Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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265 Palästina lebenden Juden sehnsuchtsvoll hinblickten. Das Lich t der Religion leuchtete von dort aus allenthalben מהיכן נבראת האורה א״ר ברבייה ממקום בית המקדש (ש״ר פ׳ג׳}• So heißt es: ״Ans die Frage: ״Woher das Licht, die Erleuchtung des Geistes kommen? antwortete R. Brachja: ״die geheiligte Stätte des Tempels zu Jerusalem ist die Quelle des Lichtes." Das will sagen, der Tempel war die Sonne, die das ganze Geistesleben der Nation beleuchtete, die mit ihren Strahlen Leben, Licht und Wärme verbreitete. Diese Sonne ging mit der Zerstörung des Tempels unter. Ist aber durch dieses traurige, folgenschwere Ereigniß die innere Lebensgemeinschaft Israels zerstört, seine Einheit zerrissen worden? Gewiß nicht. Ebenso wenig als die Einheit des Menschengeschlechtes durch die Zerstreuung seiner Glieder auf den ganzen Erdball zerstört oder vernichtet worden ist. Wie der Zerstreuung des Menschengeschlechtes nach dem Thurmbaue die Idee zu Grunde lag, daß die ersten Keime der Bildung und Gesittung nicht auf dein engen Rauine der Ebene Siuear Verkümmern, sondern weithin über die ganze Erde sich ausbreiten sollten; so sollten durch die Zerstreuung Israels die ersten Keime des Gottesbewußtseins und der Gotteserkenntniß, nachdem sie im Judenthum Wurzel gefaßt hatten, die engen Grenzen Palästinas verlassen, und in ihrer frischen innnerlich treibenden Lebenskraft in den Herzeusacker der ganzen Menschheit gesenkt, Gemeingut derselben werden. Das jüdische Volk ward auf der ganzen Erde zerstreut׳ aber die reine lautere Gotteserkenntniß begleitet jeden Einzeluen in der Verbannung: כל מקום שגלו שכינה עמהם (Meg. 29). ״Wohin sie auch ins Exil gewandert, wunderte der Gottesgeist mit ihnen." Der Tempel wurde verbrannt und seine Asche nach allen Enden der Erde verweht. Wohin aber ein Stäubchen dieser Asche fiel, da entstand ein jüdisches Gotteshaus, das von dem Rufe: ״Höre Israel, der Ewige unser Gott ist ein einigeiuziger Gott" wiederhallte. So erfüllte Israel selbst in der Verbannung oder gerade durch die Verbannung seinen hohen Beruf!