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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1926-06-01 · 1 (6.1926) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
1 (1926)
Issue
1 (6.1926)
Date
1926-06-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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\ V Der Geschäfts- und Rechlluugsbericht, die der Vorsitzende und der stellvertretende Schatzmeister, Herr Bankdirektor Joachimssohu, erstatteten, wurden genehmigt und dem Schatznieister und dem geschäftsführeuden Ausschuß wurde Entlastung erteilt. Die Eiugiinge des Hilfsvereins haben im Berichtsjahre eine Zunahme erfahren und es dem Hilssverein ermöglicht, über 200 000 Mk. aus den verschiedenen Gebieten seiner Tätigkeit aufzuwcnden. Verbände und Vereine. Ter Reichsverband der deutschen Juden, dessen Begründung von den einzelnen Landesverbänden im Prinzip bereits beschlossen ist, hat einen weiteren Schritt vorwärts zu verzeichnen. Der eingesetzte G e s e tz e s a u s s ch u ß ist am 6. Juni in Berlin zusammcugetrcten, um die gesetzliche Norm für die znsammcnfassende Arbeit zu beraten. Die in Betracht kommenden Körperschaften des Reiches waren sämtlich vertreten. Für den hessischen Landesverband war Herr Rechtsanwalt Rothenberger Gießen, delegiert. Der Satzungsentwurf, der zustande gekommen ist, wird jetzt den einzelnen Verbänden unterbreitet und dann von einem kleinen Ausschuß zu endgültiger Beschlußfassung ausgearbeitet. Tie Zentral-Wohlfahrtsstelle der deutschen Juden hielt von: 0. bis 8. Juni eine Tagung in Düsseldorf. In Vorstaudssitzuugcn, Mitgliederversammlungen und Arbeitsgemeinschaften wurden die drängenden Fragen der Wohlfahrtspflege unserer Zeit behandelt: „Die Fürsorge für wirtschaftlich Notleidende", „Jüdische Jugcndnot und Jngendhilse", „Jüdische Bevölkerungsfragen", „Die jüdische Gefährdetcnfürsorge", „Die jüdische Tuberkulosefürsorge", „Die jüdische Erholungssürsorge", „Die Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise". — Die Tagung, welche unter der Leitung des Herrn Eugen Casparh, Berlin, stand, von den Behörden, gefördert und beachtet und aus allen Teilen Deutschlands zahlreich beschickt war, wurde eingeleitet durch einen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, über das Thema: „Der geistige Gehalt in der jüdischen Wohlfahrtspflege." Ter jüdische Frauenbund hatte eine Delegiertcnversammlung für den 8. bis 10. Juni ebenfalls nach Düsseldorf einberufen. Die Delegierten, die zahlreich erschienen waren und sich rege an den Arbeiten beteiligten, beschäftigten sich mit den Fragen der Frauenarbeit in Vereinen, Verbänden, im Hans und in Anstalten. Durch Vorträge, Referate und Anssprachen 'wurden viele Fragen der Klärung näher gebracht. Tie Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben durch empfangene Belehrung und Anregung nachhaltigen Gewinn mit nach Hause genommen. Aus der Jugendbewegung. Tie Führer h.er neutralen jüdischen Jugendvereine haben sich, nachdem jahrelang eine Tagung dieses Verbandes unterblieben war, in den Pfingsttagen in Düsseldorf getroffen, um die Arbeit wieder anfzunehmcn. Nahezu 100 Vereine hatten Delegierte geschickt. Die Stadt Düsseldorf :st durch ihre „Gesolei" in diesem Jahre der Ort der Tagungen. Aber die Gemeinde und ihre Verwaltung weiß alle Verbände gastlich aufzunehmen. Die provisorische Leitung des wieder belebten neutralen Jugcndverban-es lag in den letzten Monaten in der Hand des Herrn Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. Am Pfingstmontag wurde nach Referaten und eingehenden Aussprachen der neue Vorstand gewählt. Erster Vorsitzender wurde Herr Rabbiner Dr.-Klein, Düsseldorf,. stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer Herr Herbert Felscnthal, Düsseldorf, Kassenwart Herr Gveritz, Chemnitz. Bücherschau. Müller, S.: Ein Buch für unsere Mütter. (Berlin 1925, Philo- Verlag und Buchhandlung). In diesem gut ausgestatteten Buche führt der Verfasser, der als erfahrener Pädagoge bekannt ist, die jüdischen Mütter in die Vorschriften des Sabbath und der F'est-> tage ein, so daß sie instand gesetzt werden, ihren Kindern über die Bedeutung dieser Tage Auskunft zu geben und angeregt lverden, die Bräuche, durch welche die Tage geweiht werden sollen, in ihren Häusern zu üben. Elf Abbildungen im Text illustrieren die Darlegungen. L. „Zur Hygiene der Inden". Mit dieser Frage oder mit diesem Fragenkomplex beschäftigt sich ein Sonderheft der Menorah (Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur)*) *) Doppelnummer 0/7 für die Monate Juni/Juli 1920. / „Magen3a" \ Bucßßandlung und Antiquariat; Mainj, Heidelbergerfaßgasse 11; : empfiehlt ihr reichhaltiges Lager aller Ritualien wie; Talesim (in Wolle und Seide), Tefillin, Mesusos, Machsorim, Gebetbücher, Sed er Schüsseln etc. » Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Judalca \ und Hebraica stets auf Lager Dieses Sonderheft wurde anläßlich der Hygiene-Ausstellung in Düsseldorf von den Herren Rabbiner Dr. Max Eschelbacher und Ilr. mell. et phil. Adolf Sindler, herausgegeben. Das Thema der Hygiene, das heute im Mittelpunkt des Interesses steht, wird in diesen: Heft unter jüdischen Gesichtspunkt gerückt und in zahlreichen Einzelartikeln von Fachkundigen behandelt. Eine große Zahl von Abbildungen und Illustrationen veranschaulicht den textlichen Inhalt des dankenswerten Werkes. wr Morgen, Jahrg. 