Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 4 (1929)
- Issue
- 12 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Ktncr Sprache sprechen; aber was ein jedes Jahrhundert in ihr finden wird, das ist schon jetzt in ihr; und jede neue Thorah wird noch meine Thorah sein." Zwischen die Berichte der Bibel schieben „sich Midraschim wie Lichter im Bild, Schicksalswissen blitzt auf Israel, hat Fehlerohne Zahl, aber gehaßt wird es wegen seiner Lugenden" und schmerzliches Bescheiden: „Wenn die Kinder Israel in der Wüste nicht den goldenen Stier angebetet hätten, dann hätten sie die Thorah aus Saphir im Lande ihrer Väter erforscht bis ans Ende der Tage; weil sie aber in der Wüste den goldenen Stier angebetet haben, werden sie die Thorah ans Granit in Trauer und Verbannung erforschen bis ans Ende der Tage." Wollen wir hoffen, daß gerade diese letzte Erkenntnis aus persönlicher Einstellung hervorgegangen — von den tatsächlichen Ereignissen umgeformt werde zu der Hoffnung, daß noch vor dem Ende der Tage Trauer und Verbannung ihren Abschluß finden; denn das zu erreichen, darauf ist unser Wille gerichtet, unsere Hossung und unser Streben. Zum Schluß noch eine Bitte: in der hoffentlich sehr bald notwendigen zweiten Auslage wird es nicht mehr „Osterfest" heißen, wenn es sich um eine Verdeutschung von „Pessach" handelt, und auch das hebräische „Moscheh" wird mit „Mose", nicht mit „Moses" übersetzt werden? Weißmann. Emanuel bin Gorion. Ceterum recenseo. Kritische Aussätze und Reden. Tübingen 1929 Alexander Fischer. 127 S. Geh. 2.00 RM. Diese Sammlung von kritischen Aufsätzen zeigt eigene Meinung und beträchtlichen Mut, sie zu äußern. Sehr begrüßenswert, wenn der Verfasser gegen alle festgelegte Orientierung der Kritik sich wendet, gegen Beurteilung eines Werkes nach einseitig betonten politischen, religiösen, sozialen Gesichtspunkten, wo doch nur allgemeine und überzeitliche Maßstäbe angelegt werden dürfen. An solchen Maßstäben gemessen, schrumpft freilich vieles was sich breite Geltung verschafft hat, zusammen — meist, nicht durchweg — berechtigterweise und vom Kritiker klug und geistvoll begründet. Und wenn man auch durchaus nicht überall in Uebereinstimmung mit ihm ist, immer fühlt man sich gegenüber einem lauteren Erkenntniswillen, dem es ums Eigentliche geht und dem eine reinigende Kraft innewohnt. W e i ß m a n n. Strauß, Ludwig. Ter Reiter. Frankfurt a. M. Rütten und Loening. 64 S. 2.00 RM. Wirres Schicksal reißt'Naftali Hakohen aus der Umhegung jüdischen Lebens: von Kosaken geraubt, verbringt er seine Kindheit als Hirte aus der Weide oder mitten im Troß hinstiebend ans ungesatteltem Pferd. Aber lebendiges Erinnern bahnt ihm die Rückkehr und mit der Hemmungslosigkeit des Wildlings — toller Reiter auch auf der Jagd nach Wissen — wirst er sich heimgekehrt auf das Studium der Schriften. Ein Großer wird er und ein Eigenartiger —• sich und den andern ein Erwählter. Und doch, vielleicht ohne es selbst zu ahnen, ein vom Ehrgeiz Verzehrter, der an sich reißen will, was ihm nicht gebührt: in letzten magischen Formeln Macht über. Krankheit und Tod. Aber im Bannkreis seines kalten Geltungswillens verkehrt sich die Kraft der Formel, die im demütig-liebevollen Gemüt des wahren Maggid heilvoll blüht, in Unheil; andere und ihn selbst hinschleudernd und vernichtend. Die Darstellung, in einer von Erlebnis und Rhythmus schwingenden Sprache, bei aller Gestrasstheit und Gegenständlichkeit dennoch tönend in der Sphäre des Mystischen, zeigt das Negative selbstischen Ehrgeizes gegenüber der Heilkraft selbstvergeffener Liebe. Wßm. Das neue Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums wird durch eine Uebersicht über Neuerscheinungen zur Bibelwissenschast eröffnet; einleitend widmet der Verfasser dem bekannten Bibelforscher Harold M. Wiener, der das Opfer der Augustunruhcn in Jerusalem geworden ist, ein Wort wehmütiger Erinnerung. Es folgt ein Aussatz zur Statistik der Juden in Prag, der weit