lehrer eingeladen, auch werden wir durch Delegierte bei dieser Heerschau des jüdischen Lehrerstandes vertreten sem. W ^uHU||e meines »eiiajt cs, den tcy diesmal avstchtlich kurz gehalten habe, m welchem ich auf sehr viele, auch heute ^"9 ..^e^c Fragen, die schon früher von mir behandelt wurden, nicht naher eingegangen bin. Ich weiß auch, datz ich Ihnen keine großen Erfolge berichten konnte. Ich weiß aber auch, daß sowohl der gesamte Vorstand ^zhres Vereins als auch ich, stets vou dem heißesten Wunsche und Verlangen erfüllt waren, bei allen sich uns bietenden Gelegenheiten unserem Stand zu nützen und ihm das zu verschaffen, worauf der Einzelne imd die Gesamtheit An-