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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1929-07-01 · 7/8 (Juli/August 1929) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
4 (1929)
Issue
7/8 (Juli/August 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Rothschild, 3nmfun, Aus Bergnngenheit und (.Gegenwart der israelitischen ReligionSgemeinde Worms. Verlag I. Kanssmalln, Frankfurt a. M., 1929. 60 Seiten, 6 Bilder. ' Preis broschiert RM. 2.50. Nachdem erst im Fahre 1926 die sechste Auslage dieser Schrift erschienen war, konnte der unermüdlich tätige Autor seine Arbeit jetzt zum siebten Male ausgelegs sehen. Man darf dies als ein Zeichen dafür betrachten, daß die Schrift Interesse und Verständnis in weiten Leserkreisen gesunden hat. Die klare Art der Darstellung, der fesselnde Inhalt verdienen auch diese rege Nachfrage; es wird wohl auch in der neuen Allslage seine Freunde finden. Festgabe zum zehnjährigen Bestehen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, 1919—1929. Akademie-Verlag, Berlin. 91 weiten. In diesem Hefte gibt Julius Guttmann einen Bericht über die Tätigkeit der Akademie für die Wissenschaft des Judentums; Leo Baeck würdigt deil leider viel zu früh verstorbenen Borsitzenden der Akademie Gustav Bradt; Ernst Eassirer untersucht gründlich „Die Idee der Religion bei Lessing und Mendelssohn"; ein bisher ungedruckter Vortrag Hermanir Eohen's über Spinoza mit einer Einleitung von Franz Rosenzweig, der vor etwa 20 Jahren gehalten war, sucht das Verhältnis Spiuoza's Min Judentum aus Grund des theologisch-politischen Traktats spiuoza's zu klären; „Zum Problem der jüdischen Literaturgeschichte" äußert sich in bekaililter knapper aber scharf umrissener Weise Ismar Ellbogen; mit „Ursprung und Wesen des Antisemitismus im Altertum" beschäftigt sich Isaak Heinemaun. Jede einzelne der Abhandlungen bringt ein abgerundetes Bild der behandelten Frage und gibt wesentliche Allregung. Tie Akademie legt mit diesem Heft eilte würdige Festgabe vor uild bekundet zugleich den lebendigen wissenschaftlichen Fluß in ihrem Kreis. Scchsundvierzigsler Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Berlin, 1929. 48 Seiten. Neben dem üblichen Jahresbericht des Kuratoriums über die Geschichte der Hochschule im Jahre 1928 bringt dieses Heft eitle Abhandluilg des Hochschuldozenten Ismar Ellbogen über „Tle Feier der drei Wallsahrtsseste im zweiten Tempel," welche dieser Meister aus drm Gebiete der jüdischeil Geschichte und Liturgieentwicklung in Form eines Vortrages im Institutum Judaicum all der Universität Berlin am 7. Februar 1929 dargelegt hatte. Es erübrigt sich, aus die Bedeutung dieser Abhandluilg nach dem vorgebrachten Material riild desseii Ausnützung hinzuweisen. Schasst jüdische Jugendheime! >,Motto: „Reitet die Jugend, aiis daß sie uils rette!" Ratheilau.) In vergangener Zeit war die Synagoge llicht allein ein Betharis, sondern viel mehr als dies ein Haus der Versammlung, in dem sich das gesamte jüdische Lebett abspielte. In unseren Tagen steht die Synagoge leer. Aber es gibt auch keine andere Stätte, dle ein iteues Zentrum jüdischen Lebensablauses geworden wäre. Die Unrast und Unstetig'keit des moderileit Juden liegt hierin begründet. Der junge Mensch der Großstadt überhaupt, ob Jude oder Ehrist, wird von ihr verschluilgetl. Sie raubt ihm die Selbstverständlichkeit des Wachsens, sie preßt ihn in ihren Zwang, sie nimmt ihm vor allem den Glauben. Die Unruhe und Entwurzetuitg der jungen Generation Deutschlands sind echte Kinder der Großstadt. Deshalb 'entstehen heute katholische ulid evangelische in aller Stille in allett Städten, Häuser „mit allem Komfort", mit Jugendheimen, Leseräumen, Klubzimmern, Wirtschastsräumen, Turnsälen, Bastelzimmern, Vortragsräumetl, behaglich, heimisch und ansprechend ausgestattet, wo junge Menschen llicht eilten flüchtigen Aufenthalt nehmen können, sonderlt wo sie em Heim, ihr Heim sitlden können. Und es gelingt in christlichen Kreisen so, eine neue Geiteration gläubiger Menschen auswachsen zu lckssen, ein Damm gegen die Einbrüche dieser Zeit. In jüdischen Kreisen ist in Dingen der Jugendarbeit eigentlich nie etwas zu viel getalt worden. Die berufenen Führer, die Gemeinden taten bis nt die letzten Jahre überhaupt nichts und überließen es einigen weitschauenden Freunden der Jugend