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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-12-01 · 12 (12.1927) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
12 (12.1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Lucca in Italien toCQcn seiner Verdienste uut den Kaiser Otto II. nach Mainz verpflanzt und mit Privilegien ausgestattet worden. Die Kalonymiden waren über 300 Jahre in Mainz, das ihnen eine liebe Heimat gewesen war. Ueber Mainz und seine Kunst zur Zeit Maharils berichtet ^rr...~r* u 1 d). Als der große jüdische Gelehrte in der erzbischöflichen Stadt lebte, war er Zeuge jener Entwickelung, die nrit dem ausgehenden fünfzehnten Jahrhundert sich offenbarte, des Uebergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. Für die Juden sollte allerdings das Mittelalter beinahe noch drei Jahrhunderte dauern. Einige interessante Aktenstücke aus der Franzosenzeit, aus den Jahren 1800 und 1811 gibt Herr D r. Diepenbach. Einen jüdischen Arzt in Mainz zur Kursürstenzeit, Tr. Josef Hamburg, der sich als einer der Ersten dem Studium der Medizin widmete, das er mit Auszeichnung absolvierte, zeigt uns ein Nachkomme desselben. Einer seiner Söhne, Markus Hamburg, übte gleich dem Vater, den ärztlichen Beruf in Mainz aus. Dieter war mit einer Tochter des Bankier Isaak Fulda vermahlt. _ Von der Judengasse im alten Mainz berichtet Herr P rose s s o r N e e b : „Unserer heutigen Wohnkultur, unseren heutigen hochgesteigerten Ansprüchen an Luft und Licht mögen allerdings diese Wohnraume nicht mehr so ganz entsprechen, ja selbst für die zur Zeit ihrer Entstehung waltenden Verhältnisse könnten sie in dieser Hinsicht als schon recht dürftig betrachtet werden. Aber bei aller Not und Bedrückung fanden ihre Bewohner dort iin stillen Herde in einem glück- Tie israelitische Gemeinde Mainz in der Neuzeit auf^ Grund von Gemeindeakten schildert der langjährige erfahrene Sekretär und Rechner der Gemeinde, Herr Siegfried Fraenkel. Wir erfahren daraus, daß schon 1808 zwei jüdische Bürger Mitglieder des Stadtrates waren. Einen äußerst belehrenden und genußreichen Gang durch das Museum jüdischer Altertümer unternimmt Herr D r. Peter M e tz. Das Verdienst für die ausgezeichnete Anordnung des Museums gebührt in erster Linie Herrn Dr. jur. Karl Ladenburg, der sich ehrenamtlich dieser so überaus dankenswerten und erfolgreick)en Arbeit unterzog. Ein Besuch des reichhaltigen Museums mit wertvollen Kunstgegenständen kann trotz der Kürze seines Bestehens aufs wärmste empfohlen werden. Herr D r. L a d e ll b u r g bat auch ein Begleitwort zu den vielen den Text erläuternden Abbildungen gegeben. Das Judenviertel in Mainz um das Jahr 1860 schildert der den Mainzern wohlbekannte, treffliche Karnevalsredner Herr S Fridberg. Alle die bekannten Originale und Bewohner der Gasse treten vor uns auf; die jüdischen Bewohner waren in der Mehrzahl kleine Handelsleute, auch waren die Handwerker aller Art vertreten. Das Schneiderhandwerk dürfte wohl nicht so ergiebig gewesen sein, da sich ein Rock häufig innerhalb dreier Generationen vererbte. Eines Mannes wird am Schluß besonders gedacht, des berühmten Ludwig Bamberger, Sproß einer Bankierfamilie, der im deutschen Vaterland und weit darüber hinaus als Parlamentarier bekannt war und von seiner Vaterstadt als Abgesandter in das Zoll- Parlament und in den Reichstag entsandt wurde. Sein besonderes Verdienst war die Einführung der neuen Währuiig nach dem Krieg von 1870/71. Damit auch der Humor zu seinem Rechte kommt, denn gleich dem Rheinländer hatte auch der Jude von Alters her Sinn und Verständnis dafür und konnte auch unter Tränen lächeln, bringt ein alter Mainzer Originale und Redensarten in der Mainzer Judengasse in liebe Erinnerung. Feine Bemerkungen zur Liturgie, besondere Mainzer Shnagogengebräuche und alte Mainzer Synagogengesänge bringen die Herren Oberkantoren Jonas und Oppenheimer. Zum Schluß bringt Herr D r. R u p p e l, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs „Judaica im Stadtarchiv und der Stadtbibliothek", die zu der Kölner Jahrtausend-Ausstellung geschickt worden waren, aber dortselbst wegen Platzmangels keine Verwendung finden konnten. Was der kenntnisreiche und unermüdliche Oberbibliothekar Professor D r. Heidenheim er in wocheiilanger Arbeit zusaniinengestellt hatte, ist hier in 66 Nummern verzeichnet. Das reiche archivale Material, das zum Teu. rioch nicht bearbeitet ist, dürfte manchem Gelehrten noch Stoff zur Veröffentlichung bieten. Wegen der kulturgeschichtlichen Zusammenhänge verdient das Heft auch in nichtjüdischen Kreisen bckanntgegeben und zur Anschaffung und Einsichtnahme einpfohleii zu werden. Es ist besonders anerkennenswert, daß sich auch eine Reche von mchtjüdischen Gelehrten aus Mainz mit wertvollen Beitragen beteiligt hat. „Wohl dem. der seiner Väter gedenkt." E. weltabge)chlossenen Heime und am eigei lichen Familienleben Ruhe und Frieden Vücherschau. Kritische Reise durch Palästina, von Dr. Alfred Wiener. Philo- Verlag, Berlin 1927. Preis brosch. 