Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-04-01 · 4 (4.1928) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
4 (4.1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9582242-9623184-9620407--0245-9620417
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Das wie immer vorzügliche Mahl, für das der Vorstand und dessen Frauen in liebevoller Weise besorgt gewesen waren, wurde gewürzt durch verschiedene Ansprachen. Herr Rabbiner Dr. Dienemann würdigte in Anlehnung an ein Midraschwort die Beöentuug des Abends und der Chewra Kadischa. Herr Naphtali Fromm, zunächst seiner Freude und Befriedigung über die gut nachbarlichen Beziehungen zwischen Frankfurt und Offenbach und die Wahrnehmung warm pulsierenden jüdischen Lebens in Ofsenbach Ausdruck gebend, feierte die weiblichen Mitglieder der Chewra Kadischa, die — gleich den Frauen im alten Israel bei der Errichtung des Heiligtums — in der Erfüllung der heiligen Pflicht des Gemiluth Chesed mit den Männern in einen edlen Wettstreit treten. Herr Grünewald beglückwünschte die Herren Theodor Fürth, Hermann Kaufmann, Carl Nathan Mayer, und Magnus Oppenheim zu ihrer 25jährigen Zugehörigkeit zur Chewra. Herr Gustav Gabriel dankte dem Vorstand für seine selbstlose, vorbildliche Leitung der Chewra Kadischa. Bis nach Mitternacht hielt diese Sudoh schel Mizwoh die Teilnehmer in heiter-feierlicher Stimmung zusammen. Offenbach. Am 4. April findet im Anschluß an den Frühgottesdienst im Kleinen Saal des Shnagogcngebäudes ein Sium statt. Offenbach. Zu einer wohlgelungenen Purimfeier rief der Jüdische Frauenverein Alt und Jung in die Festsüle desSynagogengebäudes. Vorstandsdamen verteilten unter die Kleinen Gebäck und Süßigkeiten, und eine Tombola spendete jedem eine kleine Ileberraschung. Herr Kantor Gottlieb ließ m emer geschickt zusammengestellten Revue unter dem Motto „Alles verkehrt" die Jugend in Spiel und Tanz aufmarjchiercn. Reicher Beifall lohnte die jugendlichen Akteure. Am 28. März 1928 entschlief nach kurzem Leiden Herr Lehrer NathckN Dnels im Alter von 85 Jahren. / Der Entschlafene wirkte in unserer Gemeinde 56 Jahre. Wir bedauern den Heimgang des Entschlafenen sehr und werden ihm stets ein tieues Angedenken bewahren. Grohkarben, den 28. März 1928. Isr. Religionsgemeinde. Verbände und Vereine. Tie 7. ordentliche Telegiertentagung des Verbandes der jnd. Jugendvereine Deutschlands findet am 27. und 28. Mai 1928 in Dresden statt. Das Thema der Tagung ist: „Unser Weg in die Wirklichkeit". In einem grundsätzlichen ersten Referat „Die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit" soll die Bedeutung der objektiven Erziehungswerte für die Persönlichkeitsbildung des Jugendlichen unserer Tage dargestellt werden. — Das zweite, aus zwei Teilen bestehende Referat wird sich ganz den Fragen praktischer Arbeit zuwcnden. Der erste Teil wird die Möglichkeit eines Mindesterziehungsprogramms für unsere Bünde zu überprüfen baben, während der zweite Teil die Ausgaben der Jugend in der Gemeindearbeit behandeln wird. Im Schlußreserat soll schließlich der Wille unseres Verbandes zu tätiger Mitarbeit an den allmenschlichen Problemen unserer Zeit in einem Weltbund der Jugend Ausdruck finden. Zur Vorbereitung der Tagung hat sich unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Paul Salinger, Dresden, ein Ehrenausschutz gebildet, dem außer einer Anzahl Persönlichkeiten aus Dresden noch folgende Herren und Damen angehören: Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin; Rabbiner Dr. Hugo Fuchs, Chemnitz; Josef Kahn, Chemnitz; Otto Schlesinger, Wilichthal bei Zschopau; Rabbiner Dr. Felix Goldmann, Leipzig; Frau Bettina Brenner, Leipzig; Rechtsanwalt Dr. Goldberg, Plauen und Herr S. Schocken, Zwickau. Alle Anfragen sind zu richten an den Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Düsseldorf, Heroldstraße 4, I., oder an den Arbeitsausschuß, z. Hd. von Frau Elsa Hirschel, Dresden, Wiener Straße 85. In Warschau hat sich eine Vereinigung „Agunoth" gebildet, die sich die Wahrnehmung der Interessen jüdischer Kriegerswitwen zur Aufgabe gesetzt hat. Es handelt sich darum, über den Verbleib der im Kriege vermißten Ehegatten dieser Witwen, die nach dem jüdischen Religionsgesetz nicht wieder heiraten dürfen, Nachforschungen anzustellen. