Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-12-01 · 12 (12.1927) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
12 (12.1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9582242-9623183-9620365--0194-9620367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Auge gefaßt, dem Hessen- und hessen-nassauischen Landesverband zu Lasten der diesseitigen größeren Verbandsgemeinden auf den Kopf der Steuerzahler berechnet pro 1928 1 dl Zuschuß zu zahlen, sofern die größeren preußischen Gemeinden des Distrikts eine gleiche Subvention bewilligen werden. Ueber das Gesuch der Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge und über das des DIGB. für seine Wohlfahrtsanstalten soll erst bei Beratung über die Höhe der für 1928 zu bewilligenden Beiträge, die vor dem 1. April stattfinden wird, Beschluß gefaßt werden. 10. Aus Antrag des Herrn Dr. Guggenheim werden die Gemeinden Offenbach und Mainz und die Gemeinde Darmstadt gebeten, je 100 dl bzw. 50 dl als Zuschuß zu einer jüdischen Abteilung der Osfenbacher Kunstgewerbeschule zu bewilligen. 11. Von bereits zugestandenen Beitragsermäßigungen wird Kenntnis genommen und der Verbandsvorfitzende bevollmächtigt, in Einzelfällen Herabsetzung des Verbandsbeitrags zu bewilligen. 12. Die Beratung über die Subventionsgesuche der Gemeinden Groß-Steinheim, Rimbach und Himbach wird zurückgestellt bis die Vorstände nähere Auskünfte über die Budgetverhältnisie erteilt haben werden. 13. Von einer Korrespondenz mit der Gemeinde Lollar wird Kenntnis genommen. 14. Ein Schreiben, wonach auf dem dem Fürsten Hsenburg-Wächtersbach gehörigen jüdischen Friedhofe auf der Ronneburg dem Landesverband ein Servitut eingeräumt werden kann, wird dem Kollegium unterbreitet. Es wird beschlosien, das Angebot unter dem Ausdruck des Dankes anzunehmen und Herr Rothenberger gebeten, die Eintragung in das Grundbuch auf den Namen des Landesverbands zu bewirken. Herr Rothenberger wird bevollmächtigt, den Wortlaut der- Eintragung mit dem Verbandsvorsitzenden und Herrn Dr. Levi gemeinsam sestzusetzen und dem Eigentümer des Friedhofs in Vorschlag zu bringen. Die Kosten der Eintragung werden aus den Verband übernommen. 15. Herr Rosenthal berichtet, daß auf einem Acker in Lörzweiler sich zwei jüdische Grabstätten befinden; er wird für Einzäunung sorgen und über das weitere berichten. 16. Ein Gesuch auf Uebernahme der Besoldung eines Bezirksfchochets soll für den Rest des Rechnungsjahres abschlägig beschieden werden. — Eine Neueinteilung der Bezirke der Wanderlehrer ist für den 1. April 1928 beabsichtigt. 17. Bewilligt werden für Religionsunterricht 375 dl und als Stipendium für einen Lehramtskandidaten 50^p.a. 18. Ein erneutes Gesuch des Herrn Oppenheimer-Gau- Bickelheim, um einen Lehrer für Wallertheim wird zur Kenntnis genommen. 19. Es wird beschlossen, einen Wanderlehrer bei der Hess. Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte zu versichern und eine Gemeinde anzuhalten, die Kosten der vom Verband zu leistenden reichsgesehlichen Kranken- und Anaestelltenversicherung für Lehrer vereinbarungsgemäß zu bestreiten. 20. Für einen Lehrer, dem für Unterricht das monatliche Honorar von 80 dl bis auf Widerruf weiter gezahlt werden soll, liege nach Bericht des Herrn Simon eine Versicherungspslicht nicht vor; seine Tätigkeit für den Verband sei ein Nebenerwerb. 21. Ein von dem Lehrerverbandsvorsitzenden zugeleitetes Darlehnsgesuch eines Lehrers wird zunächst dem Schulausschuß überwiesen. 22. HerrKahn ersucht, unterHinweis auf den bayrischen Verband, um Erlaß eines Beamtenrechts. 