Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mit seiner starken Gefolgschaft an Staatspräsidenten, Reichs- und Staatsministern, sowie sonstigen Vertretern der Regierungen und Behörden zum Höhepunkt und erhebenden Ausklang der Feiern am mittleren Rhein. Niederschmetternd kam dann" am frühen Morgen des 23. Juli die Trauerbotschaft über uns alle von dem entsetzlichen Unglück, das um die vorangehende Mitternacht infolge eines Brückeneinsturzes bei Beendigung der Koblenzer Befreiungsseier zahlreichen Männern, Frauen und Kindern den Tod in den Fluten gebracht hatte und das den Herrn Reichspräsidenten veranlaßte, die Weiterreise zu den vorbereiteten Feiern in Trier und Aachen aufzugebcn und nach einer Trauerfeier in Koblenz nach Berlin zurückzukehren. Wir trauern mit um die Opfer dieses Unglückssalles und fühlen anteilnehmend mit den von schwerem Leid getroffenen Familien. Wenn es auch selbstverständlich ist, daß diese Feiern der Befreiung die gesamte Bevölkerung, die durch fast zwölf Jahre gemeinsam und in gleicher Weise die schwere Zeit der Besetzung zu tragen hatte, über alle Unterschiede des Standes, der Partei und des Glaubensbekeniitiiisses hiiiweg innig verbanden, so sei mit wenigen Worten doch daraus hingewiesen, daß die jüdische Bevölkerung bei allen Veranstaltungen innigbewegt mitfeierte. Tie Vertreter der israelitischen Religionsgemeinden in dem besetzt gewesenen Gebiet waren in der Person von Vorstandsmitgliedern und Rabbinern zu den Veranstaltungen besonders geladen, in Mainz hatte der hessische Staatspräsident, Herr Tr. e. h. Adelung und Herr Oberbürgermeister Tr. Külb besondere Einladung zu verschiedenen Veranstaltungen an die Vertreten der jüdischen Religionsgemeinschaft ergehen lassen. Herr Rabbiner Tr. Levi, Mainz, war in einen kleineren Kreis voii Geladenen am Samstag abend aufgefordert und wurde dein Herrn Reichspräsidenten durch den Herrn Staatspräsidenten vorgestellt. Zahlreiche hessische jüdische Gemeinden innerhalb und außerhalb des Besetzungsgebietes haben durch synagogale Feiern im Rahmen des sabbatlichen Gottesdienstes oder durch Veranstaltung einer religiösen Sonderfeier der Bedeutuiig der Befreiuiig Ausdruck gegeben. In Mainz rief die Gemeinde ihre Mitglieder zu einer Feier für Dienstag, den ersten Freiheitstag. vormittags 11 Uhr, in der Hauptsynagoge zusanimen, bei welcher durch Psalm-Chorgesänge und Festpredigt die Befreiung gefeiert wurde und durch ein Gebet für das Vaterland den Segenswünschen der jüdischen Bevölkerung für die angebrochene neue Zeit Ausdruck gegeben wurde. Die israelitische Religionsgemeinde Mainz hat aus Anlaß der Besatzuiigsbeendigung eine Befreiungsstiftung geschaffen, deren Erträgnisse der Linderung sozialer Nöte dienen sollen. An der gelegentlich der Rundfahrt des Herrn Reichspräsidenten durch die Stadt Mainz durchgeführten L-palierbildung beteiligte sich in Anlehnung an ähnliche Verbände der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der sich in der stattlichen Zahl voii mehreren hundert Mitgliedern aus der näheren Umgebung zusammengefunden hatte. «S. Sonderbcricht in dieser Nr.) Diese Gruppe des RIF., mit Banner uiid Musikchor an der Spitze, fiel durch Zahl und gute Haltung auf und wurde von dem vorbeifahrenden Herrn Reichspräsidenten gegrüßt. Das von dem bekannten Künstler Benno Clkan ausgeführte Befreiungsmal, welches am Sonntag, vormittag, den 20. Juli, in Anwesenheit des Herrn Reichspräsidenten seine Weihe empfing, findet in der Oesfentlichkeit verdiente Würdigung. Der Künstler durfte auch den Tank des Herrn Reichspräsidenten persönlich entgegennehmen. Nun ist dem rheinischen Gebiet die Freiheit nach langjähriger Bcsatzung wiedergegeben. Festliche Stunden haben die gesamte Bevölkerung in Einigkeit verbunden gesehen. Wir hoffen und geben dem Wunche Ausdruck, daß