Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1878-01-01 · 3 (1878) · p. Seite 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
4 (1878)
Issue
3 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 228 (sequence 68)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616701-9619793-9619958--1332-9620026
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

228 ten und herzlos verkauften Bruder an, sondern er betrachtet sich stets als das Mittel und Werkzeug, wodurch es den Seinen und seinen Zeitgenossen zum Glück und zum Heile gereicht und wodurch Gott den Seinen einen Fingerzeig göttlichwaltender Vorsehung geben will. ״Fürchtet nichts, sprach er zu seinen Brüdern, denn bin ich wohl anstatt Gottes? Und habt ihr auch Böses wider mich gesonnen, Gott hat es zum Guten ersonnen, damit geschehe wie an diesem Tage, am Leben zu erhalten ein großes Volk." Es ist nichts Geringes, m. A., auf dem Gipfel des Glückes, auf der Höhe des Lebens sich als ein Charakter zu erweisen, der ebeuf0 weit von Hochmuth und Ueberhebung entfernt ist, als von Rache und strafender Vergeltung; im Unglücke erprobt sich die Seelengröße der Menschen meistens in der stillen Hingebung an das bittere Geschick, im Glück aber ist die Seelengrüße schöpferisch, sie gestaltet sich zu einer Quelle des reichsten Segens, sowohl für die eigene Vervollkoinmnung als auch für die Förderung des Glückes unseres Mitmenschen. Und in seiner Größe im Purpurgewande schämt sich Joseph seines alten Vaters nicht, er schämt sich nicht seiner Brüder und ihres in Aegypten vergönnten Gewerbes, ״denn ein Gräuel den Aegyptern sind alle Schafhirten." Er schämt sich nicht seines Vaters, um ihm etwa in einem entlegenen Theile seines Palastes ein entlegenes Kämmerchen anzuweisen, nein, er führt ihn vor Pharao, und wahrlich die Würde des Greisenalters, die erhabene Erscheinung eines im Leben geprüften Greises macht einen gar gewaltigen Eindruck auf den mächtigen Fürsten. Diese wenigen Augenblicke, an welchen Jakob, der fremde Einwariderer, vor Pharao dem Mächtigen steht und die bei dieser Gelegenheit gewechselten Fragen und Antworten, sie seien der Gegenstand unserer heutigen religiösen Betrachtung. Die heilige Schrift schildert diesen denkwürdigen Moment mit den schlichten Worten: ״Und Joseph brachte Jacob seinen Vater und stellte ihn Pharao vor und Jacob grüßte den Pharao. Und Pharao

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.