Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 1 (1.1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Biicherschau. , Benjamin, Karl, Aus sibirischer Gefangenschaft aus Sowjet- Rußland. Darmstadt, Gesellschaft Hessischer Bücherfreunde. Preis 2,50 Jl, bei direktem Bezug durch die Gesellschaft Hessischer Bücherfreunde, Buchhandlespreis 3 JL. Das Wart Schillers „Immer im Einzelnen nur Hab ich das Ganze erblickt" kämmt einem in den Sinn, wenn man die vorstehend genannte Schrift liest. Benjamin erzählt die Geschichte seiner Flucht nach inehr als vierjähriger Gefangenschaft aus einem sibirischen Gefangenenlager tief im asiatischen Rußland in bic_ Heimat. Ein Mensch berichtet seine Erlebniste unter Weglassung aller gefühlsmäßigen Schilderungen ganz schlicht und einfach. Er mag das Grausigste erzählen,' beispielsweise wie er und seine Begleiter in einen sibirischen Schneesturm geraten und nur mit knapper Not dem Tod des Erfrierens entrinnen, er mag das Rührendste schildern, wie Kriegsgefangene, von der unwiderstehlichen Sehnsucht nach der Heimat getrieben, sich als blinde Passagiere im sibirischen (!) Winter draußen an den Eisenbahnwagen festklammern, oder wie Benjamin selbst, im tiefsten Rußland auf eiue deutsche Siedlung stoßend, bis spät in die Nacht den Klängen deutscher Volkslieder lauscht, er mag das Spannendste berichten, wie er ganz kurz vor dem Ziel euren Strom überschreitet, dessen Brücken gesprengt sind, jeden Augenblick gewärtig in dem Eis cinzubrechen oder von einer Patrouille erschossen zu werden — die vornehm ruhige Art des Erzählers wandelt sich nie. Dabei fesselt das Büchlein von der ersten bis zur letzten Seite. Ter Krieg ist es mit all seinen Schrecknissen: Verwundung, Krankheit, Tod, Gefangenschaft, qualvolle Sehnsucht nach der Heimat, der den gewaltigen Hintergrund und das Einzelfchicksal ins Allgemeine wachsen läßt. Aber nicht nur vom Krieg erzählt das Buch. Die Szenen, in denen Benjamin berichtet, wie die „feindliche" russische Bevölkerung den Fliehenden behilflich ist, wie die selbst arme russische Familie dem Flüchtling für die Nacht ein Kissen gibt, wie der russische Schlittenführer ihm mitten im Winter wiederholt seinen Pelz anbietet, das alles atmet so viel reine Menschlichkeit, ist in feiner Schlichtheit ein so stürmischer Protest gegen den Wahiisinn des Krieges, der die Völker auseinander reißt, eine so lcidenschaftliche Werbiiiig für deii Frieden, daß die Schrift jedem, dem cs erlist ist um den Wiederaufbau der Welt, reichen Gewinn briiigt. Vor allem sollte sie jeder Jude lesen und seine Kinder lesen lassen. Sie zeigt nicht iiur an dem Beispiel eines einzeliien deutschen Juden, wie die gaiize deutsche Judeiiheit ihren redlichen Aliteil an dem leidvollen Erleben der vier Kriegsjahre hatte, sondern auch, was Gottvertrauen, Mut und ein uiibeugsamer Optimismus zu leisten vermag. Möge das Buch viele Leser finden, keiner wird es ohne dankbare Ergriffenheit aus der Hand legen. Italiener, Darmstadt. Preis;, Ludwig uiid Rohrbach Paul: Palästiiia und das Ostjordanland. Verlag Julius Haffmann in Stuttgart. XVI und 232 Seiten. JL 28.