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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-06-01 · 6 (6.1928) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
6 (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Tns ^Hflcnbfurfjcim in Bad Friedrichroda (410 700 Meter Höhenlage, rituell geführt, ganzjährig geöffnet) dient erholungsbedürftigen Schwächlingen und Rekonvaleszenten als angenehmer Aufenthalt und verfolgt den Zweck, die das Heim Aufsuchendeu gekräftigt und vollständig erholt ihren Angehörigen wieder zuzuführen. — Zur Aufnahme gelangen Knaben im Alter van 10 Ins 14 Jahren, Mädchen von 10 Jahren iin Alter nach oben unbeschränkt. Ausgeschlossen von der Aufnahme ftnb mit ansteckenden Krankheiten Behaftete. — Unter fachkundiger Leitung kann folgender Sport ansgeübt ivcrdeit: Reiten, Schwimmen, Ritdertt, Tennis. Für Wintersport kommt in Betracht: Bobfahren, Rodeln, Ski. — Zur Unterhaltung: täglich Konzerte der Kurkapelle, Freilichtbühne, Kino usw. - - Auf Wunsch der Elterit ist den Schützlingen Gelegenheit geboten, Privatunterricht von geschulten Kräften zu erhalten. — Das aus 18 großen Zimmern, 0 verglasten und 3 offenen Veranden bestehende Haus liegt am Waldesrand, in sonniger, ruhiger Lage, vollständig staubfrei, kein Autoverkehr uud doch nur 3 Minuten von der Hauptstraße entfernt. Außer einem Vorgarten ist eine große, sonnige Liegetviese 1 Minute vom Hause. Die Einrichtung des Heimes ist einheitlich, tveiße Betten, fließendes Wasser, modern eingerichteter Baderaum, sämtliche medizinischen Bäder, natürliche Eisenmoorbäder, natürliche Jodsolbäder im Hause, allen hhaicnischcn Anforderungen entsprechend. W. C., elektr. Licht. Gas. Telephon. — Das Heim siebt unter meiner ständigen ärztlichen Leitung, mein Wohnsitz ist eben daselbst. Referenzen auf Wunsch! Leiterin und Besitzerin Dr. med. Kawalek-Cohn, prakt. Aerztin, Bad Friedrichroda (Thür. Walds. Die Kölner „Pressa", die von Mai bis Oktober stattfindet, hat der jüdischen Presse eine besondere Abteilung ciugeräumt. Sie ist in einem in Ausbau und Ausmaß geschmackvoll entworfenen Pavillon (Architekt Robert Stern, BDA., Köln) untergebracht. Die jüdische Presse in ihrer historischen Entwicklung und ihrer literarischen und soziologischen Gestaltung ergibt eine Kulturschau, wie sie bisher noch in keiner Ausstellung gezeigt wurde. Man kann die Anfänge der jüdischen Presse bis zur Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen und so wird auch den Andersgläubigen — besonders in der kulturhistorischen Schau — eine reiche und interessante Darstellung aus deni jüdischen Leben der Vergangenheit und Gegenwart erschlossen. Die große Mittel- und Ehrenhalle, die irr feierlich roten Tönen gehalten wird, erhält als Auftakt und Kern eine alte wertvolle Thora, die in einem Glassturz aufbewahrt wird und gleichzeitig als Bekrönung über einer flach liegenden Vitrine mit kostbaren Kultgegenständen ruht. Die Nischen zwischen den Säulen der Halle bergen Glaspulte mit historischem Material. Jüdische Embleme, nach alten Münzen angefertigt, schmücken die oberen Eckteile. In dem dein Eingang gegenüber liegenden Lesesaal liegen auf einem Mitteltisch die wichtigsten jüdischen Zeitungen und Zeitschriften zur Einsicht auf. In der linken Koje befindet sich die Ausstellung der Gegenwartspresse. In einer Sonderschau schließt sich die englisch- und französischjüdische Presse an; ihnen folgen die Presse von Amerika, Palästina und Polen usw. und in einer anderen Gruppe die moderne hebräische Presse. Als Spiegelbild und Boden der Schau des