Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 9 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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An der Hand eines großen Tatsachenmaterials legte Uahuda die Beziehungen zwischen der Sprache des Pentateuch und dem Aegyptischen dar. Seit langer Zeit streiten sich die Bibelkritiker über das Alter des Pentateuch, und die allgemeine Ansicht geht dahin, daß der Pentateuch aus einer viel späteren Zeit stammt als aus der Zeit Moses. Dahuda geht nun von rein sprachlichen Gesichtspunkten aus, ohne sich auf bibelkritische Fragen einzulassen, und beweist, daß der Stammdialekt von Kanaan, den die nach Aegypten eingewanderten Israeliten gesprochen haben, sehr zahlreiche ägyptische Elemente an Lehnwörtern und Aegyptizismen aller Art in Ausdrücken, Redensarten, formelhaften Sätzen usw. aufweist. Iahuda gelangt zu dem Ergebnis, daß dieser Dialekt unter dem Einfluß der hochentwickelten ägyptischen Sprache während des Aufenthaltes der Israeliten in Aegypten (etwa 16. bis 13. Jahrhundert v. Ehr.) in raschem Anstieg seine Entwicklung zu der literarischen Sprache des Pentateuch genommen habe, und schließt dann daraus, daß der Pentateuch nur um die Zeit des Auszuges der Israeliten aus Aegypten entstanden sein kann. Kunst und Mizwoh. Arnold Zweig hat eine Novelle „Alter Mann am Stock" beendet und sie der Jüdischen Altershilfe Groß-Berlin zur Verfügung gestellt. Die Jüdische Altershilfe, deren Arbeit dem Dichter die Anregung gegeben hat, wird diese Novelle, die nicht im Buchhandel erscheint, ihren Freunden und Mitgliedern überreichen. Das Nachwort schrieb Professor Dr. Albert Einstein. Die Schatzkammern König Salomos. Es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, daß demnächst ein Altertumsfund von größter Bedeutung an den Tag gefördert werden wird, der nicht nur wissenschaftlichen, sondern auch beträchtlichen materiellen Wert darstellen kann. Es handelt sich um nichts anderes, als um die Schatzkammer des Königs Salomo, die sich etwa 10 Kilometer von Jerusalem entfernt bei den Ruinen von Mizpah befindet. Der sagenhafte Reichtum König Salomos war tatsächlich ungeheuerlich groß und nach wissenschaftlichen Feststellungen muß das jährliche Einkommen des jüdischen Herrschers in heutiger Kaufkraft ausgedrückt rund eine halbe Milliarde Mark betragen haben. Außerdem erhielt König Salomo regelmäßig die kostbarsten Geschenke aller Art, Juwelen, Gold und anderes, und diese Schütze wurden unter entsprechender Sicherung verwahrt. Die Grabungen einer amerikanischen Expedition in Mizpah haben eine Mauer von großem Umfang zutage gefördert. Ihre Dicke beträgt zwischen sechs und acht Meter und ihre Höhe dürfte ungefähr sechzehn Meter gemessen haben. Die Annahme, daß es sich hier um die Schutzmauern der königlichen Schatzkammer handelt, hat große Wahrscheinlichkeit für sich. Wenn es gelingt, die Stadt Mizpah freizulegen,^so wird man voraussichtlich auf die eigentlichen Räume dieser Schatzkammer stoßen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich hier noch Ueberreste der ehemals dort verwahrten Kostbarkeiten bergen. Konfessionelle Statistik. Der bekannte Statistiker Professor D. Richter, Berlin gibt in der Zeitschrift „Die Evangelische Mission" Schätzungen aus Grund der neuesten Forschungen wieder, nach denen die Gesamtbevölkerung der Erde fast 1830 Millionen Menschen beträgt. Die Menschheit hat an den Weltreligionen in folgender Weise Anteil: Mohammedaner 227 549 000, Hindus 215 512 000, Konfuzmner und Taoisten 310 715 000, Schintoisten (Japan) 20150 000, Animisten 161272 000, Juden 15 557 000, Verschiedene: 100 Millionen. Nach der neuesten Statistik leben in den Ländern der Sowjetunion 2 600 945 Juden. Seit 1897, also in einer Periode von drei Jahrzehnten, hat sich die jüdische Bevölkerung in den genannten Ländern um kaum 4 Prozent erhöht, während der allgemeine Bevölkerungszuwachs fast 40 Prozent beträgt. Dies erklärt sich daraus, daß zahlreiche Juden in den letzten Jahrzehnten nach Amerika und Palästina abgewandert waren. Von 1897 bis 1923 z. B. wanderten 550 000 Juden nach Amerika, 18 000 nach Palästina, 31 000 nach anderen Ländern aus. Bei diesen Zählungen sind die Juden m den jetzt selbständig gewordenen Gebieten Polen, Lettland, Litauen usw. nicht berücksichtigt worden. Dr. Baeck zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten beim Kultusministerium bestellt. