Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 4 (4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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. - / / /? April 1927 k A r /l Seminares £riA rasssi 1 •>&. kies LsnSesverbandes kier istselilWen .? ..d;iüC . < Meses Bluff erscheint monatlich und geht den Mit- III Zuschriften: Mains, WdendurgstraKe flr. 44 gliedern unentgeltlich su. » Erscheinungsort Mains. III Schriftleitung: Babdiner vr. 8. §evi, Mains; )l!!L ' 1 Pessach, das Fest der Freiheit. Ein Bericht und eine Mahnung von Rnbb. Tr. S. L e v i, Mainz. Das Pessachsest naht; die Festvorlesungen aus unserer heiligen Schrift, die Haggadah und zahlreiche religiöse Bräuche dieser Feierzeit erzählen von der Freiheit, welche unseren Vorfahren nach der Jahrhunderte dauernden Sklaverei in Aegypten durch Gottes Gnade zuteil geworden ist. Es gab und gibt kein zweites Volk in der Weltgeschichte, welches wie Israel ein derartiges, seine Gesamtheit erfassendes Erlebnis auszuweisen hätte; welches, wenn auch anfangs mit einer gewissen Bedenklichkeit, so doch mit verständnisvoller Hingabe dem Aufruf zur Freiheit gefolgt wäre; zu einer Freiheit, die nicht durch Schwert und Schild blutig erkämpft werden sollte, zu der man vielmehr schritt mit dem Stab in der Hand, mit Sandalen an den Füßen und dem Gürtel um die Hüfte. Freiheit sollte nicht Sieg der Gewalt, sondern Triumph des Rechtes fein. Durch des Ewigen Rechtswillen soll die Freiheit als Menschenrecht gesichert sein: Der Gott, der — Menschen wachsen ließ, der wollte keine Knechte! so könnten wir hierbei das E. M. Arndt'sche Wort abgewandelt gebrauchen. Es war ein einzigartiger Sklavenaufstand, der die Freiheit mit dem friedlichen Wanderstabe suchte und sie wagte in dem Glauben: „Gott will es!" Daß die ägyptische Sklaverei nicht die letzte Bedrückung war, welche auf Völkern oder Menschen lastete, dies wissen wir Juden sehr genau; diese bedauerliche Tatsache tut aber dem großen und sittlichen Gedanken, welchen der Freiheitszug Israels aus Mizrajim der Welt geschenkt hat, keinen Abbruch. Und wenn die von jener Besreiungsstunde Israels gekündete Freiheit in der Welt noch nicht zur Tatsache geworden ist, der Gedanke dieser Freiheit hat in den Herzen der Völker und der Menschen doch Wurzel gefaßt, sonst suchten nicht die Völker und Menschen — oft im Widerspruch zur Tatsächlichkeit —- zu beteuern, daß sie jede Bedrückung und Vergewaltigung verabscheuten. Wenn wir Juden aber.die Freiheit als ein gottgewolltes Recht der Welt verkündeten, dann darf diese Lehre sich nicht nur gegen Bedrückung von außen wenden, sie muß auch in unseren eigenen Reihen zur Geltung kommen. Wir meinen damit nicht etwa die Versuche der Vergewaltigung, welche von der einen Richtung des Judentums gegen die andere, von einer Parteiung gegen die andere unternommen werden, obwohl auch über diese Art mangelhafter Freiheitsgewährung manches Wort zu sprechen wäre. Uns schwebt vielmehr jener Druck vor Augen, wel-. eher heutzutage vielfach über den jüdischen Gemeinden liegt und jede freie Entwickelung des religiösen Lebens ganz unmöglich macht. Dadurch daß infolge versäumter gesetzlicher Organisation jede Gemeinde sich selber überlassen war, reichten bei schwindender Mitgliederzahl in zahlreichen Gemeinden die Mittel nicht mehr aus, um die notwendigen Aufwendungen zu bestreiten. Die Lehrkräfte zermürbten unter dem Druck der Notlage, die Bethäuser verödeten, religiöse Einrichtungen versanken, das religiöse Leben erstarb. Wo früher ein frei sich entfaltendes und Segen spendendes jüdisches Leben sich gerührt hatte, da scheint alles erdrückt und versklavt: die Lehrer und Führer versklavt einer Mitleid erregenden Not, die Gemeindemitglieder verfallen der Lässigkeit, die Jugend erniedrigt durch Unkenntnis. Man lese in diesem Zusammenhang nur einmal die beiden kurzen Berichte über Weisenau und den Aufruf des Wallertheimer Gemeindevorstandes in dieser Nummer unseres Mitteilungsblattes: diese kurzen Zeilen sind charakteristische Illustrationen zu diesen Gedanken. In der größten Bedrängnis erstand unser Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens, um aus dieser bedrückenden Sklaverei zu befreien. Wir haben mit dem Ende des Monats März unser erstes Budgetjahr abgeschlossen. Wir wissen, daß wir noch lange nicht alle die der Lösung harrenden Aufgaben bewältigen konnten. Aber dieses erste Jahr hat,uns doch ein Stückchen vorwärts gebracht. Ein kurzer Rechenschaftsbericht soll dies beweisen. Mehr als 17 000 Mark sind bereits in der kurzen Spanne Zeit, seit der Landesverband besteht, aufgebracht worden. Den überwiegend größten Teil dieser Summe haben die Großgemeinden beigesteuert. Diese Summe wurde hauptsächlich im Interesse der kleinen und kleinsten 01326402010200020100