2.40 M., geb. 3.40 M. Das unter der Schriftensammlung „Jüdische Siedlung und Wirtschaft" erschienene Werk behandelt in kritischer Beleuchtung neben den Fragen, die sich mit den verschiedenen Organisationen des Palästinaaufbaues, der Gliederung der Gesamtbevölkerung und der Größe des jüdischen und nichtjüdischen Bodenbesitzes befassen, im besonderen Reiseeindrücke, die unter dem Gesichtspunkt: Ehaluz und Kwuzah, Zerrissenheit der jüdischen Bevölkerung, die arabische Frage, Tel Aviv, u. a. m. zusammengefaßt sind, Dr. Wiener ist Nichtzionist und hat als solcher die Probleme der Palästinabesiedlung aus seiner Einstellung heraus beurteilt. Daher werden seine Ausführungen ganz gewiß nicht in vollem Umfange die zionistische Zustimmung sinden. Gleichwohl verdient sein Buck) die e r n st e st e und a u f m e r k s a m st e Beachtung aller jüdisch-politisch interessierten Kreise. I. Ter Verhandlungsbericht der Mitgliederversammlung des Bundes der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands, die am 3. Juli 1927 in Köln a. Rh. stattfand, ist jetzt im Druck erschienen. Außer dem Jahresbericht werden die 4 Referate zu dem Thema: „Wie werden Pfleglinge ritueller Anstalten nahrhaft, abwechslungsreich und dabei sparsam ernährt?" im Wortlaut veröffentlicht. Sowohl für alle jüdischen Anstalten als auch für eine große Reihe interessierter Persönlichkeiten, vor allem der Aerzte, Seelsorger, Anstalts- und Wohlfahrtsbeamte, und für jüdische Organisationen, dürften die Ausführungen der Herren: Geheimrat Dr. Strauß-Berlin über „Die Ernährung in den Krankenhäusern", Dr. Freimann-Frankfurt über „Die Ernährung in den Altersheimen", Dr. Stahl-Berlin über „Die Ernährung in den Kinderanstalten" und des Fräulein Laqueur-Frankfurt über „Tie Belieferung mit Lebensmitteln und Küchenführung in den Anstalten", von größtem Interesse sein und viele Anregungen vermitteln. Die kleine 47 Seiten umfassende Broschüre kostet 1.— Jl und ist zu beziehen durch die Geschäftsstelle des Bundes der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands, Berlin, Oranienburgerstratze 13—14. Neue Bilderbibel. Unser engerer Landsmann, der in Jugenheim a. d. B. wohnende Daniel Greiner, hat seinen früheren Veröffentlichungen einen 2. Band Illustrationen zur biblischen Geschichte unter dem Titel „Die Erzväter" folgen lasten. Dieses Künstlerwerk enthält auf 64 Seiten Darstellungen der Patriarchenzeit. Mit kräftigen Strichen und scharfen Zügen weiß der Künstler Situationen und Persönlichkeiten dieses alttestamentarischen Zeitabschnittes charakteristisch und darum eindrucksvoll zu zeichnen. Diese wuchtigen Holzschnitte sind immer und immer wieder die treffendsten Bildwiedergaben jener alten und starken, schlichten biblischen Begebenheiten. Der Künstler hat sich in Stoff und Geist des biblischen Lebens tief eingefühlt und prägt es in eigener Art in seine Kunst um. Er hat sich mit diesem 2. Band, welchem ein erster über Schöpfungstage, Adam und Eva, Urgeschichte vorangegangen war, ein neues Verdienst erworben. Diese Bände der neuen Bilderbibel sind beim Felsberg-Verlag in Jugenheim a. d. B. erhältlich. Die Bände sind in drei Ausgaben von je 5 Jl, 6 Jl, oder 8 Jl käuflich, wenn sie subskribiert werden, während sie im späteren Buchhandel 6 Jl, 8 Jl, oder 15 Jl kosten. Wir köwnen die genannten Werke, auch zu Geschenkzwecken für die reifere Jugend, empfehlen. Pallivre, Aimv: „Das unbekannte Heiligtum". Verlag Heinebund 1927. Aus dem französischen von Z. Holm, vom Verfasser autorisiert und durchgesehen. Wir haben dieses Werk, welches in der Veröffentlichungsreihe des Heinebundes*) erschienen'ist, in der Novembernummer bereits kurz erwähnt. „Es ist — wie Leo Baeck in seinem Vorwort zu diesem Werke richtig sagt — das Buck) von einer Bekehrung zum Judentum oder richtiger von einer Entwicklung zum Judentum hin". Als solches ist es ein sehr interessantes Gegenstück zu jenen Veröffentlichungen der Nahida Remy. später Nahida Ruth Lazarus: „Das jüdische Haus" und „Das jüdische Weib". Beide Autoren kommen vom Christentum her zum Judentum. Während aber Nahida Remy von der Peripherie des Lebens her zu dem umgrenzten Mittelpunkt des jüdischen Hauses und des Familienlebens vordringt, geht Paktiere vom Mittelpunkte jüdischen Lebens aus und weitet unter geistiger Führung seines Lehrers Elia Benamozegh, des Livornoer Rabbiners, die Lehre des Judentums zu einem „kosmischen Prinzip". Paktiere wird durch Erkenntnisse und Erlebnisse derart von der Weltsendung des Judentums er- *) Der Heinebund, Eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 9, Linkstraße 39, (Mitgliedsbeitrag für die vier Jahres (Pflicht)- bände: bei jährlicher Vorauszahlung 14 RM., (Ausland 15.40 RM.), bei vierteljährlicher Zahlung 3.75 RM., ^Ausland 4.10 RM.Ü Ausführliche Prospekte auf Wunsch. 9

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