Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 4 (1929)
- Issue
- 9 (9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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jlahrs.,|lr.s f -t5**3*<&<al*sf<tf MMlungsblatt des Lsndesvelbandes der ifrncimfrtifn llieligionsgemeinden Aflens?■■. 1 "3MG t Dieses Bla» erscheint monatlich und geht den Mit- III Luschriften: Main» öjinöenburgflrafie fflr. 44 gliedern unentgeltlich >u. ♦ Erscheinungsort Main» III Schriftleitung: lltabbiner Dr. S. Leoi, Main, i~. .-BUC t Zu Moses Mendelssohn s 200. Geburtstag. Am 6. September werden es 200 Jahre sein, das; dem Thorahrollenschreiber Mendel in Dessau ein Sohn geboren wurde, der den Namen Moses erhielt. Dieser Moses ben Mendel oder wie er dann später hieß, Moses Mendelssohn, hat, obwohl er aus den dürftigsten Familienverhältnissen kam, in einem Leben, das nur 57 Jahre währte — denn Moses Mendelssohn starb im Jahre 1786 — eine geistige Leistung vollbracht, die in ihrer Bedeutung und Auswirkung bis zum heutigen Tage fühlbar geblieben ist. Wer die Geschichte der deutschen und europäischen Juden kennt, wird wissen, daß bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zwar hie und da bedeutsame jüdische Persönlichkeiten auftraten, die in ihrem engeren Kreis durch ihre theoretische öder angewandte Wissenschaft Beachtung und Schätzung fanden. Besonders unter den Mathematikern, Religionsphilosophen und Aerzten des Mittelalters finden wir häufiger Juden, deren Systeme und Leistungen auch in nichtjüdischen Kreisen Beachtung fanden. Wir können aber in der Zeit vor Moses Mendelssohn keine zweite jüdische Persönlichkeit aufweisen,' die durch unmittelbaren Einfluß auf die nichtjüdische wie jüdische Umwelt gleich neugestaltend gewirkt hätte. Wir wollen uns durch die Feststimmung nicht zu Uebertreibungen verleiten lassen und wollen deshalb bald betonen, daß auch in Moses Mendelssohn's Gedanken, Systemen und Plänen manche Unzulänglichkeit zu finden ist und daß die Zeit selbst schon vielfach Richtigstellungen vorgenommen hat: aber Moses Mendelssohn war unter den Neugestaltern der Aufklärungsperiode, welche durch die Philosophen Leibniz und Wolf eingeleitet worden war, ein Schöpfer zahlreicher neuer Gedanken und zweifellos einer der wirksamsten Verbreiter aufklärerischer Ideen in den weiteren Kreisen des deutschen Volkes und der Nachbarländer. Der Lebensaufstieg war ihm nicht leicht geworden. Seinen ersten Unterricht hatte er bei seinem Vater selbst genossen; dann nahm sich der Dessauer Rabbiner David Fraenkel des begabten Knaben an und förderte ihn durch Unterweisung in den Fächern der Bibel, der Kommentatoren und des Talmud. Nachdem aber David Fraenkel als Rabbiner nach Berlin berufen worden war, machte sich im Jahre 1742 auch Moses, als kaum Ilchähriger Junge, snrfL, -- nach Berlin auf, wo er unter Leitung seines früheren Lehrers seinen Wissensdurst stillen wollte. Es ist bezeichnend für die Lebensrichtung Moses Mendelssohn's, daß er, nachdem er den Weg von Dessau nach Berlin zu Fuß zurückgelegt hatte, bei seiner Ankunft am Rosenthaler Tor auf die Frage der Wache, was er eigentlich in Berlin wolle, nur zur Antwort gab: „Lernen". Man ließ ihn passieren, er fand bei Rabbiner Fraenkel Fürsorge, durch Männer wie Dr. Kisch, Dr. Gumperz und Samoscz Förderung, in wenigen Jahren war er in Mathematik, Latein, Englisch, Französisch, in Literatur und Philosophie so bewandert und urteilsfähig, daß er sich in all diesen Gebieten selbständig zurechtfand. Selbstverständlich beherrschte er auch das jüdische Schrifttum und fühlte sich besonders von dem religionsphilosophischen Werke des Maimonides, dem More nebuchim (Führer der Irrenden), angezogen. Die materielle Not, die über diesen Jugendjahren Mendelssohn's lag, schädigte ihn zwar körperlich und führte zu einer Verkrümmung seines Rückgrats, seine geistige Energie, sein Idealismus und seine wahrhaft lautere Menschenliebe litten aber nicht unter diesen äußeren Mitzlichkeiten. Mit dem Jahre 1750, also im 21. Lebensjahre, war die schwerste Not im Leben Mendelssohn's überwunden. Er wurde Hauslehrer bei dem Seidenfabrikanten Bernhard und wurde im Jahre 1754 Buchhalter in diesem Fabrikunternehmen. Mendelssohn ist übrigens sein Leben lang Kaufmann geblieben. Der Eindruck, den Mendelssohn damals auf seine Umgebung machte, geht wohl am besten aus dem Briefe hervor, den Lessing, nachdem er mit Mendelssohn bekannt geworden war, im Oktober 1754 schrieb; Lessing 'sagt darin über Mendelssohn: „Er ist wirklich ein Jude, ein Mensch von etlichen und zwanzig Jahren, welcher ohne alle Anweisung in Sprachen, Mathematik, in der Weltweisheit und in der Poesie eine große Stärke erlangt hat; ich sehe ihn im Voraus als die Ehre seiner Nation an. Seine Redlichkeit und sein philosophischer Geist läßt mich ihn im Voraus als zweiten Spinoza betrachten." Nun hat zwar Mendelssohn in seiner ganzen philosophischen Lehre kaum etwas schärfer bekämpft als den Pantheismus Spinoza's und er hat noch nach dem Tode seines Freundes Lessing wegen der angeb- Ifß'A.nJ' &<criacmen