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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1926-11-01 · 6 (11.1926) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
1 (1926)
Issue
6 (11.1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Fülle, fast mit einer Vollkommenheit, ausgeschöpften und gründlich bearbeiteten Materials geschaffen. Fesselnde Darstellung gesellt sich zur Gründlichkeit. Daß wir als Juden, als Gläubige, nicht jeder Theorie und Beweisführung in Kritik und Vergleich, wie Duhm sie darlegt, folgen können, sei nicht verschwiegen; aber Duhms Buch wird den Sachverständigen auch iu unseren Reihen Anregung geben und wirkt genugtuend durch die Betonung, daß für die Kenntnis und das Wesen des neuen Testaments das alte Testament unentbehrliche Voraussetzung ist. Pflaum, Heinz, Die Idee der Liebe, Leone Ebreo. Zwei Abhandlungen zur Geschichte der Philosophie in der Renaissance. Erschienen als Nr. 7 der Heidelberger Abhandlungen zur Philosophie und ihrer Geschichte im Verlag von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1926, 8°, 158 Seiten. Zwei Werke sind in ein Buch zusammcngefaßt, die einander ergänzen. Im ersten gibt der Verfasser eine gründliche, durch umfangreiches Quellenmaterial belegte Darstellung des Entwicklungsprozesses, der sich an der Idee der Lrebe vom Mittelalter durch die Renaissance vollzogen hat. Er zeigt, wie nach der anfänglich unversöhnlichen Gegenüberstellung von caritas und cupiditas, von himmlischer und irdischer Liebe, im Wechselkampf um die Bewertung und Versöhnung dieser beiden Elemente, die mittelalterliche Liebesidee verkümmert und sogar zur Liebesverneiuung führt. Eine neue, philosophisch begründete Liebesidee bahnt sich durch das im dreizehnten Jahrhundert neu auskommende Gefühl für die Natur, als die leben- und liebespendende .Kraft an. Die philosophische Fundierung für dieses neue Naturgefühl und die daraus erwachsende Liebesidee sieht der Verfasser m einleuchtender Weise in der Wiederaufsindung des Lukrez um jene Zeit. Durch diese Verbindung wird die Liebe zu einem universalen Prinzip, zu einem Lebensquell auf der einen Seite und zu einer religiösethischen Konzeption, zu einem Heilsquell aus der anderen Seite, und wirkt, wenn auch unter wesentichen Wandlungen, sich bis in Spinozas Lehre aus. Eine verwandte Entwicklungsgeschichte, wie wir sie hier in diesem ersten Werke des Verfassers an der Idee der Liebe kennen lernen, wird uns dann im zweiten Werke für die allgemeine Philosophie aufgezeigt. Wenn das Mittelalter zunächst in seiner Philosophie einen aus Autoritätsbindung ausgebauten Synkretismus d. h. eine Verbindung früherer Lehren mit der neuen Lehre des späteren Denkers hatte, erwuchs bald ein philosophischer Individualismus. Wenn dort der Grundsatz der Einheit der Welterkenntnis galt, so hier der Grundsatz der Einheit des Weltgeschehens. Zwischen diesen beiden Polerscheinungen philosophischen Prinzips in Frührenaissance und Hochrenaissance war bisher eine Ueberleitung durch eine einzelne philosophische Erscheinung nicht aufgewiesen. Pflaum zeigt, daß als vermittelnder Philosoph zwischen diesen beiden Epochen der jüdische Arzt und Philosoph Juda Abarbanel, gcnaunt Leone Ebreo zu betrachten ist, welcher um 1460 geboren war, die Ausweisung ails Spanien nnterlebte und nach 1521 gestorben ist. Dieser Leone Ebreo war durch die in feinem Werke „Dialoghi di amore" (geschrieben 1502) dargestellte einheitliche und dynamische Auffassung der Natur der uiiiiiittelbare Vorläufer der Naturphilosophie des sechzehnten Jahrbnnderts. Die beiden Arbeiten, welche wesentliche, neue Ergebnisse uiid Ergänzungen zu früheren Untersuchungen aus diesem Gebiete bringen, können den Fachkundigen angelegentlich empfohlen werden. Demnächst erscheiiit im Selbstverlag des Herrn Rechtsanwalts und Notars Dr. Guggenheiin in Offenbach a. Ai. eine eigenartige Haggadah. Sie wird voii der überbrachtcn Textgestaltuiig xnfofern abweichen als sie zwar an den überlieferten Text sich anlehnt, aber sich liicht nur an ihn hält, sondern allerhand Erklärungen und Bemerkuiigen über jüdische Lehre und jüdisches Denken einsügt, urn dadurch dem aui Fest Teilnehmenden ein gerundetes Bild jüdischer Frömmigkeit' zu geben. Sie wird, da der Herausgeber und die aii der Druckleguiig Mitwirkenden iu Ossenbach leben, die Bezeichnuiig „Ossenbacher Haggadah" tragen. Der bibliophile Druck in Folio-Format wird in einer Auflage von 800 Stück auf gutem Büttenpapier in zwei Farben erscheinen. Zum Truck wird eine im Handel noch nicht vorhandene sakrale Kochschrist verwendet werden, den Gesängen sind Noten in einer eigenartigen und bislang unbekannten Kochschen Notenschrift beigegeben. Der Druck erfolgt uuter Leitung bewährter Meister der Typographie. Das Werk wird 10 ganzseitige handkolorierte Holzschnitte enthalten. In kürzester Zeit wird ein Prospekt mit Druckprobe heranskommen, mit der Aufforderung zur Subskriptiou. Der Subskriptionspreis wird etwa 85.— JL betragen. Da nur eine beschränkte Anzahl von Prospekten gedruckt wird, werden Interessenten gut tun, die Zusendung eines Prospektes bei dem Herausgeber ausdrücklich zu verlangen. Hamburg-Amerika. Linie Ueberseereisen (Streng rituelle Küche unter Rabbinatsaufsicht.) Vertretung in Mainz : Reisebüro J. F. Hillebrand, G.m.b.H., Reiche Klarastrasse 10 und im Kaufhaus Tietz sowie an allen in- und ausländischen Plätzen. Stauder & €9 Kohlenhandelsgeseilschalt m. b. H. MAINZ Kaiserstr. 29'/,,, : Telefon 3920 Beste u. billigste Bezugsquelle für sämtliche Hausbrandkohlen la. Ware! Reelles Gewicht! Wir halten uns zur Lieferung waggonweise für industrielle Zwecke gleichzeitig bestens empfohlen. WV88M:.—: || Das Haus für I modemeWolmungseinrldriiuig | Lieferung auch nach auswärts frei Haus. L. 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