Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 130)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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290 wir wollen glauben, daß der Orgelklang mithelfen wird, das religiöse Gefühl zu wecken und wach zu halten und wir wollen der neuen Zeit willig die neuen Formen zugestehen; ist doch zu diesen neuen Einrichiungen der Grund gelegt worden durch die Stiftung, durch den letzten Willen eines Mannes, der fast vier Jahrzehnte dieser Gemeinde rein und treu gedient hat; auf diesem Grunde konnte man weiterbauen, weil die Wittwe dieses würdigen und edlen Mannes mit dem Besitze ihres Gatten auch gleichsam diesen edlen Plan desselben geerbt und seine Verwirklichung durch ein großes Geschenk gefördert hat; Gott wird diese Gabe guter und frommer Menscheu segnen und dieses Werk wird unserer Gemeinde zum Heile gereichen. Und indem wir dieses Werk weihen, ein Zeichen, daß wir Bürger sind einer neuen, zu eigeuthümlichen Ansprüchen berechtigten Zeit, ziemt es uns, daß wir des Vaterlandes gedenken, das durch seine liberalen Gesetze die Juden beschirmt, das durch seine Denker und Dichter uns gebildet und erzogen hat, das durch seine Fürsten Bildung und Gerechtigkeit für alle Bürger ohne Unterschied des Bekenntnisses verkündet hat. Deutschland feiert beim Beginn der nächsten Woche seinen Sieges- und Ehrentag, und es war der Wille dieser Gemeinde, daß der Klang der Orgel zum erstenmal ertönen solle zur Feier des Vaterlandes und seines Fürsten. Noch zittert durch unsere Seele die Erregung über die Greuel, mit denen das Schicksal uns heimgesucht hat. Zum erstenmal seit langer Zeit hat wieder das Nichtschwert sein hartes Werk verrichtet zur Sühne schwerer Schuld. Auf den Ruhm von Sedan fallen dunkle Schatten. Gemeinsame Noth hat wohl sonst den Erfolg, die Brüder zu einen, den Zwist zu bannen; die deutscheu Gaue sind nach all den harten Schlägen, die das Haupt unseres geliebten Fürsten, und fomit uns selbst getroffen haben, nur noch heftiger von dem Hader der Parteien zerrissen worden. Das Schriftwort, das wir morgen im Gottes- Hause hören werden, belehrt uns unter Anderein über die Pflichten des Königs in Israel. Da heißt es: das Buch der