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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-10-01 · 10 (10.1930) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
10 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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die Einteilung des Religionsunterrichts und über die Reparaturen im Bad wurde berichtet, Gebühren sind festgesetzt, der Erwerb eines Kippwagens und die Bestellung von Gummihandschuhen und Mänteln für die Chevrah Kadischah sind beschlossen worden. Mainz. Fräulein Emma Simon vollendete am 1. Oktober in geistiger Frische ihr 70. Lebensjahr. Fräulein Simon, ein Mainzer Kind, ist die Tochter des mit 93 Jahren verstorbenen Herrn Jacob Simon, Mitbegründer der Israel. Neligionsgesellschaft. Vereine und Verbände. Ter jüdische Friedenslmnd, dem 17 jüdische Organisationen angeschlossen sind, entfaltet in letzter Zeit eine eifrige Tätigkeit. In allen größeren Gemeinden veranstaltet er Kundgebungen, die in einer breitere,: Oesfentlichkeit die Ziele und Bestrebungen der jüdischen Friedensbewegung dartun sollen. Auch in Mainz wurde diese jüdische Zeitströmung durch Herrn Rabbiner Dr. Levi gelegentlich einer sabbatlichen Schristerklärung, am 28. Sept. d. I-, eingehend gewürdigt. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehünser e. V., Hamburg, teilt mit, daß die Dampfer der Ballinklasse der Hapag von Mitte November d. I. an einen Tag früher von Cuxhaven abfahren, daher nicht mehr am Sonnabend, sondern am Freitag in N e w - D o r k eintresfen. Die Landung der Passagiere wird mithin im allgemeinen im Laufe des Freitagvormittags stattfinden. Demnach entstehen in Zukunft jüdisch-religiösen Fahrgästen keinerlei Schwierigkeiten bei der Landung in N e w - D o r k. Was die sog. Kajütsschifse betrifft, so erfolgt die Abfertigung der ausreisenden Passagiere van gleichem Zeitpunkt an am Freitag/Sonnabend, die Ankunft in N e w - N o r k am M i t t w o ch bzw. Freitag. Wenn in dem einen oder anderen Falle ein jüdischer Passagier erst am Sonnabend zur Abfertigung in Hamburg kommen sollte, wird die Hapag es ermöglichen, daß etwa erforderliche Unterschriften später nachgeholt werden. Auch den Passagieren der Kajütsschifse entstehen demnach weder bei der Abfahrt noch bei der Ankunft irgendwelche Schwierigkeiten. Am 25. Aug. d. I. fand im Gelben Saale desHotel Kaiserhof in Berlin ein Vortragsabend der „Ort"-Gesel1fchaft, Abt. Deutschland statt, an dem mehrere prominente Führer der „Ort"-Bewegung ans dem Auslande teilnahmen. Den Vorsitz führte Herr Bankier Wilhelm Graetz. Der erste Vortragsredner, der Vorsitzende des polnischen „Ort", Herr Dr. Silbersarb (Warschau), sprach über die furchtbare Notlage der polnischen Judenheit, insbesondere jener zahlreichen Klasse jüdischer Vermittler und Händler, denen durch die neuere ökonomische und politische Entwicklung Polens der wirtschaftliche Boden unter den Füßen entzogen wird. Zur Charakteristik der wirtschaftlichen Struktur der jüdischen Bevölkerung Polens führt der Vortragende an, daß die Inden nur 10,6 Proz. der Gesamtbevölkerung ausmachen, im Handel dagegen mit 62,6 Prozent vertreten sind. Dieser Prozentsatz variiert in verschiedenen Teilen des Landes, er ist niedriger in den Gebieten, die früher zu Deutschland gehört haben und ist bedeutend größer in den ehemaligen russischen und österreichischen Gebieten und erreicht 74 Prozent und 88 Prozent in den östlichen Grenzgebieten Polens. Nicht allein die mit Unterstützung der Regierung ins Leben gerufenen Handelstrusts, sondern auch die zahlreichen, jäh emporschießenden städtischen und ländlichen Konsumgenossenschaften machen in erschreckendem Umfange und einem geradezu katastrophalen Tempo die Positionen Zehntausender von jüdischen Kaufleuten und Händlern unhaltbar. Berufliche Umschichtung, der Ucbergang zum Handwerk und zur Landwirtschaft bilden für diese wirtschaftlich haltlos gewordenen Massen den einzigen Rettungsweg. Herr Dr. Elsberg (Neuhork) schilderte darauf in tiefempfundenen Worten seine Eindrücke, die er auf einer jüngst vorgeiiommenen Reise durch Rußland von der dortigen „Ort""-Arbeit unter den zahlloseii „Deklassierten" empfangen hat. Mari hüte sich, meinte der Redner, an die Not jener Juden westeuropäische Maßstäbe anzulegeu. Gegen jenes Elend verblasse, die schwerste Wirtschaftskrise in Westeuropa. Darum, so schloß Dr. Elsberg, sei es Pflicht des glücklicheren Teiles der Jndenheit, ihren Glauberisbrüdern in Rußland zu Hilfe zu eilerr. OPEL, das modernste Motorrad ARDIE das preiswerteste Motorrad F/N das internationale Klasse - Motorrad Generalvertretung Peter Krahn, Offenbach a.M. Teielon 82790 Reparaturen, Ersatzteile_ Der Vorsitzende, Herr Graetz, betonte in feiner Schlußansprache gleichfalls, es sei Pflicht aller Anwesenden, die soeben den erschütternden Ruf der Not ihrer östlichen Glaubensgenossen vernommen haben, die Idee der „Ort"-Aufbauarbeit in ihre weitesten Bekanntenurid Freundeskreise zu tragen und der „Ort"-Bewegung neue Förderer zuzuführen. Die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in Palästina, die Histadruth, die die gesamte Arbeiterschaft Palästinas ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit umfaßt, hatte beschlossen, einen Weltkongreß für das arbeitende Palästina einzuberufen. Sie rief alle Freunde ihres Aufbauwerkes, die in allen Lagern des jüdischen Lebens zu finden sind, auf, an diesem Kongreß teilzunehmern Das Aufbauwerk der jüdischen Arbeiter in Palästina ist schon lange über den Rahmen eines engen Parteikreises hinausgewachsen. Sein Schicksal berührt aufs innigste jeden, der sich für die jüdische Renaissancebewegung und ihren großen sozialistischen und volksbefreienden Inhalt verantwortlich fühlt. Und gerade jetzt, da das Werk vor große Prüfungen und schwere Aufgaben gestellt ist, muß auch auf eure noch sinnfälligere und greifbarere Weise als bisher, unser aller Interesse sür seine Zukunft klar zum Ausdruck kommen. Aufs neue ist in der Oesfentlichkeit die Frage der Durchführbarkeit des jüdischen nationalen Heims in Palästina zur Debatte gestellt worden. Die bisherigen Leistungen werden in ein falsches Licht gerückt, die Bedürfnisse und Ziele werden unrichtg dargestellt, die Möglichkeiten und Perspektiven werden nicht richtig gewertet und verstanden. Tie sozial-politischen Verhältnisse im Orient gefährden die brüderliche Bewegung des jüdischen und arabischen Volkes auf ihrem historischen Weg zu gemeinsamer Arbeit, internationaler Solidarität und nationaler Freiheit. Die Zuiiahme reaktioiiärer Tendenzen in der Welt stellt die Erhaltung und Ausdehnung der sozialistischen Errungenschaften der jüdischeri Arbeiterschaft Palästinas uiid die neuen Formen menschlichen Zusammenlebens vor einen harten Kampf. Dieser Kainps geht um die Güter, die den Stolz der jüdischen Kolonisationsarbeit ausmachen und um die ungestörte und wachsende Möglichkeit ihrer erfolgreichen Entwicklung. Der Weltkongreß, der zum 27. September 1930 nach Berlin auf deii Grundlagen der allgemeineii jüdischeri Arbeiterorganisatioir in Palästina einberufen wurde, sollte die Front der Arbeiterschaft im Lande stärken und ihre schöpferische Kraft vergrößern. Im Kreise Gleichgesinnter sollte der Weg sür weiter Taten freigemacht, die Kräfte zur Schaffung der freien jüdischen arbeitenden Gesellschaft in Palästina mobilisiert werden. Israelitischer Landeslehrerverein im Volksstaate Hessen. Einladung zu der am Sonntag, den 19. Oktober, vormittags 11 Uhr in Darmstadt, Starkenburg-Loge (Ncckarstraße 20) stattfindenden Generalversammlung Tagesordnung: I. Oefsentliche Versammlung: 1. Begrüßungen. 2. Bortrag: „Methodisches Neuland" Res. Kollege I. Bayer- Bingen. 11. Nichtöffeiitliche Tagung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Rechriungsablage. 3. Wahlen. 4. Anträge. Nach der öfferrtlichen Tagung Folgeleistung einer Einladung der isr. Religionsgerneinde Darmstadt zu einem gemeinsamen Mittagessen. Anträge sind bis zum 16. Oktober dem Vorsitzenden einzuseiiden. Die Reisekosten werden iiach Möglichkeit vergütet. Indem wir hoffen und wünschen, daß zu dieser Versammlung sich sämtliche Mitglieder unseres Vereins einfinden, zeichrieii rnit kollcg. Gruß K a h n, Alsfeld. S i m o n, Darmstadt. Trinkt j das gute X r Mainzer Aktien-Bier! 7

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