modernen Pressewesens ist in der rechten Koje die kulturhistorische Abteilung, die einen Ileberblick über die hebräische, die jiddische und die deutsch-jüdische und jüdisch-wissenschaftliche Presse der Vergangenheit bietet, eingerichtet. Alte Zeitungsköpfe und seltene Drucke, Jncunabeln, eine Auswahl bemerkenswerter Judenedikte und -Gesetze, Porträts berühmter Publizisten der Vergangenheit, vervollständigen die auserlesene Schau. Bücherschau. Zur rechten Zeit, vor dem Beginn eines neuen Schuljahres, hat der Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M., zwei Schulbücher erscheinen lassen, auf welche hier nachdrücklich hingewiesen werden soll: Abraham, Michael, Berlin: Für unsere Kinder, Neue hebräische Lesefibel, illustriert von Oscar Haberer, Berlin, Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1928, 39 Seiten, Preis gebunden RM. 1,60. Die Methode, die bei den Juden des Ostens schon seit Jahrzehnten angewendet wird, ist in den letzten Jahren auch in den hebräischen Unterricht der deutschen Juden eingezogcn. Durch shstematischen Aufbau wird dem Kinde der Lesestoff durch Anschauung beigebracht. Versuche dieser Art haben neue Lehrbücher in den letzten Jahren wiederholt gemacht. Ohne diesen früheren Versuchen den Wert absprechen zu wollen, sei gesagt, daß durch diese neue Abraham'sche Fibel und durch die Illustrationen Oscar Haberer's der rechte Weg gefunden scheint: Der gebrachte Lesestoff setzt sich nämlich völlig aus dem Anschauuugsvorstcllungskreis des Kindes zusammen, gibt Hinweise auf das Familienleben und Einleitung für die religiösen Bräuche des ganzen Jahres. So wird 10 die alte trockene didaktische Unterrichtsart überwunden und eine fesselnde Weise für den hebräischen Unterricht gefunden. Mail darf die Kinder beglückwünschen, die auf solchen Wegen in die hebräischen Anfangsgründe eingeführt werden. Höxter, Dr. Julius: Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur, 4. Teil. Europäische Länder in der Neuzeit. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt n. M., 1928, 169 Seiten, Preis gebunden RM. 1,80. Nun liegt auch der vierte Teil dieses Oucllenbuches zur jüdischen Geschichte und Literatur aus der bewährten Feder Dr. Julius Höxter's vor. Auf den Wert dieser neuen Veröffentlichung haben wir bereits gelegentlich der Besprechung der früheren Bände hingewiesen. Auch dieser Band, der vorzüglich ansgcstattet und in Leiilen dauerhaft gebunden ist, kostet nur RM. 1,80 und stellt schon in dieser Hinsicht cilie beachtenswerte Leistung dar. Aber auch der Jlihalt verdieilt ulleingeschräilkte Anerkennung: Die wesentlichen literarischen Texte, welche die neuzeitliche Geschichte der Juden der Türkei, in Holland, in Italien, in Polen und in Deutschlaild betreffen, sind lnit dem Blick des Kenners auszugsweise zusammcilgetragcn und gcwährell so eht lebendiges Bild des vielgestaltigen Lebens dieser jüdischen Zeitspanne. Den breitesteil Raum hat Höxter berechtigter Weise den Ouellcll über die Geschichte der deutsch eil Juden zugewiesen. Sa ist ein .Hilfsbuch entstanden, welches llicht llur die geschichtlichen Begebenheiten im Unterricht belebt, sondcril allch Ausgangspunkt für allregende in die neueste Zeit führende Aussprachen in höheren Klassen der Schulen sein wird. Höxter bat sich ein bleibendes Verdienst erworben, dein jüdischen Geschichtsunterricht ist ein wertvolles Hilfsrnittel gegeben, das wir nachdrücklich zur Allschaffung empfehlen. Riefiler, Paul: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel. Verlag Dr. Benno Filser GmbH., Augsburg, 1928, 1342 