Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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226 zu Israeliten macht. Treffend bemerken unsere alten Weisen ״ מאי דכתיב קטון וגדולEs heißt im Hiob: ״Klein und Groß שם הוא ועבד חפשי מאדוניו ist dort im Jenseits, und der Sklave frei von seinem Herrn." אטו לא ידעינן דקטון וגדול שם הוא אלא כל המקטין עצמו על דברי תורה בע״הז נעעוה גדול בע״ה וכל המשים עצמו כעבד על דברי תורה נעשה חפשי בע״ה. Wissen wir denn nicht, daß dort Groß und Klein weilet? doch der tiefere Sinn ist: Was sich in dieser Welt erniedrigt, um der Lehre Willen, um des Göttlichen in uns, der wird dort hocherhaben sein, und wer freudig ergeben hier dienet für das Unsterbliche, der ist frei im ewigen Leben." — Freilich hören wir oft genug sprechen: ״Wir genügen unserer Lebensaufgabe/ so wir nur das Rechte thnn, Keinen beleidigen, Keinen hintergehen." Auch solche Worte kennzeichnen unsere Zeit; so kann allein die Selbstsucht reden, welche nur für s i ch besorgt, kein anderes Ziel kennt, denn nur den Frieden sich zu bewahren, um ungestörter genießen zu können. Die also reden, scheinen nur die ersten Worte des Propheten beachten zu wollen und zu vergessen die letzten: ״Er hat dir kund gethan, o Mensch, was gut ist; und was fordert der Ewige von dir, als immer das Rechte zu thun und immer das Gute zu üben — und demüthig zu wandeln vor deinem Gott." Demüthig zu wandeln vor Gott! Ja, wo ist in unserer selbstbewußten Zeit jene Demuth, die Zier der Jugend, die Krone des Alters? Wo ist sie, um zu erkennen, daß Keiner als der Herr gründete die Welt auf ihren Festen, daß keiner denn Er aufstellte die Satzungen und Rechte; oder haben wir etwa erfunden das Recht und die Liebe? Ist schon alle Demuth geschwunden, mn nicht einzusehen, daß der Mensch auch bedarf der religiösen Zeichen, um nicht übermüthig zu vergessen — der Demuth und immer vor Augen zu haben Gott den Herrn. Seht nur wie so manches Kind, vor dessen leiblichen Augen noch wandeln die Eltern, die es genährt und gepflegt mit ihren! Herzensblute, ihrer treulos vergißt, und wir sollten ohne Zeichen nicht oft vergessen an den unsichtbaren Gott? Laßt uns deshalb, m. A., nicht nur üben das Recht und die Liebe, son-