Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 9 (9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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k seplemberw? i ^£:;^-sVy2 Jaf)rg., |flr.9 3£jN mm des Landesverbandes der israelitischen llleligionsgemeinden Hessens ' "" - Dieses Statt erscheint monatlich und geht den W- 8 Luschristen: Wainj, öjindenburgstraße jt!r. 44 gliedern unentgeltlich ru. Erscheinungsort Dam;. I schriftleitung: lklabbiner Dr. 8. Levi, jHlöinj An die deutschen Juden! Die bedeutsame Zeit des jüdischen Jahres steht vor der Tür. Rosch Haschonoh und Jom Hakippurim rufen zum Gotteshause und zu stiller Feier in den jüdischen Häusern. Aber ihr Aufruf zur Besinnung, zur Einkehr und Umkehr findet in unserer Mitte nicht mehr überall Gehör. Mancher ist gleichgültig, mancher ist seinen Brüdern und dem Gott seiner Väter fremd geworden. Andere sind unter der Last der Arbeit erdrückt. Die Zeit scheint dahin zu sein, da die geschlossenen Geschäfte der jüdischen Kausleute an Sabbaten und Festtagen, am Rosch Haschonoh und Jom Hakippurim ein stummes aber eindringliches Bekenntnis zu Gott und zum Judentum vor aller Welt ablegten. Aus dieser Unfähigkeit, unsere heiligen Tage zu feiern, sprechen Not und Druck der jüdischen Seele. Unsere Verantwortung, unsere Sorge bewegt uns deutsche Rabbiner zu einem ernsten Wort an die deutschen Juden. Genug des Leids, daß so vielen von uns der Sabbat, dieser Quellpunkt unseres Familienlebens, die Wurzel der edelsten Tugenden unserer Gemeinschaft, der Tag unserer Seele, das Wahrzeichen unseres Glaubens, verloren gegangen ist. Sollen nun auch die ehrfurchtgebietenden Tage dem Materialismus mehr und mehr zum Opfer fallen? Die „Tage der Umkehr" nahen. Möchte ein jeder den Willen und den Weg finden, die heiligen Tage ganz und ungeschmälert zu feiern. Mochte jeder jüdische Geschäftsinhaber seine Angestellten von jeder Arbeit an den hohen Tagen befreien. Möchten die Treuesten der Treuen, denen es ein tiefes Bedürfnis ihres Herzens ist, der religiösen Pflicht gemäß Sabbate und Feste zu feiern,- weitherziges Verständnis bei allen in Betracht kommenden jüdischen Persönlichkeiten finden. Euch alle aber bitten wir: Seht alles daran, daß unsereRuhe-und Festtage unserer jüdischen Gemeinschaft erhalten bleiben. Die Treue zum Judentum fordert Opfer. Aber ihr Lohn ist eine Ruhe des Gewissens, das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, die Festigung und Erhöhung des Judentums. Im Geiste eng mit Euch allen verbunden, wünschen wir Euch den Segen der heiligen Tage. „Möge alle Sorge von Euch weichen; die Freude an Gott bleibe die Quelle Eurer Kraft!" Der Vorstand des Rabbinerverbandes ■ in Deutschland.