Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 4 (1929)
- Issue
- 3 (3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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t Aus unseren Verbandsgemeinden. Friedberg. Von der israelitischen Religionsgemeinde wurde eine neue vom Kreisamt genehmigte Wahlordnung für die Wahl des Vorstandes herausgegeben. Gau-Odernheim. Am Sonntag. den 17. Februar, feierte Herr Salomon Nordheimer ln geistiger und körperlicher Rüstigkeit m gesegnetem Greisenalter seinen 92. Geburtstag in Mannheim, wo er bei seinem Schwiegersöhne Max Baer zu Besuch weilte. In Hofheim i. Ried geboren, hatte er sich durch sein Wirken einen geehrten Namen erworben und lebte mit seiner verewigten Gattin. mit der es ihm durch die Gnade Gottes beschieden war, die goldene Hochzeit zu feiern, in glücklicher Ehe, verehrt von seinen Kindern und zahlreichen Enkeln. Möge dem greisen patri- , archaischen Manne noch weiter ein fchoner Lebensabend verliehen sein ad meo weesrim sohono. Mainz. Herr Emil Löwensberg, dessen 70. Geburtstag wir >n der letzten Nummer unseres Mitteilungsblattes noch berichten konnten, wurde unmittelbar nach der Feier seines Jubeltages von einer Krankheit befallen, die am 9. Februar zu seinem Tod führte. Die Beerdigung, welche am 12. Februar d. I. ftattfand, bekundete die große Schätzung und Anerkennung, welche der Verewigte in der Gemeinde Mainz und weit darüber hinaus sich erworben hatte. Herr Löwensberg. der über 20 Jahre dem Gemeindevorstand angehört hatte, war ein allzeit bereiter Helferin den Wohlfahrtsbestrebungen der Gemeinde wie in den Vereinen.' Seine herzliche Güte versagte sich gegen keine Not. Wiederholt hat er in Gemeinschaft mit seiner Gattin, Frau Paula Löwensberg geb. Marx, großzügige Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege geübt. Der Heimgang dieses Mannes ist ein schmerzlicher Verlust für die Gemeinde Mainz. Verbände und Vereine. Der Neichsbund jüdischer Frontsoldaten vecanstalteie am 9. Februar d. I. im Berliner Herrenhaus zu seinem 10jährigen Bestehen eine Kundgebung, die von den Abgeordneten des Frontbundes aus dem Reiche undaus Berlin, von den Vertretern jüdischer Organisationen, sowie von einer Anzahl von Gästen recht stattlich besucht war. Die maßgebenden Militärvereine und Polizeibehörden hatten Vertreter entsandt. Ter Vorsitzende des Frontbundes, Dr. Leo Löwenstein, der die Kundgebung leitete, wies auf die Gefallenen im Weltkriege hin, die, ob Jude oder Nichtjude, alle unserer immerwährenden Dankbarkeit sicher sind. Die Leistungen auf dem Gebiet.des Sportes und der Siedlung zeichnete Dr. Landenberger aus Nürnberg. Verein „EA" Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle. Dieser Verein hat im letzten Monat seine Tätigkeit begonnen, und die täglich eingehenden Anmeldebogen zeigen, 1>aß man ibm allseits mit Recht volles Vertrauen entgegenbringt. Anmeldungen und Anfragen aus allen Ständen, darunter Namen angesehener und gutsituierter Familien lassen erkennen, daß bei diesen das richtige Verständnis für die Ziele des Vereins vorhanden ist. Eine bedeutende Schwierigkeit für die Erreichung der letzteren in größerem Maße besteht darin, daß die Anmeldungen von heiratsfähigen Männern in weit geringerer Zahl, als von Mädchen, einlaufen. Der Verein weist deshalb darauf hin, daß gerade Herren, die bei ihm einen Anmeldebogen einreichen, die beste Aussicht haben, einen passenden Vorschlag zu erhalten, da viele Mädchen aus besten Familien angemeldet sind. Selbstredend wird es der Verwaltung eine hohe Befriedigung gewähren, wenn es ihr gelingen wird, auch Mädchen mit kleiner oder gar keiner Mitgift zur Ehe zu verhelfen. Die Leitung der Geschäftsstelle wird ehrenamtlich von Verwaltungsmitgliedern