Seiten. Durch dieses Werk hat sich der Autor ein großes, blechendes Verdiellst erworben. In einem Bande, dessen Handlichkeit llur dadurch erreicht werden konllte, daß für die Drllcklegung feiilstes Bibel-Truckpapier verwendet wurde, ist das altjüdische Schrifttum, soweit es iil den Kanon der Bibel nichtausgenommen ist, in guter deutscher Uebersetzung zusammengetragen. Nur der Kenner wird es ermessen könllen, welche emsige sprachliche und exegetische Forschung der Uebersetzung voraugegangen sein muß. Nahezu 90 verschiedene Werke, die teilweise nur fragmentarisch erhalten l'.nd in verschiedenen Sprachen oder Sprachidiomen abgesaßt sind, wurden zusammengestellt. (Die Schriften des Flavius Josephus, des Philo und die Sprüche des Rabbi Eliezcr sind ihres Umfanges wegen nicht ausgenommen.) Nicht alle diese Teile entstammen dem Kreis des „jüdischen" Schrifttums; aber auch die unter Nr. 60 gebrachte, alis der Schule des Syrers Epbräm stammende „Schatzböble", welche mit dem Hinweis auf den Begründer des Christentums beginllt, bringt uns zahlreiche althebräische Sagen ulld Legenden. Einige Beanstandungen und Wünsche, die wir zunächst Vorbringen, sollen uns den Weg zur Anerkennung des Werkes frei nlachen: In den Erläuterungeil zu Nr. 67 „Zum Testament Jobs" ist in Zeile 2 ein sinnstörcnder Druckfehler auszumerzen (S. 1333),. Auf Seite 1330 Zeile 2 von unten wäre der jüdischen Vorschrift entsprechend statt „morgens und abends" richtiger „abends uild morgens" zu sagen. Für die Benützung des Werkes zu geschichtlichen, zur kulturhistorischen ulld speziell onomatologischen Studien wäre ein Namensregister außerordentlich dankenswert, wenll dies auch eine sehr zeitrauende Einzelarbeit erforderte. Das Werk gibt uns aber einen Einblick in die Geistesströmungen und Anschauungen der Juden in der Zeit um die Entstehung des Christentums. Viele der beigebrachten Schriften stützen sich sogar auf wesentlich ältere Quellen, geben Beiträge zu alter Bibelexegese ulld stellen vielfach älteste Bibelkommentare dar. Dem Verfasser gebührt Dank für seine Arbeit, dem Werke weite Verbreitung. Fischer, Ernst: Aus den Tagen unserer Ahnen, eine Urkundeusammlung in Privatbesitz als Quelle der Geschichts- und Familienaeschichtsforschung. Verlaa E. A. Fischer, Freiburg i. Br. 1928. 96 Seiten, Preis 3,60 RM. Der Verfasser hat nicht nur das Glück, eine wertvolle in Privatbesitz befiildliche Urkundensammluna zu veröffentlichen, er hat auch das „Geschick", sein Material in vorbildlicher Gründlichkeit und mit feinstem Verständnis zu bearbeiten. Zwar will er seine „Blätter .... in erster Liniefür den Familiengeschichtsforscher bestimmt" sehen, wie er in bescheidener Weise von seiner Arbeit saat; doch diese reichhaltige Materialsammlung, der sich ein vielseitiges Namenregister anschließt und die auch umfangreiches Illustrations-Material enthält, greift über das Gebiet der Familienforschung hinaus: Sie stellt im besten Sinne einen wertvollen Beitrag zur deutschen Heimatgeschichte dar. Verschiedene in dem Werke behandelte Persönlichkeiten sind auch für die Kenntnis der jüdischen Geschichte von Bedeutung. Auf der ersten der 16 Tafel-Abbildungen sind Siegel veröffentlicht.' wie des Elkau Moses Jud zum Vogelfang, Frankfurt a. M.. 1696 und Herz zum weißen Schwan. Frankfurt a. M., 1696 uud Jsak und Samuel Juden zur Glocke, Speyer 1694 uud S. Oppenheimer, Wien 1696, E. Oppenheimer, Wien 1696, die das vollste Interesse auch der jüdischen Fachgelehrten beanspruchen dürfen. Aus der Arbeit

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