Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 8 (8.1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9582242-9623183-9620313--0146-9620319- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
einem Segen und einem Gebet für die Gemeinde schloß Dr. Sander seine inhaltreiche formvollendete Festrede. Herr Kantor Marx brachte dann in ergreifender Weise das Arioso von Haendel und das Tre giorni von Pergolese zu Gehör. Die erhebende Feier wurde mit der großen Keduschah von Lewandowskp für Chor und Solo beendet. Der Sologesang wurde von Herrn Artur Treyfuß mit seiner klangvollen, angenehmen Baritonstimme vorgetragcn. Mainz. Tie israelitische Religionsgemeinde Mainz wird mit Gottes Hilfe am 27. Aug. d. I. in ihrer Hauptsynagoge eine seit Jahrzehnten hier nicht mehr gesehene Feier zu verzeichnen haben. An diesem Tage soll eine im Aufträge eines wohltätigen Stifters von dem Mainzer Sofer A. Zeitin geschriebene Thorarolle in feierlicher Weise geweiht werden, lieber die Feier selbst wird in einer späteren Nummer unseres Mitteilungsblattes noch berichtet werden. Worms. Wie wir in unserer letzten Nummer vom Juli 1627 bereits mitgeteilt haben, trat Herr 'S. Rothschild in Worms, nach 55jähriger Tätigkeit als Lehrer und Sekretär der israelitischen Religionsgemeinde Worms, am 1. Juli d. I. in den Ruhestand. Aus diesem Anlasse fand am Samstag nachmittag in dem mit Blumen und Blattpflanzen festlich geschmückten Vorstandssaale des israelitischen Gemeindehauses eine feierliche Vorstandssitzung statt, an der außer dem Jubilar sämtliche Vorstandsmitglieder, auch Herr Regierungsrat Jourdan als Vertreter des Kreisamts, sowie die früheren Vorsitzenden des Vorstandes, Herr Samuel Guggenheim und Herr Hofrat Levh, teilnahmen. Herr Reg.-Rat Jourdan würdigte in beredten Worten die langjährige, verdienstvolle Tätigkeit des Jubilars, der ein vorbildlicher Beamter alle Zeit gewesen sei und durch seine wissenschaftlichen Leistungen allgemeine Anerkennung gefunden habe. Bei dieser Gelegenheit wies der Redner auch auf die Anerkennung hin, die Herrn Rothschild bereits in früheren Jahren seitens der hessischen Negierung in Form einer Ordensauszeichnung zuteil geworden ist. Es sei ein Leben voller Arbeit und Mühe gewesen,^ das von seiten der Behörden und auch der Öffentlichkeit reiche äußere Anerkennung gefunden habe. Schließlich überreichte Herr Negierungsrat Jourdan im Aufträge des hessischen Ministeriums des Innern ein Anerkennungs- und Glückwunschschreiben dieser Behörde und wünschte Herrn Rothschild auch für die Zukunft alles Gute. Im Anschluß hieran begrüßte der derzeitige Vorsitzende des Vorstandes, Herr Sanitätsrat Dr. Nickelsburg, den Jubilar und dankte chm dafür, daß er sein Amt nicht nur als Erfüllung einer übernommenen Pflicht, sondern auch mit Liebe und Aufopferung die langen Jahre hindurch verwaltet habe. Die Jugend drewr Generationen habe er zu seinen Schülern zählen können und das Amt des Sekretärs habe er nicht nur mit größter Hingabe, versehen, sondern er habe auch aus den Schätzen des alten Gemeindearchivs die Geschichte der jüdischen Gemeinde Worms der Gegenwart nähergebracht. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß aus dem reichen Schatz seines Wissens noch manche Gabe der Mitwelt beschert werden möge. Der Vorstand, so führte der Redner weiter aus, habe feinem Danke für diese verdienstvolle Wirksamkeit dadurch Ausdruck verliehen, daß er Herrn Rothschild mit kreisamtlicher Genehmigung zum Ehrenarchivar der Israelitischen Religionsgemeinde Worms ernannt habe. Eine von Künstlerhand gefertigte Ehrenurkunde folgenden Inhaltes: „Der langjährige Lehrer und Sekretär der israelitischen Religionsgemeinde Worms, Herr Samson Rothschild, der verdienstvolle Ordner des alten Gemeindearchivs, aus dessen Schätzen er die wechselvolle Geschichte der Wormser Juden in zahlreichen Schriften vor den Augen der Gegenwart anschaulich entrollte, wird in dankbarer Würdigung seiner 55jährigen segensreichen Wirksamkeit zum Wähle der Gemeinde bei seinem Scheiden aus dem Amte von dem Gemeindevorstand nach kreisamtlicher Genehmigung zum Ehrenarchivar der israelitischen Religionsgemeinde Worms ernannt" wurde dem Geehrten mit dem Wunsche überreicht, daß er sich noch viele Jahre ungetrübter Gesundheit und Zufriedenheit erfreuen möge. Außerdem gab eine Ehrengabe der Dankbarkeit der Gemeinde sichtbaren Ausdruck. Der Jubilar dankte hierauf in bewegten Worten und warf einen Rückblick auf die Entwicklung seiner Tätigkeit in Worms, die ihm nicht nur in der jüdischen Gemeinde, sondern auch in seiner Eigenschaft als Lehrer an der Städtischen