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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-11-01 · 11 (11.1928) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
11 (11.1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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uns mit sekundären Fragen, den politischen, zu befassen, wir arbeiten nicht im Sinne einer Partei und nicht für eine Partei, wir wollen einer größeren Gemeinschaft dienen — dem Gesamtjudentum. Eine Entscheidung kann erst in einem viel späteren, reiferen Alter erfolgen und nur dann, wenn man mit einem gediegenen Wissen um jüdische Dinge das Material zu selbständigem Urteil erworben hat. Wir halten es daher für unsere Pflicht, nur primäre jüdische Werte zu vermitteln und gültige jüdische Inhalte: Die Werke jüdischen Schaffens, jüdische Geschichte, jüdischen Lebensrhythmus, die Sprache der Gebete und der Schriften des Judentums. Wir wollen den Menschen erziehen, der die Welt mit jüdischen Augen sieht. Solche Gedanken gestalten das Leben unseres Bundes. Schönheit der Formen und Ernst der Arbeit sind seine Grundmächte. Fahrten am Sonntag und große Fahrten in den Ferien schassen Erlebnisse, die der Heimnachmittag vertieft. Auch zu gründlicher Arbeit haben wir uns zusammengefunden: Es gibt technische Kurse, Pfadfinderkurse, Anleitung zu erster Hilfe, Arbeitsgemeinschaften für jüdische Geschichte, hebräische Gruppen und Kreise, in denen die Aelteren die Fragen klären, die sie bewegen. Alles Menschliche und alles Jüdische hat Raum im Bund — Parteipolitik bleibt draußen. Eine Kontrolle, Rechenschaft über das Geleistete, einen Ansporn für weitere Arbeit stellen unsere Prüfungen dar. Technisches Können wird verlangt: Feuer machen, Kochen, Singen, Morsen, Zeltbau usw., und die Kenntnis elementarer jüdischer Dinge: Bedeutung unserer Feste, hebräisch Lesen und Schreiben, ein Abschnitt jüdischer Geschichte. Die Ansprüche der zweiten Prüfung sind wesentlich höher, während die dritte Prüfung schon sehr hohe Anforderungen stellt. Umfassendes technisches Können, Verständnis großer geistiger Zusammenhänge, pädagogische Schulung, sehr umfangreiches jüdisches Wissen. Auf diesem Wege hoffen wir unser Ziel zu erreichen, den tüchtigen Pfadfinder und guten Juden zu gestalten. Und wir glauben, daß dieser Typus das Beste ist, was wir aus unseren Menschen machen können, die beste geistige und körperliche Form für jüdische Jugend in Deutschland. Mit unserer Haltung glauben wir nicht nur dem Fortbestand des Judentums in Deutschland zu dienen, sondern darüber hinaus der Menschheit, wenn wir den Typus des Ghettojuden in uns und um uns überwinden. Walter Mecklenburg. Der deutschjüdische Wanderbund Kameraden. Unter den Bünden der jüdischen Jugendbewegung ist — neben der nur in drei Städten vertretenen Deutschjüdrschen Jugendgemeinschaft — dieser Bund der einzige, der sich bewußt auf eine deutschjüdische Grundlage stellt. Allerdings kann er diesen Begriff nicht ohne weiteres in seiner bisherigen Geformtheit — etwa vom Zentralverein — übernehmen. Verbinden sich doch damit tagespolitische Einstellungen und Beziehungen, die der Bund nicht allnehmen könnte. Andererseits entfernt er sich betont von der Auffassung der jüdischen Gemeinschaft als reiner Glaubensgemeinschaft, die aus dieser Seite oft noch zu stark vorherrscht. Es bleibt ihm aber nach Wollen und Einsicht Deutschland der Ort, wo sich das für seine menschliche und jüdische Lage Entscheidende ereignet: Deutschland ist der innerlich bejahte Lebensraum des Bundes, den sich auch seine jüdisch-strebenden Strafte erwählten. Diese Kräfte treten im Bilde des Bundes noch nicht so stark hervor, daß sie die Gestalt des Bundes voll bestimmten. Wendet sich doch der Bund an die bürgerlichen jüdischen Kreise, die dem Jüdischen oft schon sehr fernstehen. Gerade in diesem ZurüLholen zum Jüdischen sieht der Bund eine wesentliche Ausgabe. Immer stärker aber kommt man über diese vorbereitende Ausgabe hinaus zur Schaffung einer gelebten jüdischen Wirklichkeit. Der Bund fühlt sich voll als Wied der deutschen Jugendbewegung. Er lebt in ihren Formen, die teils vom Wandervogel, teils vom Pfadfinder bestimmt sind. Er hat ihre Hauptinhalte übernommen: Das Mühen um ein neues Bild vom Menschen und die Wandlung der Gesinnung. Im Hauptbezirk seiner Arbeit, der Erziehung, wird in dieser Richtung gearbeitet. Wir unterscheiden zwei Stufen der eigentlichen bündischen Erziehung: die Stufe des Jüngeren — „Pimpf" genannt —, die von etwa 12 bis 15 Jahren reicht, und die des Mittleren (15 bis 18 Jahre). Die Stufe des Pimpfen dient der menschlichen Bereitung. Hier geht das Streben nach einer neuen Körperlichkeit, nach Naturnähe, nach einer ritterlich-edlen Haltung, die sich ecn Gefühl für