und der Jugend selbst, zu tun, was sie komlten. Sle konnten manches tun, aber vieles, ztl viel konnte nicht getan werden. Da ist es besoilders das Verdienst des Verbandes der jüdischen Jugend-Vereine Deutschlands, daß er dort den 160 Orten alls, wo seine Vereine lind Bünde bestehen, den Ruf nach guten, großen jüdischen Jugendheimen an die Oessentlichkeit immer wieder richtete. So weilden sich ilun iletierdiilgs die Zentralwohlsahrtsstelle, der Frauenbund, der Reichsausschuß der jüdischeit Jugendverbände und der Verband der jüdischeit Jugendvereine in einer überaus eindrucksvolleit Broschüre alt alle, die hören wollen: „Schafft jüdische Jugend- und Gemeindeheime!" — Ob dieser Ruf gehört wird? Einmal wird er wohl gehört werden. Aber jeder Tag elltfremdet jüdische junge Menschen unserer Gemeiilschaft, die sie nicht zu halten weiß. Und die Tage sind nie wieder einzuholen. „Die ewige Glückschance der Menschheit" iBuber) ist die Jugend auch für das deutsche Judentum, vielleicht seine einzige Ehance überhaupt. Wer Häuser der Jugend ballt, der in Wahrheit allein ballt Häuser der Zukunft' Holzer. Tie neue „Zeitschrift für die Oieschichte der Juden in Deutschland". Durch das Wiedererscheiitell der „Zeitschrift für die Oieschichte der Juden in Deutschland" ist die Geschichtswissenschaft in bemerkenswerter Weise bereichert worden. Die süddeutscheil Landesverbände jüdischer Gemeinden, der Preußenverbaud sowie der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens haben sich zusammengetan, um in großzügiger Gesinnung die Existenz der neuen Zeitschrift sicherznstellen. Tenn seit dem Eingehen der voll Ltldwig Geiger herausgegebenen „Zeitschrift für die Oieschichte der Juden in Deutschlaild" siBraunschweig 1886 -91, 5 Bd.) fehlte es alt einem sichtbaren Mittelpuilkt, um die Forschungsergebnisse aus jenem Oiebiete zusammenzutragen.. Nunmehr ist die schmerzlich empsnndene Lücke wiederum ausgefüllt worden. Der Philo-Verlag, Berlin, hat bereits im April d. I. das erste Heft der neubegründeten Zeitschrift ausgegebert. Wie ihre Vorgängerin erscheiilt die iteue Zeitschrift vierteljährlich. Drei hervorragende Oielehrte, Professor I. Elbogeu, Beriiit, Professor A. Freimann, Frankfurt a. M., und Rabbiner Tr. Max Freudenlhal, Nürnberg, stehen an der Spitze des Unternehmens. lieber die Notwendigkeit der nenen Zeitschrift dürste sich jedes Wort erübrigen. Sie bient sowohl der Erforschung der allgenleinen jüdischen als auch der Erforschung der allgemeinen deutschen Oieschichte. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, das Verhältnis des deutschen Juden zur gesamtdeutschen Umwelt Mit denl unparteiischen Werkzeug der Wissenschaft klarzustellell. Eill weiter Ausgabenkreis harrt der Zeitschrift. Cneltcnforschung und nochmals Quellenforschung wird ihr vornehmsteck Ziel sein. Ihre Forschuilgstätigkeit wird sich llicht nur aus die staatlich-politischen, sondern auch aus die kultlirgeschichtlichert Zusamilteuhänge erstrecken. Nebelt der lalldesgeschichtlichen Spezialforschung wird sie die Universalgeschichte zu Wort kommen lassen. Entsprechend der veräildertelt Lage der liioderneit Geschichtswissenschaft wird sie Soziologie, Wirtschastsulid Geistesgeschichte in ihr Arbeitsprogramm ausllehmen. Ungemein groß ist auch die praktische Gegenwartsbedeutung der Zeitschrift, über die einer ihrer Mitarbeiter, Moritz S t e r n r sich folgendermaßen geäußert hat: „Sei es, daß es sich um unsere rechtliche Stellung im Staate handelt, um unser Heimatsrecht, um unsere Verwobenheit mit deutschem Volksleben ill Sprache lind Kultur, tlilt unsere Mitwirkulig am deutscheil Dtaats-, Gesellschasts- und Wirtschaftsleben, um unsere Allteilnahme am Handwerk und der Bodenbesiedelung, um interkonfessionelle Wohltätigkeit, Vaterllaltdsliebe (Kriegsstatistik!), oder sei es, daß Gemeindeverbünde, Organisatioll der cingclncn Gemeiltden, Besteuerung ihrer Gemeindemitglieder, Stellung der Rabbiner und Lehrer, Statistik «berufliche Gliederung, ^Mischehe, Taufen), Syuagogenbauten, Armenultd Krankenpflege, Erziehullgswefeu oder sonstige Dinge des inneren jüdischen Lebens erörtert werdeil, täglich treten neue Frageil auf, deren geschichtliche Erfassung notwendig ist, um atls der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen."

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