geführt, und peinlichste Verschwiegenheit ist gesichert. Merkblatt und Anmeldebogen können — nur schriftlich —° von Bewerbern (innen) oder ihren nächsten Verwandten angefordert werden bei der „EA" Frankfurt a.M.. Eschersheimer Landstraße 29. Der jüdische Frauenbund Mainz veranstaltet am Mittwochd e n 6. März, abends 8 Uhr, in der Rhenusloge, Franziskanerstraße, einen heiteren Abend mit Darbietungen von Frau Jenny Luck, Frl. Loni Meinert, Frau Emmy Buchdahl und Frl. Anni Lehmann. Die Generalversammlung findet am 11. März, nachmittags um 4 Uhr, mit geselligem Zu sammensein und anschließendem Vortrag von Frl. Elfriede Vogel ' statt. Zu beiden Veranstaltungen sind alle Mitglieder herzlich eingeladen. Es wird darauf hingewiesen, daß das Kartell Mainzer Frauenvereine um rege Teilnahme an den Vorträgen der Reichs untallwoche gebeten hat. Bücherschau. Minder, Ludwig. Die nachgeholten Freuden. Roman. Berlin. Ullstein. 3.— RM. Ist es denn möglich, Freuden nachzuholen? Freuden, um die eine finstere Kindheit, eine von Grauen erfüllte Jugend den Menschen betrogen hat. Er versucht es wenigstens, der Bauern spekulant Adam Dupic, der in der Zeit des letzten wirtschaftlichen Niederbruchs dank seiner Skrupellosigkeit zum Vertrauensmann des kaiserlichen Privatsekretärs aufrückt. Industrie, Aristokratie, Kleinbürgertum — alles windet sich unter seinem teuflischen Griff; er überschüttet die Menschen mü scheinbaren Wohltaten, an denen sie schließlich erwürgen — endlich die Macht in Händen zu halten, nachdem man so lange ein elender Wurm gewesen ist! Mit vorzüglicher Klarheit sind die Typen der Krisenzeit gegeben: der harmlose, wehrlose Kleinbürger, der Aristokrat, der auch im Untergang seinen Adel bewahrt, die Vertreter der jungen Generation, die es mit dem Leben aup ' nehmen, ob sie nun aus der ärmlichen Bürgerstube oder aus^dew erfüllenden Schloß kommen. Und ihnen allen gegenüber der Sohn es Adam Dupic, ein gütig geborener Mensch, der die Flamme « der Menschlichkeit inmitten aller Noi und seelischen Dunkelheii j brennend erhält. * Jüdische Schwänke. Herausgegeben von Max Präger Siegfried Schmitz. Wien-Leipzig. R. Löwit. Nicht einreihbar in das Gebiet sonstigen Humors und sonstiger Satire ist der jüdische Witz Ausdruck wissender Ueberlegenheit und . lächelnder Kritik — etwas Eigengeartetes, entstanden aus Wesen und Schicksal des jüdischen Volkes. Diese eigene Art ist in der vor liegenden Sammlung gut zu erkennen. Wßm. „Der Banknotensammler", Zeitschrift für alle Freunde des neuen Sammelsportes. Herausgeber E. Schuster, Nürnbergs , Gabelsbergerstraße 62. Preis halbjährlich 1 NM. Die Inflationszeit, die uns eine Flut von Geldscheinen, noch j dazu in Werten von noch nicht dagewesener Höhe gebracht hat,; hat viele Leute veranlaßt, die Geldscheine jener Zeit zu'sammeln, jj so daß sich hieraus ein ganz neues Sammelgebiet entwickelt Nun ist auch für diese Sammelgemeinde ein Fachorgan entstanden, welches nach dem Inhalt der vorliegenden Nummern zu schließet, viel Anregendes und Nutzbringendes für den neuen Sammelfpon zu bringen verspricht. Im gleichen Verlag erschien in neuer, verbesserter Auflage das Photoheft: Die Deutsche Mark von 1914—1924. In diesem interessanten Merkchen werden alle Banknoten von 1 Mark bis zum 100 Billionenschein auf guten Abbildungen wiedergegeben und eingehend besprochen, so daß man über alle Eigenheiten sowie über den Sammelwert der einzelnen Scheine unterrichtet wird Das Merkchen, das 64 Seiten umfaßt, stellt eine interessante Chronik einer hinter uns liegenden schweren Zeit dar. Der PAcks beträgt 1 RM. Personalnotizen. Geboren: Mainz: 28. 2. 29 ein Sohn des Herrn Paul Metzger. 86. Geburtstag: Offenbach: 16. 1. 29: Frau Siegmund Adolf Collin Wwe.