Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 12 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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des Landesverbsndes der istselMschm llieligionsgemeinden ßessens * * Vieles Statt erscheint monatlich und geht den gliedern unentgeltlich >u. * krscheinungsort ftlain;. Luschriftenjlltaini, tzindenburgstrahe str. 44 Schriftleitung: Vabbiner vr. S. levi, jlllaini EhanuKKah und Purim im Wechsel der Zeiten. Bon Lazarus F r i e d lu a n u. Tie bekannten Worte unserer Weisen mir. 1?1&K ‘7TC2 „Lilles bängt von Masol, Glück, Zufall ab, sogar die Tbora in dem Schrein", sind wohl so zu verstehen, das; sogar die Wertbemessung religiöser Vorschristen und Ginrichtungen manchmal dem Zufall und der Zeitfügung unterworfen ist. Diese Worte der Weisen könnte man vielleicht auch aus Chanukkah und Purim anweuden, da es Zeiten gab, in welchen die Bcgetsterung sür das Chanukkahsest mehr in Erscheinung trat, als die für das Purimfest, wie es auch Zeiten gegenteiliger Gepslogenheit gab. Man könnte also glauben, daß auch die Bewertung dieser Feste vom Zufall abhängig war. Allein in Wirklichkeit war nur der Wechsel der Zeiteinstellung die Hauptursachc für die wechselnde Bewertung dieser festlichen Tage. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, wo das geschichtliche Interesse in der Judenheit hinter der religiösen Hebung zurücktrat, stand auch die Feier des Ehanukkahfestes hinter der des Purimfestes zurück. Das gewaltige Ereignis der Rettung der Juden in Persien durch Mordechai und Esther hatte jahrhundertelang nicht nur feierliche Gottesdienste durch Vvrlesung der Megilla usw. bewirkt, sondern auch Feste in Familien- und Gesellschaftskreisen. Die geschichtlichen Grundlagen des Buches Esther waren zwar belanglos; aber dieses Buch wurde doch ein Volksbuch und sein Inhalt machte Purim religiös-populär. Für Chanukkah aber besitzen wir keine „Megilla", die uns die zugrunde liegenden Ereignisse und die Heldentaten der Makkabäer in einer gleich flammenden und anziehenden Sprache schildert. Es ist deshalb erklärlich, daß bei der großen Masse der Juden, der für geschichtliche Untersuchungen jede Voraussetzung fehlte, im Laufe der Zeit die Bedeutung und die historische Größe des Ehanukkahfestes verblaßte. Es blieb nur das Anzündeu der Lichter bestehen, und zwar nur deshalb, weil der Ueberlieferung nach ein Krüglein reines Oel, das sonst zur Versorgung des Ner-Tamid (ewiges Licht) nur für einen Tag reichte, so ausgiebig war, daß es acht Tage brannte, bis reines Oel hergestellt war; so war Chanukkah und seine Feier lediglich die Verewigung dieses Wunders. Die Purim-„Megilla" bringt die Leser in freudige Stiinmuug uud stellt die geschichtlichen Begebenheiten von Susan immer wieder so frisch und lebendig dar, als weint dieses Purim-Neß sich erst kürzlich ereignet hätte. Das Fehlen einer Ehanukkah - Megilla tvar das Schicksal der Ehanukkah-Feier: „Alles hängt vom Masol ab." Erfreulicherweise ist nun in den letzten Jahrzehnten eine Aenderung eingetreten. Durch das zunehmende Verständnis sür die Geschichte der Juden dank der modernen Geschichtsschreibung ist die große Bedeutung des Ehanukkahfestes dem jüdischen Volke wieder zum Bewußtsein gekommen. Man ist zur Etusichr gekommen, daß die Taten der Makkabäer nicht zurückstehcn hinter dem, was Mordechai uitd Esther ben persischen Juden gegeben haben. Während die historische Persöitlichkeit des Königs Achasweroth sehr umstritten ist, darf die Bedrohung des Judentums durch den Hellertisntus als eine urtbestreitbare Gefahr uttd die Wiederaufricktung uttd Belebung des jüdischen Volkes durch die Makkabäer als ein zweifelloses Verdienst tun die Erhaltung des Gcsamtjudentums gelten. Wenn das jüdische Volk auch zahlreichett Verfolgungen, Progromen und Aufreizungeil zu allcu Zeiten ausgesetzt ivar, man hat doch niemals an eilte vollstättdige Vernichtung geglaubt. Auch Mordechai hatte iit dem teuflischen Vorhaben Hantanns iticht die Gefahr einer gänzlichen Ausrottung der Juden erblickt, denn “RX Dipss moi'i rtf-rri m sagte er, „Befreiung und Rettung wird den Juden erstehen von einer anderen Seite." Viel verzweifelter war die Lage der Judeit bevor die Makkabäer zur Macht gelangten. Damals drohte eine äußere uttd eiue i tt u e r e Gefahr, die zur vollständigen Vernichtung des jüdischen Lebens und Geistes durch Assimilation an ben Hellenismus zu führen geeignet war. Der Untergang des Judentums wäre die Folge gewesen, wenit nicht zur rechtett Zeit die Makkabäer dein Volk die Rettung gebracht hättcit. Mit Recht hat darum die jetzige Generation die Bedeutung der Makkabäer und des Ehanukkahfestes itts Licht gerückt. Durch Vorträge uitd durch darstellende Belehrung über die großen Heldentaten der Makkabäer sittd viele, insbesondere die Juttgett, bewußte Juden geworden. Dieses Selbstbewußtsein und die Selbstbehauptung ist Zeitcrfordernis, weil das Judentum in unseren Tagen einer ähnlichen Gefährdung sich gegenübersieht, wie in der Makkabäer-Zeit. Assimilationssucht, Mischehen usw. bedrohett die Existenz des Judentums. Makkabäer-Geist soll beispielgebend und vorbildlich sein für unsere Zeit.