Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 7 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde zum Prinzip erhoben, daß es eine Majorisierung in Gewissensangelegenheiten niemals geben dürfe. Möge der Verband, der zweifellos im Laufe der vergangenen 10 Jahre, mit Hilfe der Steuerleistungen der gesamten bayerischen Judenheit, schon viel Gutes geschaffen hat, stets der Leitsätze eingedenk sein, die ihm bei seiner Entstehung von seinen Gründern mit auf den Weg gegeben wurden! Einen solchen Einheitsverband in Hessen zu schaffen war seither nicht möglich, angeblich, weil nach dem Staiidpunkt des Herrn Dr. Merzbach in Hessen ein Austrittsgesetz besteht. Dieses Gesetz wurde geschaffen zuin Schutze der Minderheiten iliid wird jetzt zu dem Zwecke ausgelegt, als ob damit Austritte vorbereitet werden müßten. Es ist menschlich begreiflich, daß die Anhänger der Treniiungsorthodoxie von ihrem Standpunkte aus auch in den Städten, wo Einheitsgemeinden bestehen, bewußt oder uubewußt aus Trennung hinarbeiten und auch in den kleineren Gemeinden, die ihnen noch Gefolgschaft leisten, ihren Einfluß in diesem Sinne mit allen Mitteln ausüben. Ich schließe mit dem Rufe an alle hessischen Juden: ImSTH Suchet den Frieden und jaget ihm n a ch. Beherzigen wir alle das Wort des Dichters, welches dem Geiste unserer heiligen Religion entspricht: Nicht mitzuhassen — mitzulieben find wir da. Aus unseren Verbandsgemeinden. Alzey. Am Rüsttage des Wochensestes, am Sonntag, den 1. Juni, wurde hier unter sehr großer Beteiligung Herr Jacob Mayer zur ewigen Ruhe bestattet, der infolge eines Schlaganfalles im 56. Lebensjahre plötzlich verschieden ist. Eine große Zahl von Vereinen, denen der Heimgegangene aktiv angehört hat, begleitete den Leichenzug nach dem jüdischen Friedhofe. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Lewit in längerer Rede den Verstorbenen gewürdigt, sprachen auch die Präsidenten der Vereine Abschiedsworte und legten prachtvolle Kränze am Grabe nieder. So sprach Herr Rechtsanwalt und Notar Beck als Vorsitzender der Soldatenkameradschaft und des Militärvereins, Herr Stadtverordneter Rothmann als Obermeister der Fleischerinnung, deren Kassierer und Schriftführer der Verewigte gewesen, Herr Kreisamtssekretär Scholl im Namen des Sängerkranzes, dem er seit seinem 16. Lebensjahre nngehörte, und dessen Schriftführer und Vizepräsident er viele Jahre gewesen und zu dessen silberner Hochzeit ihm eine Ehrentafel gestiftet worden war. Herr Kordruwitsch sprach im Namen der Altersgenossen von 1875, Herr Jacob Klippel als Kommandant und Herr Finanzsekretär Lauter als Mitglied der Feuerwehr, der er 33 Jahre lang hingebungsvoll angehört hat, ferner Herr Christian Brand aus Offenheim als Kriegskamerad in Erinnerung an gemeinsam überstandene Gefahren im Kriege. Die Musikkapelle der Feuerwehr hatte beim Abschied vom Hause und auf dem Friedhöfe Musikstücke angestimmt und der Sängerkranz hatte auf dein Friedhofe ein herzliches Abschiedslied gesungen. Das große Leichenbegängnis legte ein schönes Zeugnis ab von der friedlichen Gesinnung der hiesigen Bevölkerung. Alzey. Im Alter von 73 Jahren ist hier Herr Moses Kahn am 4. Juni in die Ewigkeit eingezogen, der Schwiegervater des Herrn Lehrer Krämer in München. Unser Rabbiner Herr Dr. Lewit hielt ihm in herzlicher Predigt den Nachruf, der er den Satz aus den Sprüchen Salomos 17, 6 zugrunde legte: „Ateres sekenim bene wonim wesiferes bonim awausom". „Die Krone der Greise sind die Enkel und die Zierde der Kinder, sind ihre Eltern". Ein großes Leichengefolge hatte dem würdigen Manne, der dem priesterlichen Geschlechte entstammt, das letzte Geleite gegeben. Ehrenamtlich hatte er als Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde 13 Jahre lang in Treue und Hingebung gewirkt, auch war er ein verdienstvolles Mitglied des Turnvereins, zu dessen Ehrenmitglied er anläßlich des 40. Jubeltages seiner Zugehörigkeit zum Verein ernannt wurde. Der Präsident des Turnvereins, Herr Berghof, hatte dem Verewigten freundliche Worte des Abschiedes zugerufen unter Niederlegung eines prachtvollen Kranzes und ebenso hatte Herr Steinmetz als Vorsitzender des Arbeiterkrankenunterstützungsvereins dem Heimgegangenen für treue Mitgliedschaft einen Kranz mit freundlichen Abschiedsworten