Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 11 (11.1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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eigenen Angestellten nach Möglichkeit tarifmäßig zu besolden und bei Eingehung von Verträgen auf die religiöse Einstellung der Gemeinden Rücksicht zu nehmen. Herr Oppenheimer, Gau-Bickelheim wünscht die Anstellung eines Lehrers in Wallertheim und stellt zu diesem Zwecke Dienstwohnung und 1000 dl p. a. namens der Gemeinde Wallertheim zur Verfügung. Nach eingehender Aussprache wird ein Antrag Dr. Goldschmidt: „Der Oberrat billigt die von dem Herrn Referenten des Schulausschusses vorgetragenen Grundsätze und verweist die Sonderfälle zur Behandlung an den Schulausschusz mit dem Aufträge zur Berichterstattung in der nächsten Sitzung des Oberrats" angenommen und damit die Debatte geschlossen. Lieber das Subventionsgesuch einer Gemeinde soll in der Sitzung am 11. Dezember d. I. beraten werden. Es wird beschlossen, als Verbandsbeitrag und Umlage pro 1927 insgesamt 5 Prozent des Steuersolls zu erheben. Die Verbandsgemeinden sollen gebeten werden, die dem Verband an ihrem Platze erwachsenden Bestellgelder zu erstatten. Es wird eine Propagandakommission für Starkenburg gebildet und in dieselbe gewählt: Herren Dr. Goldschmidt, Worms, Hirsch, Kommerzienrat Kronenberger, Isaak Oppenheimer, Rabbiner Dr. Levi und Lehrer Simon. Die größeren Gemeinden des Landes sollen ersucht werden, ihre Beiträge an Seminare und sonstige Anstalten usw. durch unseren Landesverband zur Auszahlung bringen zu lasten. Für Ahlem werden 300 dl bewilligt. Auf Grund eines Berichtes des Herrn Dr. Levi werden als Garantiefonds für eine historische Zeitschrift der süddeutschen Verbände 1000 dl bereitgestellt. Herr Rabbiner Dr. Levi wird in die Redaktion dieser Zeitschrift delegiert. Abgelehnt werden: Beitrag zur Synagogenrenovation in Flonheim und Zuschuß zu Druckkosten der Gemeinde, bzw. des Lehrers zu Viernheim. Verschiedene Berichte betr. Erhaltung alter Friedhöfe werden zur Kenntnis genommen. Herr Rabbiner Dr. Sander übernimmt es, wegen des Erwerbs eines alten Friedhofs Verhandlungen anzubahnen. Es wird beschlossen, alle Verbandsgemeinden um Mitteilung der ihnen bekannten Friedhöfe zu ersuchen. Einem schriftlich eingelaufenen Vorschlag, den Verbandstag jährlich auf zwei Tage anzuberaumen, soll nicht entsprochen werden. Herr Rabbiner Dr. Levi regt an, demnächst auf einem Gemeindetag alte Friedhöfe im Lichtbilde vorzuführen. Herr Kommerzienrat Kronenberger empfiehlt, jüdische Altertümer zu sammeln. Herr Benjamin berichtet über die Sammlung jüdischer Altertümer in Darmstadt. Nach dem Dank des Vorsitzenden für das lange Ausbarren der Anwesenden, dankt Herr Oppenheimer dem Vorsitzenden und der Gemeinde Mainz. Bericht über die Generalversammlung des isr. Landeslehrervereins am 11. und 12. September 1927 in Mainz. 1. Geschäftsbericht erstattet von dem Vereinsvorsitzenden Lehrer Kahn, Alsfeld. Der Bericht, den ich Ihnen heute im Aufträge des Vorstandes vorzutragen habe, erstreckt sich auf das 2. Geschäftsjahr unseres noch jungen Landeslehrervereins. In unserer letzten Generalversammlung, die am 31. Oktober vorigen Jahres, also vor zirka elf Monaten in Frankfurt a. M. stattfand, wurde Ihnen Rechenschaft 'abgelegt über die Tätigkeit Ihres Vorstandes innerhalb des damals 2 neu gegründeten Landesverbandes, sowie über seine Politik und Stellungnahme, die wir als Lehrer zu allen prägen des öffentlichen jüdischen Lebens einzunehmcn haben. Sie haben damals durch Ihr eiiistimmigcs Votum sich zu dieser Politik bekannt und besonders die Tätigkeit, die Ihre vier Vertreter innerhalb des Landesverbandes entfalteten, gebilligt. Wenn ich nun daran gehe, »chnen den Jahresbericht dieser elf Moiiate vorzutragen, so kann id) eingangs dieses Berichtes die Feststelliing machen, das; wir dieselben Wege, die Sie damals mit uiis als die richtigen erkannten, weitergegangcn sind, und daß die Ereignisse des abgelauscncn Jahres uns die Bürgschaft gaben, daß wir Lehrer den richtigen Weg beschritten haben, den Weg. der als-Ziel die soziale und rechtliche Hebung der jüdischen Lehrerschaft ins Auge gefaßt hat. Gewiß, das Ziel, das uns als Ideal vorschwebt, ist noch iiicht erreicht. Sie wissen, daß ich vor -einem Jahre vor allzu großcin Optimismus gewarnt habe, auch das kommende Jahr wird noch nicht alle