die Stufungen unter den Menschen wahrt, nach Förderung des Gemeinschaftssinnes, nach der Fähigkeit zu straffem, geformtem Gehorsam: alles Ziele, die den heutigen, vereinzelten, versprengten, wurzellosen jüdischen Menschen neu bilden sollen. — Die Mittleren-Stufe dient dann der Bereitung zur ethisch-gesinnungsmäßigen Entschiedenheit, zur Fähigkeit zu einem Leben nach unbedingten Maßstäben. Hier ist der Punkt, wo die Menschen des Bundes in Konflikt mit ihrer andersgerichteteii Umwelt kommen. Hier erhebt sich dann ein glühender Erneuerungswille, der in die Tendenz zur Verwirklichung, in den Willen, ein Leben lang den Idealen der Jugend treu zu bleiben, ausmündet. Jetzt, wo der Bund sich allmählich eine Aelterenschaft in dieser Richtung schaffen konnte, wird eine tief gespürte Verantwortung für das deutsche Judentum (und darüber hinaus!) treibend. So führt der Weg des Bundes, anfangend an den Tiefpunkten menschlicher Bildung, wie sie für das Bundesglied in den Einrichtungen von Führer und Zug gestaltet werden, hin zur Bewährung im täglichen Leben, im Großen wie im Kleinen. Ein Wort noch über das Organisatorische. Der Bund umfaßt in 53 Ortsgruppen etwa 1400 Menschen; die stärkste Altersschicht in ihm bilden die Jungen und Mädchen von 13—20 Jahren. Der Bund gibt für die Pimpfe als Zeitschrift das „Jungvolk" heraus, der Arbeit der Mittleren und Aelteren dient das Bundesblatt. Ihr Inhalt ist durch die obengenannte Zielsetzung gegeben. In einem Sonderhefte „Der Bund" (Das Heft ist kostenlos anzufordern bei der Geschäftsstelle: Harry Lapidas, Berlin NW 40, Melanchthonstraße 5, I.) suchte man in diesem Jahre sich selbst wie der Außenwelt einen Ueberblick über die gesamte Bundesarbeit zu verschaffen, so daß dies Heft am besten über den Bund unterrichtet. Hermann Gerson. Der Älterenbund Kameraden. Diese Gruppe von jungen deutschen Juden ist im Jahre 1924 aus dem deutsch-jüdischen Wanderbund Kameraden entstanden. Die Menschen des neuen Bundes waren aus der reinen Jugendbewegung herausgewachsen, die stärkere Betonung der jüdischen Aufgabe trennte sie von einem Teil der Kameraden und führte dann zur Bildung des neuen Bundes. Einige Bundestagungen (Oberhof 1924, Berlin 1925 und Dessau 1927). sowie die von den Tagungsabläufen veröffentlichten Berichte (Bericht über die Wintertagung in Oberhof, Frankfurt a. M. 1925. Um jüdische Wirklichkeit, Berlin 1927.) sind die äußeren Merkmale der Entwicklung des Aelterenbundes. Die Gegenstände der Tagungen geben Ausschluß über den Gesichtskreis: Politik, Wirtschaft, Gottesdienst, Sabbat, Zionismus, Zentralverein, Liberalismus, Bibelübersetzung, jüdisches Lehrhaus und jüdische Gemeindesragen. Doch nicht die Besprechung dieser Dinge ist das Besondere an dem Bund, da ja solche Probleme auch von anderen jüdischen Verbänden, jungen und alten, behandelt werden. Vielmehr die Art, w i e man sich über solche Fragen auseinandersetzt und w i e man seine Meinung im Leben der jüdischen Oeffentlichkeit, der politischen und religiösen Parteien durchzusetzen sucht. Ter Geist der Jugendbewegung, sowie das Bewußtsein der inneren Zusammengehörigkeit und das Bemühen um religiöse Verwirklichung sind Kennzeichen unserer Lebeiishaltung. Wir versuchen, auch in den Werken des Alltags unsere Grundhaltung zur Wirkung zu bringen. Wir lassen unsere Erkenntnisse stets durch die Erfahrungen an der Wirklichkeit bestimmen. In dieser Weise suchen wir auch unsereii Beruf aufzufassen, ob wir nun als Richter oder Anwälte, als Aerzte oder Theologen, als Redakteure oder Wirtschaftler tätig sind. Die Folge unserer Einstellung ist es, daß wir gegen die bekannten Schlagworte unseres jüdischen Lebens, wie: Nationalismus, Assimilation, Volks- und Religionsgemeinde, ebenso wie gegen alle anderen Schlagworte mißtrauisch sind und hinter diesen Schlagworten die Wirklichkeit suchen. Wir sehen, daß die Programme unserer jüdischen Parteien allzu stark unter den Schabloneii der Vergangenheit leiden und dadurch die Einheit des Judentums zerreißen. Deshalb siiid wir offen für lebendige Aeußerungen aus allen religiösen und politischen Parteien. Wenn auch der „Aelterenbund" eine parteimäßige Aktivität als Bund ablehnt, um nicht zu den vielen jüdischen Parteien noch eine neue hinzuzufügen, so sind doch seine einzelnen Mitglieder in den verschiedensten Organisationen im Sinne jener ge- Mainzer Pädagogium Fernruf 3175 H öftere PriUNtf tftuie Fernruf ZI73 Vorbereitung für alle Klassen der höheren Schulen, Obersekunda, Prima, Abitur; auch für Damen Abschlußprüfung Herbst und Ostern (Stoff des früheren Einjähr. Ex ) an der Schule. — Versäumte Jahre werden schnell und sicher nachaeholt. Sprechzeit: Diether v. Isendurgstr. 13l/to' von 12—l1/., Uhr. 5

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