gewidmet. Lampertheim. In seltener Frische des Körpers und Geistes feierte am Montag, 23. Juni, der Senior unserer Religionsgemeinde.Herr Samuel Süß, Zigarrenfabrikant, seinen 80. Geburtstag, umgeben von seiner hochbetagten Gattin, seinen Kindern und Enkeln. Der Jubilar ist noch ein fleißiger Besucher der Synagoge und stellte sich stets sehr gern als Vorbeter am Jom Kippur mit seiner angenehmen Stimme in den Dienst der Gemeinde, deren traditionelle Melodien er wunderbar beherrscht. Wir wünschen dem in allen Kreisen der Einwohnerschaft hochgeachteten und beliebten Manne, der den Krieg 1870-71 als Freiwilliger mitmachte, weiter solche Rüstigkeit. n:tr nnu>j?l HXö Np — Im benachbarten Bürstadt starb am 1. Tag Schwuos nach längerem Leiden Frau Sophie Flörsheim, geb. Sondheimer, im 56. Lebensjahre. Herr Rabbiner Dr. Bienheim, Darmstadt, widmete der Dahingeschiedenen vor einer überaus großen Trauerversammlung aus allen Konfessionen einen schönen Nachruf. Mainz. Der Vorstand der Religionsgemeinde war am 23. Juni d. I. zu einer Sitzung versammelt. Nach dem Bericht des Vorsitzenden über Korrespondenzen usw. und Mitteilungen des Dezernenten für Dohlfahrtswesen über bei der Gemeindekasse und bei der Zentralwohlfahrtstelle eingelaufene Spenden wurde in die Tagesordnung eingetreten und in mehrstündiger Sitzung beraten. Ueber den Religionsunterricht, eine organisatorische Frage, die Anstellungsbedingungen für einen Schächter, über Subventions¬ und Darlehensgesuche, wegen der Verlegung einer Dienstwohnung, wurde verhandelt. Die Einrichtung einer Waschküche im Hause Margaretengasse 1 und die Bestellung von Brennmaterialien wurde beschlossen. — Die Befreiungsfeier in der Hauptsynagoge soll am 1. Juli um 11 Uhr vormittags stattfinden. Mainz. Am 9. Juni d. I. fand hier die Gründung eines Reichsverbandes deutscher Schochtim statt. Zirka 35 Herren, aus allen Teilen Deutschlands erschienen, versammelten sich in der Vorhalle der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, wo sie von den Herren Rabb. Dr. Bamberger, Rabbiner Dr. Levi, Mainz, Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt und Redakteur Schachnowitz, Frankfurt u. a. aufs herzlichste begrüßt und zu ihrem Entschlüsse, die Stellung der Schochtim den Vorständen der Gemeinden und ihren Metzgern gegenüber zu heben und zu festigen, beglückwünscht wurden. Herr Neustädter, Kissingen, schilderte die bisherigen Verhältnisse und berichtete von den z. Zt. bestehenden Landesverbänden in Bayern, Hessen-Nassau, Württemberg und Norddeutschland, die jedoch nicht genügend Mucht besäßen, um sich durchsetzen zu können. Aus diesem Grunde sei man zu dem Entschluß zur Vereinigung aller Schochtim im deutschen Reiche gekommen. Nach lebhafter Debatte wird die Annahme der bereits vorbereiteten Satzungen und die Gründung des Verbandes beschlossen, zu dessen 1. Vorsitzenden Herr Neustädter, Kissingen und zu dessen Geschäftsführer Herr Wetzler, Königstein, gewählt wurden. Rüsselsheim. Vor kurzem wurde in der hiesigen Religwnsschule durch Herrn Rabbiner Dr. Bienheim, Tarmstadl, eine Prüfung vorgenommen. Unterricht erhalten gegenwärtig in Rüsselsheim acht Kinder (vier Knaben und vier Mädchen) und außerdem aus Bischofsheim drei Kinder lein Knabe und zwei Mädchen). Das Ergebnis der Prüfung war durchaus zufriedenstellend. Worms. Unter dem alten jüdischen Friedhof zieht sich ein unterirdischer Gang, der in der Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts gebaut worden ist und als Verbindung zwischen der inneren und äußeren Stadtumwallung diente. Da die Annahme bestand, daß bei dem Bau Grabsteine verwendet wurden, untersuchten Vorstandsmitglieder mit dem Rabbiner die Anlage. Sie fanden die Vermutung vollauf bestätigt. Ter ganze Bodenbelag, jetzt noch 90 Meter lang, bei einer Breite voll 70 Zentimeter, besteht aus Grabsteinen, die verschiedenen Zeiten angehören. Die Inschriften sind ziemlich gut erhalten, weil die Steine mit der Rückseite nach oben eingemauert sind. Ein herausgebrachtes Bruchstück ist sehr hohen Alters und aus weißern Sandstein, im Gegensatz zu den fast ausschließlich roten Steinen auf dem Friedhof. Es wurden verschiedene Blitzlichtaufnahmen von dem Gang gemacht und für die Bergung der Grabsteine wird Sorge getragen jßr Trinkt y das gute X ’ Mainzer Aktien-Bierf 5