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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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des Landesverbandes der israelitischen -leligionsgemeinden lüessens > ——II.'L —... 111 t . Kieses lSlatt erscheint monatlich und geht den W- ||| Zuschriften: iHlninj, ljjindendurgstrahe (dr. 44 gliedern unentgeltlich ju. ♦ Lrscheinungsort (Main). III Schriftleitung: lftabbiner Dr. S. Levi, fllaini T ■ =gg)!IlIC ... i i i ..—Z Franz Rosenzweig zum Gedächtnis. Einer unserer ganz Großen ist von uns gegangen: Franz Rosenzweig. Für wenige: Freund und Gefährte; für viele: Denker und Führer; für alle: Lehrer und Künder. Als Denker vertauschte er, der Sohn einer angesehenen Kasseler Familie, das Medizinstudium mit dem der Geschichte und Philosophie. „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus" und die zwei Bände „Hegel und der Staat" sind die Wahrzeichen seines Weges, der zu seinem großen Buche, „Der Stern der Erlösung" führt, einem Werke, in dem die Probleme der Philosophie ins Religiöse Vorgetrieben werden. Geschrieben in den Schützengräben des Weltkrieges, trägt dieses Werk die Spuren des starken Erlebnis in sich und beginnt seine Philosophie mit dem elementaren Ereignis, das die Schulphilosophie bisher totgeschwiegen hatte, dem Tode. Franz R o s e n z w e i g hat in einem „nachträglichen Vorwort" im „Morgen" dieses schwer zugängliche Buch uns näher gebracht und hier das Wort vom „N eucit Denken" geprägt, ein Programm für die neuere deutsche Philosophie. Es liegt in der Natur dieses Denkens, daß es über sich hinauswächst und in das lebendige Leben hineinwirkt. Aus solchem Geiste sprach Rosenzweig, dieser jüdische Denker, zu seinen Zeitgenossen und legte den Finger auf das für ihn — und uns — wichtigste jüdische Problem der Gegenwart, das Problem der Bildung. Ein Mahnwort an die Lehrenden in einem offenen Brief an seinen verehrten Meister Hermann Cohen („Zeit ist's....") führte — ein Zeichen feiner Lebensnähe — zur unmittelbaren Verwirklichung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Ein zweiter Brief an den Freund Eduard Strauß („Bildung und kein Ende.") gab den Anstoß zum Aufbau des „Freien jüdischen L e h r h a u f e s" in Frankfurt am Main, wohin Rosenzweig nun übersiedelte. Rabbiner Nobel, Martin B u b e r, Eduard Strauß und Franz Rosenzweig waren die Träger dieser fruchtbaren Lern-Schule, deren modernem Geist „nichts Jüdisches fremd" bleiben sollte, und die ein Vorbild für viele Lehrhäuser in anderen Städten wurde. Und immer mehr wurde R o s e n z w e i g zum Führer der Generation, die Wissen und Glauben, Philosophie und Religion in lebendiger Einheit zu vereinigen versuchte. In dern Sammelband mit dem vielsagenden Titel „ Zeistro m l a n d" ist ein Titel seiner Aufsätze geborgen. In seinem persönlichen Lebensstil verwirklichte er das theoretisch Begründete. Er, dem das Gesetz nicht überliefert war, erfüllte es in einem neuen Geiste; und an seiner Person zerschellten die überkommenen Begriffe von Orthodoxie und Liberalismus, von Zionismus und Assimilantentum. Der Lehrer Rosenzweig gab im Lehrhaus seine Philosophie, sein Judentum, sich selbst. Als Lehrer führte er uns ein in die Quellen des Urtextes, in der Uebertragung der Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevi und in den tiefen Anmerkungen zu dieser Verdeutschung. Und schließlich unternahm er — gemeinsam mit dem Freunde Martin B u b e r — das ungeheure Wagnis, die Bibel ins Deutsche zu übertragen; die deutsche Sprache so nahe an den Urtext heranzutragen, daß seine Ursprünglichkeit noch spürbar werde im fremden Sprachlaut. Franz Rosenzweig war es nicht vergönnt, dieses Werk zu vollenden. Das schwere Leiden, das ihn vor etwa sieben Jahren überfiel, hat ihn dahingerafft. Er lebt in uns fort als der große Ueberwinder des Leidens, der in seiner jahrelangen Stummheit und Lähmung eine beredtere Sprache und eine beweglichere Lebendigkeit bekundete als mancher körperlich Gesunde. Wir durften von ihm in den Jahren seiner Krankheit wertvollstes Gedankengut empfangen: Aufsatz um Aufsatz, Buch um Buch und Brief um Brief; beißende Kritik und lachenden Humor, ausmunternden Rat und mahnende Belehrung. Im Kreise feiner Freunde wurde von einem, der älter ist als er es werden durfte, das Wort gesprochen, das den ganzen Schmerz, mit dem auch das deutsche Judentum am Grabe dieses Mannes steht, in den Gedanken zusammenballte: „Nun ist der junge Mensch dahingegangen und hat uns Alte verwaist zurückgelassen." Franz Rosenzweig starb kurz vor Vollendung seines dreiundvierzigsten Lebensjahres. R. Stahl, Bad-Nauheim. Bericht über die wissenschaftliche Tagung der Rabbiner der süddeutschen Landesverbände in Mainz vom 15. bis 17. Dez. 1929. Der wissenschaftliche Kursus der Rabbiner der süddeutschen Landesverbände, welcher vor einigen Jahren auf Anregung der israelitischen Landesorganisation Badens ins Leben trat und bisher in Karlsruhe und Nürnberg geragt hat, fand sich in diesem Jahre auf Einladung des hessischen Landesverbandes in Mainz zusammen. Dieser Kursus, der unter der Leitung d»s Herrn Rabbiner Tr. L. Levi, Mainz stand, wurde am S o n n - t a g, d c n 15. Dezember d. I. abends in den Räumen des Mainzer Gemeindehauses eröffnet, vom Vorsitzenden des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeindcn Hessens, Herrn Kommerzienrat B. A. Mayer, sowie durch Herrn Kommerzienrat Kronenberger im Aufträge der israelitischen Religionsgemeinde Mainz und durch Herrn Henry Meyer im Aufträge der

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