mehr als lokalgeschichtliches Interesse beanspruchen darf. Bekanntlich steht in der Tschechoslowakei unfern Glaubensgenossen frei, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen, und zwar ganz unabhängig vom Glaubensbekenntnis; der Verfasser unterscheidet nun zwischen „Israeliten" (im religiösen) und „Juden (im nationalen Sinne) und weist nicht nur nach, daß es unter den Juden, allerdings in minimaler Zahl, auch Anhänger christlicher Bekenntnisse gibt, sondern daß sie auch statistisch eigentümliche Merkmale aufweisen; so ist die durchschnittliche Kinderzahl bei dieser Gruppe keinesfalls geringer, eher größer als bei anderen Nationalitäten. Ferner setzt sich Pros. Dr. med. et Phil. Stern mit einem neueren Versuch auseinander, die Rassenkunde auf neue Grundlagen zu stellen und nicht nur die körperlichen, sondern auch die seelischen Merkmale unter neuen Gesichtspunkten zu beleuchten; von hieraus ergeben sich auch für das Judentum wichtige Folgerungen. Eine Reihe streng wissenschaftlicher Abhandlungen ergänzt das lesenswerte Heft. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der 6 Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von RM. 10.— an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt find. Tie deutsche Mark von 1914 bis 1924. Dieses im Verlag von E. Schuster in Nürnberg, Gabelsbergerstraße 62, erschienene Büchlein dürfte allgemeines Interesse erwecken. Das Merkchen bringt im ersten Teil sämtliche deutsche Neichsbanknoten, Reichskassen- und Darlehnskassenscheine der Vorkriegs-, Kriegs- und Inflationszeit von 1 Mk. bis zum 100 Billwnen-Schein nebst erläuterndem Text, so daß man über alle Eigenschaften sowie über den Sammelwert der einzelnen Scheine, der bei den seltensten heute schon 60 Mk., bekrägt, unterrichtet wird. Der zweite Teil enthält die Briefmarken des Deutschen Reiches von 1914 bis 1924 mit allen Nebenausgabcn, Provinzen und Dienstmarken in guter photographischer Wiedergabe auf bestem Kunstdruckpapier. Das Merkchen stellt eine interessante Chronik über eine hinter uns liegende schwere Zeit dar. Der Preis beträgt 1 Mark. Stellengesuche. Unter dieser Rubrik beabsichtigen wir kostenlos Stellen zu vermitteln und nachzuweisen. Wir bitten daher die werten Leser unseres Mitteilungsblattes bei evtl. Vakanzen um gütige Berücksichtigung der jeweils vorliegenden Gesuche. Die Schristleitung. 1. Ein Elektromonteur, der seine 3LZährige Ausbildungszeit beendet hat und wegen Arbeitsmangels entlassen wird, sucht eine Stelle. Um nicht arbeitslos zu werden, ist der junge Mann bereit, jede sich bietende Arbeit zu verrichten. 2. Gelernte Kindergärtnerin sucht Stellung. Jüdischer Iugendverein Mainz a. Rh. Heim: Gemeindehaus Gabelsbergerstraße. Programm für Dezember 1929. 6. Dezember. Freitag, 8% Uhr: Freitagabendfeier. Leitung Heinz Mayer. 9. Dezember. Montag, 8% Uhr im Heim: Vorbesprechung zwecks Gründung einer Arbeitsgemeinschaft zur Behandlung geisteswissenschaftlicher, insbesondere jüdischer Probleme, unter der gemeinschaftlichen Leitung von Max Tchornicki und Josef Kahn. (Geplant ist zunächst eine Besprechung der das Judentum behandelnden Schriften von Max Weber.) 11. Dezember. Mittwoch, 8% Uhr: Spielabend. Leitung Walter Neuhof. 12. Dezember. Donnerstag, 8% Uhr: Walter Vogel. Rezitationen aus dem „Jeremias" von Stefan Zweig. 14. Dezember. Samstag, 8lA Uhr: Stiftungsfest des JJB. anläßlich des 20jährigen Bestehens, in den Räumen des Gutenberg-Kasino. 16. Dezember. Montag, 8% Uhr: Geisteswissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft, Max Tchornicki und Josef Kahn. 19. Dezember. Donnerstag, 8% Uhr: Heimabend von Dora Nietekmann: Orthodoxie und Zionismus. 20. Dezember. Freitag, 8% Uhr: Freitagabendfeier im Heim. 23. Dezember. Montag, 8% Uhr: Heimabend von Josef Kahn. Thema wird noch.bekanntgegeben. Der Vorstand. Das schöne und gute Bild Die geschmackvolle Einrahmung bei FRANZ LANGHEINZ Davmstadt, Karlstratze 25 (Ecke HölgeSstraße) Telephon Nr. 1747