Hoffnungen erfüllen; allein wir dürfen heute ohne Ueberhcbung feststellcn, daß wenigstens auch hier in Hessen der Anfang gemacht wurde", die jüdischen Lehrer aus einem uiierträglichen Zustand zu befreien und wir dürfen weiter heute bekennen, daß im abgelaufenen Jahre ein gut Stück Arbeit von uns geleistet wurde und daß das Ziel, dem wir zustreben, doch nicht mehr in unerreichbarer Ferne liegt Ein großer Teil unsere^ Tätigkeit für den Verein und für einzelne Mitglieder unseres Standes spielt sich vor aller Oeffentlichkeit ab. Das Mitteilungsblatt des Landesverbandes gab Ihnen in regelmäßigen Zeitläufen Kenntnis davon, was wir getan und geleistet haben. Ich kann deshalb heute davon absehcn, Ihnen dies noch einmal in aller Weite und Ausführlichkeit vorzutragen. Doch gestatten Sie mir, Ihnen wenigstens in einigen großen Zügen eine Aufstellung zu geben, von dem, was erreicht und für die Zukunft bereits sicher gestellt werden konnte. Seit unserer letzten Jahresversammlung nahmen Ihre Vertreter an 3 Sitzungen des Oberrates, an 3 Sitzungen des Schulausschusses und an dem Gemeindetag am 19. Juni d. I. teil und in allen diesen Zusammenkünften sind wir mit Wort und^Tat aufgetreten unserem Stand zu nützen und ihm diejenige Stellung zu verschaffen, die ihm aus Grund seiner Vorbildung und Wichtigkeit zukommt. Und wenn manche Erfolge zu verzeichnen sind, so haben wir das der verständnisvollen Bereitwilligkeit des Oberrates zu danken. Fast 7000 Jl, beinahe die Hälfte des Etats des Landesverbandes, wurden im abgelaufencn Geschäftsjahr an schlecht bezahlte Kollegen als Beihilfe .und Aufbesserung ihrer Gehälter verteilt. Diese Summe ist angesichts der Notlage so vieler unserer Kollegen gewiß nicht imstande gewesen, eine durchgreifende Hilfe zu bringen; aber es wurde doch erreicht, da der Kreis der unterstützten Kollegen ziemlich eng gezogen wurde, daß in manchen Fällen Beihilfen bis zu 500 Jl geleistet wurden. Im kommenden Jahre ist mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß die zu verteilende Summe bedeutend höher sein wird und es werden dann auch die einzelnen Gehaltsbeihilfen, wie der Kreis der zu Unterstützenden, weiter gezogen werden können. Wir dürfen also die sichere Hoffnung hegen, daß auch hier in Hessen in nicht allzu ferner Zeit jeder jüdische Lehrer in Gruppe 7 der Besoldungsordnung eingereiht wird. Es ist dies das Ziel des Verbandes und der 1. Vorsitzende desselben, Herr Kommerzienrat Mayer, hat auf dem letzten Gemeindetag sich zu dieser Forderung öffentlich bekannt, dabei aber seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß durch die Finanzverhältnisse des 1. Jahres und vor allen Dingen durch das Fehlen des Staatszuschusses sich bisher die Eingruppierung noch nicht erreichen ließ. Wir freuen uns über dieses offene Wort des Landesverbandsvorsitzenden und danken ihm nochmals an dieser Stelle dafür; wir inüssen aber auch das Verständnis dafür aufbringen, daß sich tatsächlich bis jetzt und auch im kommenden Jahre und vielleicht auch noch im übernächsten Jahre diese Zusage noch nicht realisieren läßt. Solange uns noch der Staatszuschuß fehlt und solange der Verband nicht eine stärkere finanzielle Grundlage aufweist, ist an eine Verwirklichung dieser Zusage nicht zu denken. Das ist aber nicht die Schuld des Verbandes und seines Oberrats, das liegt an den ganz eigenartig gelagerten hessischen Verhältnissen. Es darf an dieser Stelle gesagt werden, daß bei unseren Großgemeinden, die ja alle dem Verband angehören, der ernstliche Wille vorhanden ist, Opfer für den Verband zu bringen. Allein bei den Kleingemeinden, deren große Zahl ja leider in Hessen von ausschlaggebender Bedeutung ist, fehlt im großen ganzen noch jedes Verständnis dafür, daß man, wenn man empfangen will, zunächst auch einmal geben muß. Der Landmann muß auch erst säen und kann dann ein Vielfältiges des Saatgutes einernten. Die Landgemeinden erwarten vom Verband alles; aber große Opfer wollen sie für ihn nicht bringen. Es ist aber zu hoffen, daß dank der Aufklärungsarbeit des Mitteilungsblattes, mit den Jahren sich auch in unseren Kleingemeinden die Erkenntnis durchsetzt, daß nur durch den Verband und durch opferwillige Mitarbeit im Verband jene unwürdigen Zustände in Hessen beseitigt werden und damit eine Hebung unseres religiösen Lebens erreicht wird. Solange diese Erkenntnis nicht zum Gemeingut des hessischen Juden-