Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 10 (10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DOM s zu den letzt erschienenen in seltener Treue. Was uns besonders interessiert: seine Stellung zum Juden, leuuzeichuet er schon in dem Frühwerk „Kain und Arlem sollendem matzen: „Ist der Jude nidit auch ein Mensch? bat nicht ein Gott une alle geschaffen?" In den „E r i n n e r n n g e n a n Zeit i;e n o s s e n" ' Werk «drosch. RM.), die beute vorliegen, einem Werk von ganz eigen zarter Plastik des ^chancns titid Gesiallens es gibt, kritisch betrachtet, kaum irgend einen, der Tieseres über Tolstoi gesagt batte als Gorki bier in aller Kürze es getan — in diesen Erinnerungen ist es besonders» ergreisend zti beobachten, tvie der reise Mann die Ansichten, die er in der Jugend geäußert, nun nach den Erfahrungen eines ganzen Lebens bestätigt unb verliest. Es ist da ein (Gespräch ztvischen ibm und Leonid Andre,ew tviedergegeben: sJl. SUmnit du mir ansrichtig sagen, was dich tre>bt, deine Zeit fiir den nntzloseit Kampf gegen die Judenfeinde zu opfern? G. Ich anttvortete ibm, der Jude sei mir an sich srnnpatbisch, tind Shmpathie sei eilte biochemische Ersck,einnng, die sich nicht erkläreit lasse. A. dltin, lrotzdeut? G. Ter Jude ist ein gläubiger Mensch, der (Glaube ist eine spezifisch jüdische Eigenschaft. Ich liebe gläubige Menschen, und ich liebe Fanatiker. - - Füge itvch binzn die aitam, die der Russe empsinden mtltz, in desseit Halls, in desseil Heimat die Inden dalierild so schändlich, so abscheulich bebandelt werden." Wie ball dieser Mensch die Ungerechtigkeit, alich anderen angetan, eiilpsindet, spürt man ans diesen Worten. Zn oftIiat er sie erlebt und mitcriebt in seinein bllilten barteil Leben, ^o glaubt nran ibnl alich die Freude, mit der er, gleichfalls in den „Erinnernligen", erzäblt, datz ib>n auch Gerechtigkeit begegilet ist. '.,Hiil llild tvieder", sagt er, „erscheinell i n linse rer Erdenwell Menschen, die ich „fröbliche Gerechte" ncnncn möchte. Ich habe das Glück gehabt, vielleicht ein halbes Tntzend sröhlicber Gerechterim Leben 'zu treffen. Tie beliste Persönlichkeit von ilmen tvar Jakob Lwotvittztz Teitel, ein nngetatlfter Jude und Untersuchungsrichter i'l Samara." Nebeir altem Schönem, was das Buch gibt, steht, woraus lner,a nur alldelltend bingetviesell werden kann, eitle aitssührliche ^childertilig vont Lebelt und Wirkeil dieses Mannes, einem noch beute matzgebenden ossizielleil Vertreter der rllssischeit Indenheit. Unser zweiter Autor, Ilja Ehrenbnrg, dem Westeil befannl durch die „Treizebil Pseisen" niid „Tie Liebe der Ieanne Ney" versteht, geschickt, fpanncnb mit) überzeugend darznstellen, tvie beute ans schroffster Gegensätzlichkeit allmählich Verschmelznngen sich ergeben, und wie über die scheinbar nnübersteiglichen Grenzen nationaler Eigenart und politischer Einstellungen, in der die alte Generation verharrt, die rein menschlichen .Strafte der Jugend zu einander sindert. Nicht nm die Annähernngsmöglichkeiten zwischen westlichem und asiatischem Europa geht es ihm in dem Rommi „M i ch a i l L h ko iv", «drosch. 4.NO NM.), diesem Heldenimb ^chieberroman ans Sowjetrutzland, einem breit hiiigestricheneil Bild naiven tind zugleich verderbten Lebens, in dem überzeugter Kommnnismns und nnbedeiikliches Schiebertnm dicht beisammen stehen. Gewiß, alles ili guter Forin sagen zu können, gefällt E. sich manchmal in der Tarstellnng von Zügellosigkeiten; aber schon in der Uebersetznng bekommt man einen so starken Eindruck von der schwingenden Fülle llnd Biegsamkeit der Sprache, das; aller Protest gegen das Stoffliche aufgehoben ivird durch die Freude an seiner Behandlung. Oftmals, nm seine eigene Anteilnahme nicht allzu sehr merken zu lassen, verfällt E. in einen leicht spöttischen Ton. Nicht für lange: denn, mitgerissen vom »Pathos des Alltags, gibt er sich so, tvie er ist: verstehend und teilnehmend; ja, er begnügt sich dann nicht inehr mit der Feststellung von Tatsachen: mit warmer Ursprünglichkeit sagt er seine eigene Meinung dazu ohne Furcht vor Berletznng der künstlerischen Objektivität. Nun'»och ein paar Worte über Isaak Babel und feilte „G e s ch i ch t e n aus Ode s s a" «Hlbln. 8.