Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 1 (1926)
- Issue
- 5 (10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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v . L 0Mober 1926 *f =<• •, =•* ••=?« •=r^;=> •.•^-ll | l.Ighrg.,!llr.5f > « o^»»» MMllMsljlalk des Landesverbandes der israelitischen dieses lglatt erscheint monatlich und geht den Mitgliedern unentgeltlich zu. ♦ krscheinungsort Main;. ÄV”rr« -JjhvV.- Zuschriften: Ifllnini, tzinSenburgstraKe >l>r. 44 schriftleitung: Jtobbiner Dr. 8. Leoi, 01,^ Ein ernstes Wort in eigner Sache In der letzten Sitzung des Oberrats, welche am Sonntag, den 3. Oktober, in Mainz stattfand, konnte erfreulicherweise festgestellt werden, daß unser Verband dauernd Fortschritte macht: immer wieder erfolgen Neuanmeldungen von Gemeinden. Besonders erfreulich ist der in steigendem Maße erfolgende Beitritt orthodoxer Gemeinden, welche in richtiger Erkenntnis ihrer Pflichten das Einigende über das Trennende stellen. Ohne Ueberhebung darf unser Verband sich heute schon als die Vertretung der hessischen Juden betrachten. Der Verband hat aber auch trotz der kurzen Zeit seines Bestehens schon schöne Leistungen aufzuweisen. In jeder Sitzung des Oberrats werden Beträge zur Förderung jüdischer Lehrer, leistungsschwacher Gemeinden oder zur Instandsetzung alter Synagogen bewilligt. Der Verband will diese Pflichten in noch viel weitgehenderem Maße erfüllen, wenn erst die angeschlossenen Gemeinden ihre Pflichten gegen den Verband richtig erkennen und betätigen. Eine Anzahl von Gemeinden ist mit der Einreichung ihres Budgets im Rückstand, so daß eine satzungsgemäße Beitragssumme noch nicht sestgestellt werden konnte. Anderen Gemeinden ist die satzungsgemäße Beitragssumme zu hoch. Es ist gewiß wahr, daß die Verhältnisse auf dem Lande recht ungünstig sind, aber Gott sei Dank, haben wir auch noch eine große Anzahl leistungsfähiger Gemeinden mit wohlsituierten Mitgliedern, die gewillt und in der Lage sind, ihren Pflichten nachzukommen. In der letzten Sitzung des Oberrats wurde der Notschrei eines Landlehrers zur Kenntnis gebracht, der in mehreren Filialgemeinden Religionsunterricht erteilt, und der fein sehr kärgliches Honorar für diese Lehrtätigkeit von diesen Gemeinden nicht erhalten kann, so daß er sogar die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch nehmen mußte. Die betreffenden Gemeinden sind nicht etwa arm und leistungsunfähig. Es handelt sich vielmehr u. a. um eine wohlsituierte Gemeinde in einem der reichsten Weinorte Rheinhessens. Dieser Vorgang hat im Oberrat die hellste Entrüstung hervorgerufen. Auch in anderen Gemeinden soll, wie berichtet wurde, die Auffassung vom Opfersinn für unsere heiligen Ziele und von den Pflichten gegen die Gesamtheit und gegen die Religion geradezu beschämend sein. Der Verbandsvorstand richtet deshalb einen neuen Appell an alle Juden Hessens, daß sie sich ihrer Pflichten gegen ihre Glaubensgemeinschaft und ihre heilige Religion mehr als bisher bewußt werden! Dem Verband liegen wieder zahlreiche dringende Gesuche von seiten jüdischer Lehrer und verarmter Gemeinden vor, die um Beihilfe zur Ausrechterhaltung ihrer Schulen und Gemeinden überhaupt bitten. Diese Gesuche beweisen schon die Lebensnotwendigkeit unseres Verbandes. Der Verband hat, wie oben bemerkt, in einer Anzahl dringender Fälle angemessene Zuschüsse bewilligt und will mit seinen vorerst naturgemäß noch bescheidenen Mitteln nach Möglichkeit überall da Helsen, wo es Not tut. Er muß aber erwarten, daß Ansprüche nur von solchen Gemeinden gestellt werden, die Nachweisen, daß ihre Mitglieder bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit selber Opfer bringen, und daß weitere Mittel von ihnen nicht ausgebracht werden können. Der Verband muß hierbei an das Ehrgefühl und den Opfersinn der Gemeinden und ihrer Mitglieder appellieren, daß sie nach ihren Kräften mithelfen, die Ausgaben des Verbandes, nämlich Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden, Förderung des Religionsunterrichts, Gehaltsaufbesserung für jüdische Lehrer, Einstellung von Wanderlehrern, Renovierung von Synagogen und anderes mehr einigermaßen zu erfüllen. Wer kann es vor Gott und den Menschen verantworten, sich von der Mitarbeit an diesem Ziele auszuschließen? Es ist ein psychologisches Rätsel, warum so viele Juden, die sonst recht großzügig gegen sich, ihre eigene Familie und ihre Mitmenschen sind, sich gerade ihrer Religion und ihren heiligsten Pflichten gegenüber so ablehnend zeigen und nur schwer zu irgend welchen Ovsern bereit sind. Wer kann den Grund zu dieser Einstellung 01326402010200020100