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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-08-01 · 8 (8.1928) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
8 (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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wird für alle Zeit das Verdienst bleiben mit diesem Vorurteil gründlich ausgeräumt zu buben.. Er weist nach, daß die Pharisäer die Träger und opferbereiten lleberlieserer der alten Sittlichkeitsideale des Judentums und „als die direkte Fortsetzung und notwendige Vollendung des Werkes der Propheten" zu bewerten sind. Diesen Nachweis führt Herford aus den Zeugnissen der Pharisäer selbst, wobei er die Unzulänglichkeit und die Fehler in ihren Aussassnngen nicht verschweigt. Die von Dr. Walter Fische! besorgte llebersetzung ans dem Englischen ist klar und lebendig, das Buch sei Lehrern und Laien zur Abschaffung und zum Studium warm empfohlen. Jampel, Siegmuud: Vorgeschichte des israelitischen Volkes und seiner Religion, I.Teil: Tie Methoden. Verlag I. Kaussmann, Frankfurt a. M., 1928, 180 Seiten, Preis br. M. 4.—, geb. M. 5,50. Seitdem Jampel seine Vorgeschichte Israels und seiner Religion, Frankfurt a. M., 1918, schrieb, hat sich bas Material über die Frage lvesentlich vermehrt. Sr beabsichtigt deshalb nicht etwa eine Neuauslage der früheren Abhandlung, sondern eine mehrbändige umfassendere Darstellung, in welcher die Vorgeschichte des israelitischen Volkes und die Vorgeschichte der israelitischen Religion behandelt werden sollen. In dem jetzt erschienenen 1. Teil ebnet sich Jampel zunächst den Weg, indem er mit den bisher üblichen Methoden, welche für die Erforschung der Vorgeschichte Israels angewandt wurden, abrechnet. Wellhausen und Eduard Meyer werden an einigen treffend gewählten und schlagend widerlegten Beispielen in der ganzen Unhaltbarkeit und znm Teil Frivolität ihrer Forschung ausgedeckt; jüdischliberale und jüdisch-konservative Bibelforscher werden aus die Bahn wissenschaftlicher Forschung aufmerksam gemacht. Ungewertete oderunverstandene Stellen der Bibel, besonders in ihren ethnologischen und historischen Teilen werden als bedeutungsvolle Dokumente ausgezeigt. Man liest die Darlegungen Jampels mit Spannung und erwartet die angekündigte Fortführung des begonnenen Werkes mit größtem Interesse. Bedauerlich ist nur, daß der Text der bisher erschienenen Abhandlung von Druckfehlern und sprachlichen Unzulänglichkeiten wimmelt. Nach längerem Zwischenraum ist wiederum eine Nummer der Zedakah, Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege erschienen. Das umfangreiche Heft (51 S.) gibt eine Ueb er schau über das letzte Jahrzehnt und die gegenwärtige Lage jüdischer Wohlfahrtspflege in Deutschland. Es enthält folgende Aussätze: Die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden. Rückblick — Gegenwartsbericht — Ausblick. Von Dr. Friede. O l l e n d o r s. — Ter Orden Bne Britz .. Jüdische Wohlfahrtspflege in und nach dem Kriege 1914—28. Von Dr. Alfred Golds ch m i d t. — Die soziale Arbeit des Jüdischen Frauenbundes im letzten Jahrzehnt. Von Hannah K a r m i n s k i. — Sin Jahrzehnt der Wohlfahrtspflege des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Von Dr. Wilhelm N e u m a n n. — Aus der Tätigkeit des Hilssvereins der deutschen Juden in den letzten 10 Jahren. Von Dr. Mark W i s ch nutzer. — Jüdische Wandersürsorge und Arbeitsnachweise. Von >L. Adler-Rudel. — Durch die ausführlichen Darstellungen erhalten wir ein anschauliches Bild von dem Werden und Wesen der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland, von der Zusammenfassung aller Kräfte zur Bewältigung der mannigfaltigen und grotzeii entstandenen Ausgaben uiid voii den Leistungen der einzelnen Organisationen aus allen Gebieten der sozialen Fürsorge. Sili Nachrils für die am 14. Mai d. I. verstorbeiie Frau H e ii r i e t t e May, Mitbegründerin und stellvertreteiide Geschäftsführerin der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden von Frau S. W r o n s k y , sowie ein Nachruf von Dr. W isch - ii i tz e r für Herrn Dr. P a ul N a t h a n, dringen von neuem Zilni Bewußtsein, welche Verluste die jüdische Wohlfahrtspflege in der letzten Zeit er litten hat. Schließlich ist in dem Heft der Zedakah iioch ein, durch den Erlaß des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten besonders bedeutungsvoller Aussatz von Rabbiner