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin N24, Oranienburger Sir. 29, errichtet daher eine Sammelstelle, die alle Mitteilungen über die im Deutschen Reiche verstorbenen jüdischen Kriegsgefangenen der alten russischen Armee zusammenstellt und der „Agunoth" zuleitet. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden bittet alle Synagogengemeindcn des Reiches, ihm möglichst eingehende Mitteilungen über die auf den Friedhöfen der Gefangenenlager oder der Gemeinden bestatteten russischen Kriegsgefangenen zukommen zu lassen. Es wird in jeden: Falle gebeten, soweit möglich, nicht nur die bürgerlichen, sondern auch die hebräischen Namen und Daten oder sonstigen Kennzeichen der Verstorbenen anzugeben. Vücherschau. Gerade noch zu rechter Zeit vor dem Pessachfeste ist die Offenbacher Haggadah (Verlag des Herausgebers Dr. Guggenheim, Ofsenbach a. M.) erschienen. Auf den Inhalt des künstlerisch ganz hervorragend ausgestatteten Werkes soll hier nicht näher eingegangen werden; er möge sich in seiner Tiefe und Eigenart dem Leser der Haggadah selbst erschließen. An dieser Stelle sei nur aus die Bedeutung der Ossenbacher Haggadah für Schule und Elternhaus hingewiesen. Die durch die neuere Psychologie gezeitigten Forschungsergebnisse begründen auch wissenschaftlich die bewährte Methode unserer Alten, dem Seelenleben des jüdischen Menschen schon in frühester Kindheit Eindrücke ethisch-religiöser Art einzuprägen, die, ins Unterbewußtsein gesenkt, dennoch die Wesensart der reifenden und reifen Persönlichkeit entscheidend beeinflussen, Hemmungen schaffen zur Abwehr des Schlechten und Antriebe zum sittlich-guten Handeln. Als solches Erziehungsmittel stand neben dem Freitagabend die Feier des Sederabends von jeher mit an erster Stelle. Es ist das große Verdienst des Herrn Dr. Guggenheim — und vor ihm des Herrn Rabbiners Dr. Seligmann, Frankfurt a. M., der die alte Haggadah neu bearbeitet hat — durch Herausgabe der Ossenbacher Haggadah ein Werk geschaffen zu haben, das geeignet ist, den tiefen Gehalt unseres Seders und seine erzieherische Auswertung auch den Kreisen wieder zu vermitteln, die zu der alten Haggadah und der nach ihr gestalteten Sederfeier ein inneres Verhältnis nicht mehr finden könnten. Altes und Neues ist in diesem Buche in geistvoller Art innig mit einander verschmolzen, sich als eine reiche Fundgrube all denen darbietend, die unseren altehrwürdigen Seder vertiefen, den Ewigkeitswert unserer Thora dem Heranwachsenden Geschlecht verlebendigen und der Forderung der Haggadah „w'chol hamarbeb l'sapper bizias mizrajim hare seh m'schuboch" entsprechenden sttllich-religiösen Ideengehalt des Sederabends ausschöpfen wollen. Möge nach dem Wunsch des Herausgebers die Ossenbacher Haggadah dazu beitragen — und diese selcht ist hierfür die beste Einleitung — „durch weihevolle Feier des Sederabends etwas von den Seelenschätzen des Judentums lebendig zu machen, an die Demut und Stolz unseres Glaubens zu rühren." Das wird der schönste Lohn sein für die große Mühe und Arbeit, die Herr Dr. Guggenheim auf sein Werk verwandt, und für die recht erheblichen finanziellen Opfer, die er ihm gebracht hat. vst. Privatkiinik für Chirurgie und Frauenkrankheiten von Dr. Rosenthal, Darmstadt, Eschollbriickerstr. lei. 580. Aufnahme finden Männer, Frauen u. Kinder mit chirurg. Krankheiten sowie Frauen mit Frauenkrankheiten 11. zur Entbindung. Für jüdische Patienten streng koschere Küche. 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.