2 Die unvergängliche Bedeutung der Makkabäerkämpfe, insbesondere für unsere Jugend. Von S. Eschelbach er, Mainz. Das Chanukkahsest läßt uns in dankbarer Erinnerung jener großen Zeit gedenken, da unsere Väter begeistert und heldenmütig sich erhoben gegen ' heidnische Gewalthaber und in siegreichem Kampfe die Freiheit ihres Glaubens sich erstritten. Es sind Gestalten, unzäbligemal geschildert, Vorgänge, jedem jüdischen Kinde vertraut, die in diesen Tagen uns wieder vor die Seele treten. Da ist der finstere. Tyrann Antiochus Epiphanes, der die Söhne Israels zu willenlosen Sklaven machen wollte dadurch, daß er die Axt legte an ihre Religion und diese an der Wurzel auszurotten suchte. Wir wissen, wie er die heiligen Schriften zu vernichten trachtete, jede Ausübung einer religiösen Handlung strengstens untersagte, gottesdienstliche Versammlungen, gemeinsame Gebete, die Heiligung des Sabbats, die Aufnahme der Knäblein in den Bund Abrahams mit dem Tode bestrafte, wie er zugleich die Bekenner des Einig-Einzigen zwingen wollte, alle schamlosen Gebräuche des Götzendienstes zu beobachten. Wir wissen, wie der Tyrann mit Feuer und Schwert wütete, um seinen Willen durchzusetzcn, aber wir erkennen auch die Erhebung des G e i st e s, an dem der Zorn des heidnischen Königs ohnmächtig sich brach. Aber wie in einer den ganzen Körper zu zerstören drohenden Krankheit plötzlich ein Lebenssunke wieder sich wunderbar entwickelt, die erdrückten Lebenskräfte von neuem anfacht und gewaltsam die zerstörenden Geister hinausdrängt, bis der Leib in froherer und dauernder Kraft seine Tätigkeit wieder beginnt, so keimte auch hier in dem fast ausgelösten Volke noch ein fcamc von festerer Natur, der mitten unter den Stürmen einhertrieb und alles von neuem vereinte. In Modin wars, wo zuerst ein Priester und Held die Anmaßung des syrischen Gewaltherrn mit dem Schwerte in der Hand zurückwies; in Modin flammte das Feuer der Begeisterung auf und entfachte bald das ganze Land zur hellen Lohe. Man scharte sich um die Makkabäerfahne, um die alte Losung: Wer ist wie Du unter den Mächten! Ewiger! Todesmutig stritt das kleine Häuflein gegen die Heeresmassen, die der Kön'g entsandte, in kühnem Kampfe gewann man Schlacht um Schlacht. Nach Ijährigem heißen Ringen konnten die tapferen Krieger wieder in Jerusalem einziehen und den Tempel reinigen von Götzendienst und Heidentum. Eine achttägige Feier krönte das herrliche Werk, das Juda und seine Brüder vollbracht hatten. Das Fest der Tempelweihe; es wurde von da ab gefeiert von Geschlecht zu Geschlecht als ein Fest der Freiheit und des Heils, ein Fest des Trostes und der Erhebung. Ja, es ist ein Fest der Glaubensfreiheit, das wir in diesen Tagen begehen, ein Fest der Geistes- und Gewissensfreiheit! Denn nicht der Heldenmut der Makkabäer ist es allein, der uns heute noch erhebt und froh macht, nicht der glänzende Wasfensieg, ja nicht einmal die glänzende Abwersung des fremden Joches und die Wiederaufrichtung der staatlichen Selbständigkeit. Wohl haben die Makkabäer gestritten wie die Löwen, wohl haben sie gezeigt, daß sie trotz 'jahrhundertelanger Fremdherrschaft für die heilige Sache das Schwert zu führen verstanden, aber wir wissen es heute, „nicht durch Stärke sieget der Mann", nicht durch Wafsensiege groß zu werden war die Aufgabe der Glaubensstarken. Wohl machten die Makkabäerkämpfe das Land unserer Väter wieder vollständig frei, es gab sogar von neuem unabhängige Könige in Israel, aber die Geschichte lehrt uns, das war von kurzer Dauer. Bald rieb sich das Königsgeschleckt im Bruderzwist auf, und Rom kam und legte seine eiserne Faust auf Juda und Jerusalem; der Tempel sank in Trümmer und Israel trat seine mühselige Wanderung an durch die Jahrhunderte der Verfolgung und Verhetzung. Die unvergängliche Bedeutung der Makkabäerkämpfe aber liegt einmal darin, daß sie den g e f ä h r l i ch st e n Feind, der den Juden je entgegen getreten ist, dauernd abwiesen, dann aber darin daß sie Israel für alle Zeiten stark gemacht haben gegen Unterdrückung und Gewalt, wie gegen Lockung und Verführung. Der gefährlichste Feind wurde damals zurückgewiescn. Das war iiicht sowohl Antiochus mit seinen blutigen Scharen, als vielmehr das Heidentum in seiner verführerischen G e - st a l t, das feine, gebildete, aber lockere und unsittliche Griechentum Durch den Siegeszug Alexanders strömte alles, was Griechenland besaß an Wissen und Bildung nach dem Orient, und bereitwillig unterwarfen sich die asiatischen Barbaren dem überlegenen griechischen Wesen. Das Leben an den Höfen und in den Städten nahm einen Glanz an, wie man ihn vorher nie gekannt hatte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.