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Israelitisches Predigt-Magazin · 1878-01-01 · 3 (1878) · p. Seite 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
4 (1878)
Issue
3 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 288 (sequence 128)
Language
German
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288 den, man hat gesagt: so bewundernswerth die Kunst ist, so herrlich die Aufopferung, mit der sie sich in den Dienst des Höchsten stellt, so wenig ist dieser Aufwand fähig, eine schlichte und innige, eine klare und verklärende Gottesverehrung zu erzeugen; all dieser Glanz, so schön und ästthetisch befriedigend er sich darthut, er zieht unfern Geist ab von dem, was uns Noth thut, von dein Gebet, dem Zwiegespräch des Geschöpfes mit seinem Schöpfer; in diesem Rausch der Sinne geht die Andacht verloren, Aug und Ohr haben so viel zu thun, um all die Eindrücke von außen in sich aufzunehmen, daß für das Ausströmen der religiösen Empfindung keine Zeit übrig bleibt, man hat hohe Ehrfurcht vor dem künstlerischen und auch vor dem frommen Sinn, der diese Dome errichtet und geschmückt hat, aber man hielt sie, wenn ich so sagen darf, für zu schön und zu groß, um darin zu beten. Vielleicht haben die Juden diese puritanische Anschauung am deutlichsten ausgeprägt. Zehu Menschen vereinigen sich in einen: beliebigen Raum zum Gebet — damit sind die Veranstaltungen für die meisten Arten des Gottesdienstes erschöpft; und wie ehrend ist es für unser Volk, das diese einfachen Formen so lange genügt haben! die Synagogen enthielten fast nichts, was die Phantasie hätte erregen können, aber die gläulügen Seelei: wurden demnach erbaut und begeistert, und kehrten gestärkt für den Lebenskampf aus den Tempeln, die jedes Schmuckes entriethen, die kein Orgclklang durchrauschte. Jndeß auch gegen diese Einfachheit, welche jede äußere Anregung verschmähte und von sich wies, wurden Einwürfe erhoben. Da hieß es: Euer Gottesdienst ist so kalt und leer, so öde und nüchtern; wer die Andacht nicht mitbringt, wird sie in euren Räumen nicht gewinnen, wo die Seele so gav keinen Anhalt, so gar kein Seil findet, das sie zu den Höhen hinaufziehen kann; wir kommen ermüdet und abgespannt von der Arbeit in's Gotteshaus; unser Geist wird von den verschiedensten Dingen hierhin und dorthin gezogen, wir brauchen einen Anstoß, um uns zu sammeln, um unser AugenmerL ungetheilt zu den Höhen zu richten.

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