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat an Stelle des verstorbenen Justizrats Lilrenthal zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten den Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, bestellt. Verbände und Vereine. Der Zentralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Landesverband Hessen-Nassau teilt uns mit: Wrr machen fortwährend die Beobachtung, daß die in unserem Bezirk verbreiteten antisemitischen Hetzblätter in großem Umfange von jüdischen Lesern gekauft werden. Das bedeutet eine nicht unbeträchtliche finanzielle Unterstützung der antisemitischen Bewegung. Es handelt sich insbesondere um folgende Blätter: „Die Faust", Worms, „Hessenhammer", Darmstadt, „Nassauer Beobachter", Wiesbaden, „Frankfurter Beobachter", Frankfurt, und „Völkischer Beobachter", München. Wir richten an unsere Glaubensgenossen das dringende Ersuchen, einen Kauf dieser Blätter zu unterlassen. Im Festsaale der Offenbacher Synagoge, den die dortige Gemeindeverwaltung als Versammlungsraum in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt hatte, fand am Sonntag, den 26. Aug., die diesjährige Generalversammlung des Hess. isr. Landeslehrervereins statt. Die Tagungsteilnehmer, aus allen Provinzen des Landes folgten den Verhandlungen bis in den späten Nachmittag hinein mit lebhaftestem Interesse. Den Geschäftsbericht für das verflossene Jahr erstattete der Vereinsvorsitzende, Herr Lehrer L. Kahn, Alsfeld. Herr Dr. Strauß, Offenbach sprach über die „Lebensformen der Jugendlichen". Einstimmig wurde beschlossen, den Anschluß des rsr. Landeslehrervereins an den Reichsverband der jüdischen Lehrervereine Deutschlands — spätestens bis zur nächsten Generalversammlung — zu vollziehen. Ein ausführlicher Versammlungsbericht erscheint in der nächsten Nummer dieses Blattes. Am 12. August fand in Düsseldorf die 2. Hauptvorstandssitzung des „Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" in diesem Semester statt. Die Tagung war aus allen Teilen des Reiches gut besucht. Aus dem Situationsbericht, den der 1. Vorsitzende, Rabbiner Dr. Hahn, Essen erstattete, ist zu entnehmen, daß sich die Dresdener Jugendtagung, die in allen jüdischen Lagern einen starken Widerhall gesunden hat, im Verband im Sinne eines vertieften Verbandsbewußtseins und einer gesteigerten Arbeitsfreudigkeit auswirkt. Spiegelbild dieses Tatbestandes sind die letzten Ausgaben des „I ugendbun d", der weitverbreiteten Zeitschrift des Verbandes. Die Beziehungen zu den übrigen jüdischen Organisationen gestalten sich, der Bedeutung des Verbandes entsprechend, immer intensiver. Besonders freudig wurde die Nachricht begrüßt, daß es Dr. Jacob, Saarbrücken auf dem jüdischen Weltjugendkongreß in Straßburg gelungen ist, die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit des Verbandes mit der Union Universelle de la Jeunesse Juive zu schaffen. In der sich an das Referat anschließenden Diskussion wurden in eingehender Weise die ideologischen Grundlagen der Bundesarbeit überprüft. Es herrschte Einstimmigkeit darüber, daß eine Formulierung geschaffen werden müsse, die in der Sprache unserer Zeit sagt, was der Verband positiv unter dem Schlagwort „N eu - t r a l i t ä t versteht. Die der Versammlung vorliegenden Thesen von D r. M a x Wiener, Berlin, sollen die Grundlage dieser umgehend in Angriff zu nehmenden Erörterung bilden. An das Finanz- und Organisationsreferat von Fritz Schwarzschild, Wiesbaden schloß sich eine ausgiebige Aussprache über die imWinter zu lösenden Aufgaben an. Es wurde beschlossen, in den Mittelpunkt der kommenden Arbeit: „Die soziale und seelische N o t der heutigen Jugend" zu stellen. Daneben sollen die in Dresden aufgestellten Forderungen hinsichtlich der Mitwirkung der Jugend an der in der Gemeinde zu leistenden Arbeit der Verwirklichung näher geführt werden. Die Gesellschaft zur Erforschung jüd. Kunstdenkmäler veranstaltete in Frankfurt a.M. anläßlich ihres 30jähr. Bestehens eine Ausstellung, die erstmalig einen Ueberblick über das reiche Material, das die Gesellschaft im Laufe dieser Jahre in allen Ländern gesammelt hat, gab: Um auch den alten Familienbesitz zu zeigen, hatte die Gesellschaft ihre Mitglieder gebeten, die Ausstellung durch Leihgaben zu erweitern. Es bot sich somit ein Einblick in ein bisher der weiteren Oefsentlichkeit noch völlig unbekanntes Gebiet. Die Publizierung der sehr reich beschickten Ausstellung ist in den Notizblättern 19 und 20 der Gesellschaft bereits begonnen worden, und zwar so, daß damit für die in Betracht kommenden Gebiete eine Ergänzung der bisher von der Gesellschaft veröffentlichten Forschungsresultate erzielt worden ist. Die reich illustrierten Veröffentlichungen werden in den nächsten Notizblättern, die den Mitgliedern dieses Jahr viermal gratis zugehen, fortgesetzt werden; dieselben werden für jeden Kunstfreund eine Quelle der Belehrung bilden. Die Mitgliedschaft wird durch Einsendung von mindestens 10,— RM. Jahresbeitrag auf das Konto Julius Kaufmann, Ver- 11