diese Einigkeit der festlichen Stunden in den Alltag der kommenden Zeit hinübergerettet werden möge und daß insbesondere der jüdischen Bevölkerung die nicderdrückenden Auswüchse unberechtigter, verhetzender und zersplitternder Agitation, wie sie bedauerlicherweise an vielen Orten unseres deutschen Vaterlandes in den letzten Jahren sich bemerkbar machte, hur in dem besetzten Gebiet erspart bleiben möge Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens. Die Mitglieder des Oberrats und deren Stellvertreter werden nunmehr auf Sonntag, den 7. September d. I., vormittags 10,30 Uhr in das Verbandsbüro, Hindenburgstraße 44, zu einer Sitzung berufen. M a i n z, den 23. Juli 1930. Der Verbandsvorsihende: B. A. Mayer. Jur Beachtung! Wir ersuchen diejenigen Gemeinden unseres Verbandes, die für die diesjährigen hohen Feiertage Angebote für den Vorbeterdienst wünschen, uns umgehend Mitteilung zu machen und daher genau anzugeben, für welche Tage und für welche Funktionen Vakanz besteht. Es liegen uns bereits eine Anzahl Bewerbungen vor, gleichwohl sehen wir weiteren Offerten gern entgegen. Wie in den Vorjahren, werden war — ohne Verbindlichkeit unsererseits — eine Vermittlung von Angeboten und Nachfragen vornehmen. Landesverband der israelitischen Neligionsgemeinden Hessens. Büro: Mainz, Hindenburgstraße 44, Eirrgang Gabelsbcrgerstraße. Notiz. Wir beabsichtigen in der nächsten Nummer unseres Mitteilungsblattes, das noch vor den Feiertagen erscheinen wird, eine namentliche Zusammenstellung derjenigen Familien und Einzelpersonen zu geben, die ihre Glückwünsche zu NIv'N abzulösen wünschen und berechnen pro Namen 3.— M. Wer sich Schreibarbeit und Portoausgaben für Gratulationen ersparen und dabei ein gutes Werk vollbringen will, wende sich daher gefl. rechtzeitig an die Tchriftleitung. Hauptsynagoge Mainz. Die Inhaber von Synagoge-Platzkarten werden eingeladen, dieselben gegen Ausweis und Zahlung des Mietpreises in der Zeit vom 4. bis 8. d. M. zu erneuern. Bestellungen aus andere als im Vorjahre innegehabte Plätze können nur vorgemerkt werden, wenn dieselben bis zum 21. d. M. schriftlich bei uns eingereicht werden. Die Zuteilung erfolgt später. Die Gemeindekasse (Hindenburgstraße 44, Eingang Gabelsbergerstraße) ist geöffnet: Montags bis Freitags von 9 bis 12,30 Uhr vormittags. Mainz, den 1. August 1930. Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde. Erinnerung. Mitte August des Jahres ist das zweite Ziel Kultussteuer sReligionsgemeinde- und Religionsgeselischaftssteuer) fällig. Der R. I. F. beteiligt sich an -er Befreiungsseier in Mainz. Von Kamerad Alfred F r i d b e r g , Mainz. Unvergessen bleibt jedem Kameraden die Beteiligung an der Befreiungsfeier in Mainz. Die altehrwürdige Stadt Mainz am deutschen Schicksalsstrom ist wieder frei von fremden Truppen. Nach zwölftähriger Besetzung können die rheinischen Menschen wieder frei zum klaren Himmel blicken. Unendliches Leid war über die Mainzer in den Besatzungsjahren verhängt, viele mußten auf Befehl der Besatzungsmächte Haus uiid Hof verlassen infolge ihres treudeutschen Verhaltens und sind stolz daraus, daß dabei auch Juden waren. Es ist daher selbstverständlich, daß die Mainzer Bevölkerung in der neugewonnenen Freiheit aufatmet. An der Befreiuiigsfeier am 30. Juni 1930, nachts 1 Uhr, hat sich die Ortsgruppe Mainz des RIF. mit sämtlichen Mainzer Vereinen und Organisationen beteiligt, und schlugen die Herzen höher als um 12 Uhr die Böllerschüsse die Freiheit des deutschen Rheinstromes aiikündigten. Anläßlich des Besuches des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg am 20. Juli 1930 beteiligten wir uns an der Spalierbildung ebenfalls. Es war das erste Mal seit Bestehen unserer Ortsgruppe, daß wir uns in der Oesfentlichkeit als geschlossene Formation gezeigt haben. 2