— RA(.): Jude tvie Ehrenbnrg erscheint er neben ihm erdhaster, primitiver, elementarer. Tabei zugleich dualistisch gespalten, und zwar so, datz ein tiefes Nnssischsein einem grnndtiefen Iüdischsein gegenübersteht. Er hat zwei Gesichter: das wilde, unbändige Gesicht des russischen Freischärlers, tvie es ans seinem Buch „Bndjonnys Reiterarmee" uns entgegenblitzt, und die von alter Kultur dnrchpslügten Züge eines Menschen, dem von Jahrtausenden her ein Erbgut überkommen ist. 'Seine „(beschichten arrs Odessa", ein Querschnitt ans dein Leben der „Moldatvanka, nirserer freigebigen Mutter", d. h. arrs 8 bcnt Iudenviertel von Odessa, entfalten Bilder von einer jüdischeri Bodenständigkeit nrid Selbstverständlichkeit, tvie sie der Westler kantil ahnen kann. In Farben voll einzigartiger Leuchtkraft baut Babel sein Werk auf - es funkelt darin von unbekümmerter Frechheit, geschmeidiger Roheit, übermütiger Tiesseitigkeit, philosophischer Tiefe und zartestem Ahnnngsvermögen. Er hat noch einen weiten Weg vor sich, bevor er den ruhigen Tiefgang gefunden habeil tvird; denn noch lodert es in ihm jung und wild. Aber die Flamme seiner .Ennjt steigt gerade empor, Glut und Kraft — heute alich lioch Maßlosigkeit - - sprüht daraus lind tiefe Menschlichkeit. Iehnda Halevp lind Maxim Gorki in eines verschmolzen — das könnte sckil jetzt ich Isaak Babel werden. F Weitzmann. Briefkasten. ... o.' 'T ',UT oDtc unter Bezugnahme ans ein Eingesandt in Ar. 00 «zs. >4) des „Israelit" hierher gerichtete Anfrage: Ter „.Aainzer Landesverband" hat keinerlei schritte nnternominen, die gt-gen das Anstrittsgesep gerichtet sind; die in Sachen Kirchen Itenergesetzentwnrf an das Ministerium s. Ft. gerichtete Petition richtet «ich unter anderem lediglich gegen eine Berkürznng der beliebenden vorübergehenden und begrenzten Slenmpflicht be, cinem Anstriit ans der Gemeinde. Jüdischer Iugendvercin Mainz a. Rh. Heim: Gemeindehaus, Gabelsbergerstratze. Programm fiir Otto her 1928. 2uinittn], 14. Oktober: Telegiertentagun», des Hessischen Landesverbands in Wiesbaden. (Obere.Nänme des .Kurhauses.) Programm des Telegiertentngs: Beginn l<> Uhr: Begrütznngen. Referat U>!K Uhr: Tie Arbeit der jüdischen Jugend an der Neugestaltnng der jüdischen Gesellschaft; Neferent Tr. H, Karger, Breslau. 11X> llhr: Geschlossene Sitzung der Telegierteri (Tagesordnnlig wird noch bekannt gegeben), ltz» llhr: Gemeinsames Mittagessen zu mätzigem Preise. «Näheres im endgültigen Programm., llhr: Diskussion über das Morgenreferat (Fünf Diskussionsredner bereits vorgemerkt); Schlntz, _ . __ der Diskussion gegen 5 Uhr. ^chlntzreferat n'A llhr: Jüdische Jugend — ihr Sinn und ihr Schicksal; Referent: Rabbiner Tr. Paul ' _ Lazarus, Wiesbaden. Schluß der^Tagnng: 6 Uhr: Abendessen nach Belieben. Nsil llhr: ^Fest, gegeben vom Hessischen Landesverband und dem Jüdischen Ingendverein, Wiesbaden; Eintritt für sämtliche Perbandsfrennde frei. Treffpunkt des Maiilzcr I. I. B. zur gemeinsamen Ahsnl>rt zur Tagung 9,15 Uhr oormiltngs: Portal des Hnliptbahnhofs. Nlvntng, 15. Ottober: „Jüdische Tagesfragen". Gemeinsamer Heimabend von Tr. Picard und Max' Tchornicki, AbendS NiX Uhr. Tonnerstag, 18. Oktober, 8% llhr: Borftnndssitznng. Freitag, 19. Oktober, 8X> llhr im Heim: Freitngabendseier. Leitung A'ordert Rose und Max Tchornicki. Tvnlltag, 21. Oktober: Treffahrt mit Worms. Treffpunkt Mainz Hanptbahnhof 7,15 Uhr, Führung Alfred Epstein. Montag, 22. Oktober: Heimabend: „Knnstgeschichtliche Grnndbegriffe". 8% Uhr. Leitung Max Tchornicki. Tonnerstag, 25. Oktober: Bortrag. Thema lvird noch angezeigt. Sonntag, 28. Oktober, 8% Uhr: Gemütliches Zusammensein im Heim. Montag, 29. Oktober, 8% llhr. Heimabend von Norbert Rose über „Das Buch Ruth". Tvllnerstag, 1. Noveniber, 8% Uhr: Borstandssitzung. Montag, 5. Novenrber, 8:X llhr: (9eneraloersammlnng. Zur Telegiertentagnng haben alle Mitglieder des I. I. B. Zutritt. Wir bitten Euch -- schon im Interesse des I. I. B. - Euch recht zahlreich an der Fahrt nach Wiesbaden zu beteiligen. Wegen Teilnahme air-dem Fest verweisen wir auf den Anschlag am schwarzen Brett. Zugleich inachen wir Euch aus den Freitagabend aufmerksam. Es ist beabsichtigt, diese Freitagabende wieder regelmäßig stattsinden zu lassen. EH- ■