Dr. Sschel- Pacher, Düsseldorf über „Jüdische Weltaiischauung und Verhütung der Geschlechtskrankheiten" enthalten. Die Zedakah ist bei der Geschäftsstelle der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstratze 158, II., zum Preise von RM. 1,50 für das Heft zu beziehen. Die Besprechung der weiteren angezeigten Neuerscheinungen wird in der nächsten Nummer erfolgen. * \ Jüdische Zeitgeschichte. Hindenburg über den Antisemitismus. Dem „Mainzer Journal" entnehmen wir folgenden Artikel: Die amerikanische Schriftstellerin Miriam Sterner wurde vom Reichspräsidenten Hindenburg in seinem Palais empfangen. Als Frau Sterner bei Beginn der Unterredung daraus hinwies, daß Hindenburg in der jüdischen Welt nicht als besonderer Judensreund gelte, machte der greise Reichspräsident folgende sensationelle Aenßerungen: „Ss tut mir wirklich leid, dies zu hören. Ich verstehe es nicht recht. In meiner ganzen Vergangenheit, in meiner militärischen Laufbahn und in meinem privaten Leben habe ich niemals Veranlassung zu einer solchen Meinung über mich gegeben. Für die den Juden ungünstigen Befehle, die während der Herrschaft Wilhelms II. erteilt wurden, bin ich nicht verantwortlich. Ich habe die Befehle nicht erlassen, sie stammen nicht von mir. Seien Sie versichert, daß ich während meiner ganzen militärischen Tätigkeit keine einzige Verordnung herausgegeben habe, die irgendeinen Teil der Bevölkerung unter einen Ausnahmezustand gestellt hat. Lassen wir alle Stimmungen aus dem Kriege beiseite. Ich kenne sehr gut die Eigenschaften Ihrer Rasse. Erst vor kurzem habe ich Ihren Glaubensgenossen Lord Reading empfangen. Er ist ein großer Geist und verdient die Wertschätzung, die er in England genießt. Die Juden haben der Menschheit viele große Männer geschenkt. Deutschland ist stolz daraus, daß ein so bedeutender Geist wie Albert Einstein einer unserer Mitbürger ist. Es erübrigt sich. Ihnen zu sagen, daß Ihre Brüder bei uns einen großen Anteil an der Entwicklung der deutschen Kultur haben. Ss gibt aus der Welt keinen Platz mehr für Vorurteile in einem Zeitpunkt, da die Welt nach ewigem Frieden strebt. Ich habe Ihnen dieses Interview mit Absicht gewährt, obwohl ich sonst nicht zur Presse spreche. Ich will ein für allemal der Welt erklären, daß das demokratische Deutschland kein Vorurteil gegen irgendeine Rasse oder Religion dulden ivird." Weltverband für religiös liberales Judentum. Vom 18. bis 21. August wird der Weltverband für religiösliberales Judentum in Berlin seine Tagung abhalten Der Präsident des Verbandes, Claude G. Montesiore-London, wird die Verhandlungen leiten. Jüdische Volksschulen in Preußen. Die Zahl der jüdischen Volksschulen in Preußen geht ständig zurück und beträgt nur noch 96. Von den einst bestehenden 150 Volksschulen Bayerns bestanden 1911 noch 84; heute sind es kaum die Hälfte. Die Gründe für d'as Eingehen der ineisten jüdischen Volksschulen dürsten Geburtenrückgang, Abwanderung und stärkerer Zugang zu den höheren Lehranstalten sein. Deutschlands Turner ehren die jüdischen Gefallenen. Aus Anlaß des deutschen Turnfestes wurden in Köln von der Deutschen Turnerschast am Denkmal der jüdischen Gefallenen, Synagoge Roonstraße, durch den 1. Vorsitzenden des Hauptausschusses, Stadtverordneten B. Gödde, in Gegenwart des Gemeinderabbiners Dr. Rosenthal, der Kameraden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, einiger Vertreter der Kölner Synagogengemeinde und des Jüdischen Turnvereins Kränze niedergelegt. Nach einem kurzen Gebet des Rabbiners Dr. Rosenthal richtete im Auftrag der Jüdischen Gemeinde Köln Justizrat Tr. Bodenheimer einige Worte an die Anwesenden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die deutsche Turnerschast dnrch ihre Unparteilichkeit dazu beitragen möge, daß Klassen- und Rassenhaß verschwinde imb Einigkeit alle deutschen Volksgenossen verbinde. Jüdischer Zugendverein Mainz a. Rh. Heim: Gemeindehaus, Gabelsbergerstraße. Augustprogramm 1928. Sonntag, 5. August: Tressahrt mit Frankfurt, Wiesbaden, Höchst und Ossenbach. Königstein, Fuchstanz, Schmitten, Oberreisenberg, Feldberg, Königstein. Treffpunkt Mainz-Kastel 7,15 Uhr vorm. Führung Max Tchornicki u. Ernst Neuburger. Montag, 6. August, 8% Uhr: Heimabend. Joses Kahn. Mittwoch, 8. August, GH Uhr vormittags: Gpmuastikkurs Else Schwarzschild. Montag, 13. August, 8% Uhr: Heimabend. Dr. Picard. 6

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