Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 7 (7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9582242-9623184-9620444--0277-9620449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Unter Bezugnahme auf die im Mitteilungsblatt Nr. 6 bereits erfolgte Veröffentlichung erstattet der Verbandsvorsitzende den Kassenbericht. Namens der Revisoren bemerkt Herr Ferdinand Oppenh e i m e r , O b e r - I n g e l h e i m , daß die Gemeinden den Oberrat allzu häufig um Bewilligungen angehen. Die Rechnung sei geprüft und für richtig befunden worden; es gebühre dem Oberrat und dem Rechner Dank für die Geschäftsführung. Der Gemeindetag erteilt hierauf dem Oberrnt Entlastung. Als Revisoren werden die Herren Ferd. Oppenheimer und Bankdirektor Fritz Reis, Fiedberg wiedergewählt. Nach dem Dank des Oberratsmitglieds, Herrn Sarntätsrat Dr. NickeIsburg, Worms an den Vorsitzenden, dankt namens der Versammlung Herr Moritz B e r n e y , Mainz dem Oberratskollegium, dem Schriftleiter des Mitteilungsblattes, seinen sämtlichen Mitarbeitern, sowie dem Rechner und Sekretär. Es wird zur Beratung des Voranschlas für 1928 auf Grund des gedruckt vorliegenden Entwurfs des Verbandsvorsitzenden geschritten. In demselben wird um eine reichlichere und gewinnbringendere Zuführung von Insertionen für das Mitteilungsblatt ersucht, und die Umlegung eines Sonderbeitrages behufs Subventionierung von Ausbildungsstätten und B^ohlfahrtsstellen beantragt, neben dem die reguläre Umlage in der vorjährigen Höhe zur Erhebung kommen soll. An Sonderbeitrag soll erhoben werden: von Gemeinden, die mehr als 250 Seelen zählen, i0 Pfg. pro Kopf, von allen anderen Gemeinden 35 Pfg. pro Kopf. Mainz werde darüber hinaus seinen Beitrag für diese Sondxrzwecke in der seitherigen Höhe entrichten. Nach diesem Vorschlag seien aufzubringen von Gemeinden mit über 250 Seelen 6850 Mk., von Gemeinden uiiter 250 Seeleii 2460 Mk. Die Sumnie von 9300 Mk. beaiitrage er zu verteilen, wie folgt: 3 Rabbiner-Seminare je 500 RM. RM. 1500,— Lehrerseminare Köln, Würzburg und Präparandie Höchberg ' zus. RM. 1200,— Samsonschule Wolfenbüttel RM. 200,— Akademieverein, Ges. z. Förderung der Wissenschaft der Juden usw. zus. RM. 300,— Büro für Schächtangelegenheiten RM. 300,— Hilfskasse für Kantoren usw. RM. 200,— Sterbekasse des Hess. Landeslehrervereins RM. 100,— Zentralwohlfahrtsstellen: Zentralen in Frankfurt und Berlin zus. RM. 2500,— Arbeitersürsorgeamt, Berufsberatung, Berlin RM. 200,— D.J.G.-B. für geistig zurückgebliebene und schwer erziehbare Kinder zus. RM. 500,— Ahlemer Gartenbauschule RM. 300,— Nerven-, Blinden-, Taubstummenheime, wie Sahii, Jedide Jlmim u. Kinderheime, wie Dürrheim und Kissingen zus. RM. 1000,— Psychopathenheim Marburg RM. 300,— Achawah-Verein (Lehrerwitwen usw.) RM. 100,— Hilfsverein der deutschen Juden, Abwehrverein E.V. usw. " zus. RM. 300,— Jugendvereinsverbände in Hessen und im Reich zus. RM. 150,— Verein zur Förderung rit. Speisehäuser (Hamburg) RM. 150,— RM. 9300,— Der Vorsitzende bemerkt noch ausdrücklich, daß es jeder einzelnen Gemeinde überlassen bleibe, den Modus der Umlegung des Sonderbeitrags auf die einzelnen Mitglieder und die Art der Erhebung desselben durch Beschluß des örtlichen Gemeindevorstands selbst zu bestimmen. Im Anschluß hieran wird über die Verteilung der Lasten innerhalb der einzelnen Gemeinden und die möglichst gleichmäßige Verteilung der Aufwendungen des Verbands auf die einzelnen Verbandsgemeinden besprochen und darauf hingewiesen, daß eine Anzahl kleinerer Gemeinden kaum nennenswerte Lasten haben und die