2, Nr. 2, Zweimonatsschrift. Herausgeber Pros. Jul. Goldstein, Darmstadt. (Philo-Verlag, Berlin.) Kalendarisches: Der Fasttag des 17. Tamus fällt in diesem Jahre auf Dienstag, den 29. Juni. Dieser Tag soll an die Eroberung Jerusalems durch die Babylonier im Jahre 580 vor der üblichen Zeitrechnung erinnern. Der Einbruch dieser Truppen in die Hauptstadt erfolgte allerdings am 9. Tamus. Am 17. Tamus des Jahres 70 n a ch Beginn der üblichen Zeitrechnung sind die von Titus befehligten römischen Truppen in Jerusalem eingedrungen und haben genau drei Wochen später, am 9. Av (in diesem Jahre am Dienstag, den 20. Juli), den Tempel zerstört. Der 17. Tamus ist zugleich der Tag, an welchem Mose vom Sinai niedersteigend das Volk im Tanz um das goldene Kalb sah und darüber die ersten Bundestafeln fallen ließ, daß sie zerbrachen. „Die ganzen und die zerbrochenen Bundestaseln lagen in der heiligen Lade." Talmud: Berachoth 8 b. Baba Bathra 14 b. „Achtet auf den Alten, der sein Wissen durch einen Unfall eingebüßt hat." Talmud: Berachoth S. 8. und Sanhedrin S. 90. Briefkasten. M. R., E. N. und W. N. Ihre Anfrage über die Entstehungsgeschichte unseres Landesverbandes wallen wir im Briefkasten beantworten, weil uns dadurch zugleich die Beantwortung ähnlicher Anfragen ermöglicht ist: Am 10. Mai 1925 richtete der Vorstand der israelitischen Neligiansgemeii:de Darmstadt an den Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Mainz die briefliche Bitte, einen Zusammenschluß der israelitschen Religionsgemeinden Hessens zu versuchen, nachdem der von Mainz unternommene Versuch, einen Verband der rheinhessischen Synagogengemeinden zu gründen, gescheitert war. Auf die von Darmstadt ausgesprochene Bitte erklärte sich der Mainzer Vorstand am 18. Mai 1925 bereit, nach den Sommerferien die Vorstände der größeren Gemeinden, die die Hauptlasten des geplanten Verbandes zu tragen hätten, zu enwx> diesbezüglichen Besprechung zusammenzurufen. Die gleiche Antwort erteilte der Mainzer Vorstand am 20. Juni 1925 auch«Hdcn Vorstand der israelnischen Religionsgemeinde Worms. Dm versandte E«de August 1925 die Gemeinde Offenbach überraschend an alle Gemeinden einen Aufruf und einen Statutcnentwurf für einen Verband. Auf diesen Aufruf antwortete der Mainzer Vorstand mit Zurückhaltung und setzte mit Rücksicht aus den gescheiterten Plan eines rheinhessischen Verbandes seine Bedenken und Zweifel am Zustandekommen eines gesamthessischen Verbandes auseinander. Trotzdem berief er, seinem Versprechen gemäß, die Vertreter der acht größten Gemeinden und deren Rabbiner für den 1. November 1925 nach Mainz. Die Geladenen erschienen, setzten eine Statutenkommission ein, welche am 23. November 1925 und am 12. Januar 1920 zusammentrat und an der Hand der Offenbacher und einer Daripstädter Vorlage einen Satzungsentwurf schuf. Am 24. Januar 1920 traten die Delegierten der größeren Gemeinden wiederum zusammen und beratschlagten den vorgelegten Satzungsentwurf, der dann allen Gemeinden zur Kenntnisnahme und mit der Aufforderung zum Beitritt zuging. Am 7. Mürz kam man dann noch einmal zusammen, un: die Beitrittserklärungen und die eingelaufcnen Anregungen und Anträge zu prüfen. An: 2. Mai 1920 wurde dann auf einem Gemeindetag, zu dem alle Gemeinden eingeladcn waren, der Entwurf nach Durchberatung und verschiedenen Abänderungen zur Satzung erhoben, wie Sie sie in diesem Blatte oben finden. Daß irgendwo und irgendwann ein zweiter Verband in Hessen gegründet werden sollte, ist uns überhaupt nicht mitgeteilt worden. Daß ein solcher Verband gesetzestreuer Gemeinden begründet worden sei, ist uns erst um die Mitte Februar 1920 unter Bemängelung verschiedener unserer Pläne zur Kenntnis gebracht worden. Aus gelegentlichen Zeitungsnotizen, aus denen allerdings nicht zu entnehmen war, ob es sich um einen neugegründeten oder seit vier Jahren bestehenden Verband handle, konnte man nur ersehen, daß sich eine Anzahl orthodoxer Gemeinden oder Religionsgesellschaften zur Pflege ihrer Sonderinteressen zusammengetan habe. Die erste dieser Notizen war am 17. September 1925 erschienen, also nachdem der Offenbacher Aufruf und Satzungsentwurf versandt war und während wir mitten in der: Vorbereitungen für den Gesaintverband standen. Diese Notizen sollten ganz offenbar die Absentierung der betreffenden Minorität von der geplanten Gesamtorganisation von vornherein kundtuu. J

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