—. Ein stattlicher Band liegt uns in diesem Werke vor. In einer Einleitung von 16 Seiten wird kurz das Land Palästiiia, daiin in einem Kapitel Palästinas Geschichte beschrieben lind schließlich wird nach Art der Reiseführer die Palästinafahrt nach den verschiedenen Reisemöglichkeiten unter Hervorhebung und Bewertung der Sehenswürdigkeiten dargestellt. Die beiden Herausgeber teilen sich in diese textlichen Darlegungen, welche zweckentsprechend knapp aber sachlich und zuverlässig gehalten sind. Den Hauptteil des vorzüglich ausgestatteten Werkes bilden die 214 Tiefdrücke und 21 farbige Uvachromien nach Aufnahmen von Ludwig Preiß. Die Landschaft, die Geschichte, das heutige Treiben und Leben Palästinas und des Ostjordanlandes, die Tier-'und Pflanzenwelt des Gebietes, die Kunst- und Kulturwellen, die in den vielen Jahrhunderten über das Land gingen und besonders im Aufbau und Ausfchmuck der Bauwerke bleibenden Ausdruck fanden: kurz, das gesamte äußere und innere Leben dieses für die Geschichte der Menschheit einzigartig bedeutungsvollen Stückes Erdboden ist in den Bildern, die nach Aufnahme und Ausführung künstlerisch genannt werden dürfen, veranschaulicht. Das Buch stellt nicht das jüdische, sondern das gesamte Palästina dar. Wer eine Palästinareise zu unternehmen beabsichtigt, der kann an der Hand dieses Buches verlockende Reisepläne zusammenstellen; und wer in absehbarer Zeit die Reise nicht zu machen vermag, der findet an diesem Buche wenigstens einen Trost über die Unmöglichkeit, den Blick in dieses Leben selbst zu tun. Soeben erscheint der bereits angekündigte Prospekt über die im Selbstverlag des Rechtsanwalts und Notars Tr. Guggenheim herausgegebene Offenbacher Haggadah. Die Text-, Satz- und Notenproben lassen eine hervorragende Leistung der Typographie erwarten. Die Probe eines handausgemalten Holzschnittes zeigt die Eigenart des Buches. In dem Bilde sind Rabbi Akiba und seine Gäste in Bnebrak, ebenso die im Hintergrund erscheinenden Schüler, in ihren Gesichtszügen einander angeähnelt, gleichsam als wollte der Künstler zum Ausdruck bringen, daß alle von einem Geiste beseelt sind. In ihrer Stilisierung wirken die in ein römisches Portal der damaligen Zeit hineingestellten Gruppen der Lehrer und Schüler stark und eindringlich. Ter Zweifarbendruck, rot und schwarz, belebt das Satzbild und gibt einen guten Ueberblick über die Handlung am Sederabend und die zur Betrachtung und religiösen Vertiefung eingeschobenen Abschnitte. Dadurch wird zugleich erreicht, daß der Hausvater im Kreis der Familie am Festabend das Buch in Freiheit und mit der Möglichkeit selbständiger Auswahl benutzen kann. Das rotlinige Notensystem mit seiner eigenartigen schwarzen Notenschrift ist ein Buchschmuck für sich. Tie Schrift, von dem Meister Rudolf Koch, Offenbach a. M., geschnitten, dient dem heiligen Gegenstand vortrefflich und hat eine feierliche, weihevolle Haltung. Weitere Proben des Inhalts der Haggadah zeigen eine gegenüber den alten Haggadahs neue Form. Indem der Verfasser in den überlieferten Textteil der Haggadah an vielen Stellen erklärende Zusätze einfügte, vermittelt er dem Leser ein abgerundetes und von geistigem Leben erfülltes Bild von jüdischem Denken und von jüdischer Frömmigkeit. So stellt diese Offcnbacher Haggadah nicht nur einen besonderen buchlichen Wert dar, sondern sie bereichert auch inhaltlich die Zahl der Festbücher zum Sederabend, mit Treue das Alte bewahrend und „freundliches Neue" mit kluger und fühlender Auswahl hinzufügend. Heinrich Herzheimer, Mainz Klarastraße 17 Kolonialwaren Telefon 1919 Spezialität in: Extrafeinen Griinkern Suppeneinlagen * Kaffee * Tee * Kakao eie. Alle "itiO Spezereiwaren. Konrad Scheid, Mainz Telephon 1483 Inh.: KSfl HÖflßF Frauenlobstr. 27 Möbeltransport * Spedition Zufuhr sowie Abholen von Expreflpaketen 4mal täglich prompt und gewissenhaft Stauder & C? Kohienhandelsgeselischafl m. b. H. 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