Aufstellung eines regulären Budgets unterlassen. Es kommt auch zur Sprache, daß in einzelnen Mittelgemeinden das Wohlfahrtswesen ausschließlich durch Vereine reguliert und das Gemeindebudget von ihnen nicht berührt werde. Endlich wird bemerkt, daß eine Neuregelung des Durchwandererunterstützungswesens von der Zentrale in Frankfurt a. M. geplant sei. Im Verlauf der Debatten, bei der sich Lehrer Stern, Alzey; Moritz Berney. Mainz; Rothschild, Friedberg; Kaufmann. Schotten; Dr. Stabst, Bad-Nauheim; Kommerzienrat Kronenberger,^Mainz; Siegfried Rosenthal. Oppenheim; Diplom-Handelslehrer ^-imon, Tarmstadl; Meyer, Wörrstadt; Steinberger, Alsfeld; Rabbiner Tr. Levi, Mainz und der Vorsitzende beteiligen, bemerkt der Herr Vorsitzende, daß beabsichtigt sei, die beantragten Subventionen eventuell durch Vermittlung der Reichsarbeitsgemeinschaft zur Auszahlung zu brngen. Der Entwurf des Voranschlags wird einstimmig zum Beschlüsse erhoben und gleichzeitig festgestellt, daß er mit Rückwirkung vom 1. April 1928 an in Wirksamkeit zu treten habe. Ter Vorsitzende dankt hierauf der Versammlung namens der hiermit bedachten Institutionen für die erfolgte Bewilligung. Bei der hiernach stattfindenden Wahl des Oberrats wird auf Vorschlag des Herrn Ferd. Oppenheimer, Ober-Ingelheim der Verbandsvorsitzende durch Akklamation unter Bravorufen wiedergewählt. Herr Kommerzienrat B. A. Mayer dankt für die ihm gewordene Anerkennung und verspricht im gleichen eimie weiter zu wirken. Nachdem die Wiederwahl des stellvertretenden Vorsitzenden, des Herrn Kommerzienrat Kronenberger, sich in gleicher Weise vollzogen hat, wird zur Wahl der Mitglieder des Kollegiums geschritten. Die seitherigen Mitglieder und Stellvertreter werden im allgemeinen en bloe wiedergewählt. Es treten jedoch folgende Veränderungen ein: Herr Julius Simon, Bingen erklärt, eine Wiederwahl nicht ynnehmen zu können, da er seinen Wohnsitz verlege. Es wird ihm für seine seitherige Tätigkeit gedankt und an seiner Stelle Herr Justizrat Dr. Marx, Bingen als Mitglied und Herr Oscar Mayer, Bingen als Stellvertreter gewählt. Herr Küchler, Alzey wird als Mitglied und^ als Vertreter Herr Rosenthal in Oppenheim gewählt. Da die Gemeinde Oppenhem mehr als 50 Sollsteuerzahler hat, kann Herr Rosenthal iiicht mehr als Vertreter einer Landgemeinde gelten. Als solcher wird Herr Jsaac Oppenheimer, Gau- Bickelheim und als sein Vertreter Herr Ferdinand Oppenheimer, Ober-Ingelheim gewählt. Nachdem Herr Oppenheimer, Ober-Ingelheim der Leit'ung gedankt, erklärt der Vorsitzende den geschäftlichen Teil der Verhandlungen geschloffen und erteilt Herrn Rabbiner Dr. Levi, Mainz das Wort zu einem Vortrag über alte jüdische Begräbnisplähe. Herrn Rabbiiter Tr. Levi erwähnt cinlcitcrtb auf den Tod und Begräbnisplätze bezügliche Stellen der heiligeit Schrift die verschiedene Art der Grabanlagen, die Literatur über die leichteren und schwereren Trauertage sowie über den Todestag, die Gestaltung der Grabkammern, den Stein über der Grabkammer, den vor dem Betreten des Begräbnisfeldes warnenden Stein (Zijuni, den dcr Persönlichkeit des Bestatteten geltenden Denkstein, und die Entwicklung in der Form der Grabinschriften. Redner berichtet über Friedhöfe in näherer und weiterer Umgebung, mahnt zur Pflege derselben und regt eine Sammlung der kulturhistorisch bedeutungsvollen Inschriften an. Der Vorsitzende dankt dem Redner für seine interessanten Ausführungen, die, wie er aus dem Beifall wahrgenommen habe, das Einverständnis der Versammlung gefunden haben und schließt gegen 17 Uhr den dritten Gemeindetag.