Volksschule eine Quelle reicher Befriedigung gewesen sei. Er wünsche der Gemeinde und ihren Einrichtungen für die Zunkunft ftauder&C9,Mainz Kohlenhandelsgesellschaft m. b. H. Kaiserstraße 29710 Telefon 3920 Beste u. billigste Bezugsquelle V für sämtliche Hausbrandkohlen ££ la. Ware! Reelles Gewicht! " den Segen Gottes. In dieser eindrucksvoll verlaufenen Feier fand die Laufbahn eines Veteranen des Lehrerbcrufes ihre wohlverdiente Würdigung. _ Verbände und Vereine. Am 3. Juli d. I. fand in Köln a. Rh. die gutbesuchte diesjährige Generalversammlung des Bundes jüdischer Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands unter tatkräftiger Mitwirkung der Zentralwohlfahrtsstclle der deutschen Juden statt. An stelle des ausgeschiedenen Herrn Kareski, Berlin wurde Herr Dr. Philipsborn zum Vorsitzenden gewählt. Fernerhin wurde Herr Prof. Dr. Seligmann, Berlin in den Vorstand zugewählt. Nach Erstattung des Geschäftsberichtes, der sich mW dem Ausbau des Bundes und mit der Fortführung der in Düsseldorf im Vorjahre begonnenen Arbeiten auf den Gebieten der Chefarztversicherung und insbesondere der sozialen Krankenhausfürsorge beschäftigte, wurde das Hauptthema: „Wie werden Pfleglinge ritueller Anstalten nahrhaft, abwechslungsreich und dabei sparsam ernährt?" eingehend behandelt. Den vier Referaten über die Ernährung in Krankenhäusern, in Altersheimen, in Kinderheilstätten und die Wirtschaftsführung, unter besonderer Berücksichtigung der Pessachwoche, dienten die von Anstalten beantworteten Fragebogen und eingereichten Speisezettel als wertvolles praktisches Material. Herr Geheimrat Prof. Dr. Strauß, Berlin betonte die Wichtigkeit der Beobachtung neuzeitlicher wissenschaftlicher Ergebnisse der Ernährungswissenschaft und der Diätvorschriften. Er empfahl an Stelle der für Kleinbetriebe zu kostspieligen Diätküchen, wenigstens die Einstellung speziell vorgebildeter Diätschwestern. Ferner berührte er eingehend die Kostenfrage der rituellen Wirtschaftsführung. Das Referat von Herrn Dr. F r e i m a n n , Frankfurt a. M. ging auf die in Altersheimen übliche Ernähruiigsweise ein und schilderte die besonderen Bedürfnisse des Alters und die auf dessen Eigenheiten gebotene Rücksichtnahme. Referent gab Aiileitungen für die zeitliche Einteilung und die Zusammensetzung der Mahlzeiten. Herr Dr. Stahl, Berlin erörterte auf breiter medizinischer Grundlage Fragen zweckmäßiger Ernährung für in Heilstätten untergebrachte Kinder, die der körperlichen Eigenart der Pfleglinge angepaßt sein muß. Besonders wertvoll sind seine nach Art, Mengen, Nährwert und Preisen zusammengestellten Nahrungsmittel, die für Kinderheilstätten in Frage kommen. Die Regeln der Wirtschaftsführung unter besonderer Berücksichtigung des rationellen Einkaufs sowie Vorschlägen für eine gute Vorbildung und dauernde Nachschulung des Wirtschaftspersonals, faßte Fräulein Lucie L a q u e u r , Frankfurt a. M. in sehr prägnanter und eindrucksvoller Weise zusammen. Die Aussprache ergab folgende Feststellungen: 1. Die rituelle Wirtschaftsführung in Anstalten verteuert den Gesamtbetrieb nicht erheblich. Sie würde sich noch verbilligen, wenn die Koscherwarenhändler sich zu einer Herabsetzung der zum Teil viel zu hohen Preise verstehen würden. Der Bund jüdischer Kranken- und Pflegeanstalten wird beauftragt, Schritte zur Abhilfe zu unternehmen. 2. Die neuzeitlichen Ergebnisse der Ernährungs- und Diätwissenschaft, welche eine größere Individualisierung verlangen, sind .von den Anstalten mehr zu berücksichtigen. 3. Die Ausbilduna von Diätschwestern in Krankenhäusern und hauswirtschaftlichem Personal in allen Anstalten der Gesundheitsfürsorge, sowie vertiefte Vorbildung der Anstaltsärzte auf dem Gehiet des Ernährungswesens, ist durch lokale Kurse und praktische Unterweisung im Anstaltsbetriebe zu fördern. Ein ausführlicher Druckbericht über die Tagung wird in Kürze erscheinen und ist zum Preise von etwa 1.— RM. beim Bund der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Berlin hl 24, Oranienburgerstraße 13—14, zu beziehen. Erdbeben in Palästina. Die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in welchen sich Palästina gegenwärtig befindet, und die politischen Unsicherheiten sind durch ein neues Unheil, welches über Palästina gekommen ist, vermehrt worden: Am Sonntag, den 10. Juli d. I.. machte sich ein Erdbeben bemerkbar, welches zwar nur kurze Zelt dauerte, Wir empfehlen zur Lieferung — frei Laus Kuru. Kindermilch, Griginalabsüllung Keimfreie Flafchenmilch Schlagsahne / Kaffeesahne / VollmilchgoghurL Mainzer Milchversorgung Nackstr. 14 Gg. Bräunig, G. m. b. Tel. 2555 6