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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-08-01 · 8 (8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
8 (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Rabbiner ^Z.Iahrg., lUr.S « des Landesverbandes der israelitischen llleligionsgemeinden «ljessens *■ .. aaC" 1 1 -.. j Vieser Blatt erscheint monatlich und geht den Mit« II Luschristen: Waini, tzindenburgstrahe Ar. 44 gliedern unentgeltlich M. * krscheinungror» Mich. II Schriftleitung: Vabbiner vr. 5. levi, Mn, •fc1,11 —i— AusrheinhesfischenZudengemeinden. Die rheinhessischen Judengemeinden weisen vielfach Denkmäler ihrer einstigen Blüte und ihres besonderen Lebens auf ihren alten Friedhöfen auf. Die in Stein gemeiselten Namen auf den alten Grabdenkmälern lassen längst vergessene Persönlichkeiten wieder erstehen und Verbindungsfäden über Zeit und Ort hinweg spinnen. Aber auch in Häusern und Synagogen finden sich rnanchmal noch Zeugen alter Zeiten und Bräuche. Bei einer Rundfahrt durch einige dieser rheinhessichen Gemeinden wurde ich auf einen in die äußere Wand der Synagoge in Sprendlingen eingemauerten Stein aufmerksam, welcher durch die hier folgende Wiedergabe unseren Lesern vorgeführt wird und dessen Deutung zu einer Schilderung alter jüdischer Hochzeitsbräuche Veranlassung gibt. > ' tns-yZ' Dieser Stein hat nämlich Beziehung zu der in früherer Zeit üblichen Trauungsform bei den Juden. Bekannt sein dürfte, daß schon in alter biblischer Zeit die Eheschließung gekrönt wurde, indem man Braut und Bräutigam ins Brautgemach geleitete. Schon bei Isaak, unserem Stammvater, heißt es gelegentlich seiner Verehelichung rnit Rebekka (1. Buch Mose, Kap. 24, Vers 67): „Und Isaak brachte sie in das Zelt seiner Mutter Sarah, er nahm Rebekka und sie ward ihm zum Weibe und er liebte sie." Im Propheten Joel, Kap. 2, Vers 16 heißt es: „Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach," hier wird das Wort Brautgemach schon mit dem Worte „Chuppah" genannt. Im Psalm 19, der einen Beethoven zur Vertonung reizte, in jenem Uebersetzungswortlaut, der beginnt: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" wird im Satz 6 die Sonne verglichen mit einem Bräutigam, der aus seinem Brautgemache schreitet. Auch in der talmudischen Zeit war die Krönung der Eheschließung durch die Chuppah, das Brautgemach, üblich, wenn dieser Name auch nicht zu allen Zeiten dieselbe Sache bezeichnet (vergl. Babli, Tractat Kidduschim, Seite 26.) Das Brautgemach scheint in alter Zeit immer das Gemach des Bräutigams gewesen zu sein. Zog das junge Paar nach der Eheschließung in das Haus der Brauteltern, so konnte die Chuppah auch in "der zukünftigen Wohnung bereitet werden. Im Mittelalter vollzog sich eine Wandlung der alten Bräuche insofern, als — wie wir aus dem Sefer Maharil erfahren — die jungen Paare unter Beobachtung zahlreicher Formen in der Synagoge getraut wurden, um dann in festlichem Zuge nach Hause und in ein Gemach geleitet zu werden. (S. Sefer Maharil, Warschauer Ausgabe, Seite 64a ff.) Als Chuppah benützte man damals den Zipfel der Kapuze, welche der Bräutigam trug und welcher um die Braut geschlungen wurde. Maharil hat "allerdings bei der in Mainz erfolgten Trauung seiner Tochter das Ende des bräutlichen Schleiers als Chuppah über das Brautpaar gebreitet, wobei er sich auf eine alte, ihm überkommene Ueberlieferung berief. Tatsächlich wird das Bedecken der Brautleute mit einen Schleier und auch das Verhüllen mit einem Tallis schon im R o k e a ch (Rabbi Eleasar ben Jehuda aus Worms, gest. 1258) erwähnt. Von einer Chuppah, welche man in der Synagoge macht und in welcher die beiden Gruppen der Trauungssegensformeln gesprochen werden, ist die Rede im Schulchan aruch, Jore dea, 8 89t, 3. Man sieht aus diesen kurzen Andeutungen, wie weit der Weg der Entwicklung bis zu unserem heutigen symbolischen Chuppah-Baldachin und bis zur Trauung unter dem Tallis sich zog und man kann begreifen, daß in Tossafoth zum babylonischen Talmud, Sukka, Seite 25b, die Frage aufgeworfen wird, was man eigentlich unter Chuppah zu verstehen habe. An dieser genannten Stelle wird aber auch erwähnt, daß man die Trauungssegensformeln manchmal auf der Straße, im Freien zu sprechen pflegte, dann nämlich, wenn die Zahl der Gäste so groß war, daß sie im Hause nicht genügend Platz fanden. Da nun gerade die reichsten und vornehmsten Familien die größte Zahl von Gästen aufzuweisen hatten und infolgedessen die Trauurigen aus ihrem Fa-

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