Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Vergangenhenheit, kann nur erregt werden durch das, was in's Dalein ist getreten. Vom Gestern und Heute aber wendet der Sterbliche sofort seinen Blick, sein Denken dem Morgen zu! Befürchtungen, Schwanken und Zagen aber bringt die Vorschau in die Zukunft! Diese beschwichtigen wir, m. Th., durch den Aufblick zu Gott — durch die Bitte und das Gebet! So tritt neben den Dank das Flehen. So schließet unser Fest, indem es die Huld und das Erbarmen unseres Gottes unseren( Winterleben uns erbitteu lehrt, ernster, als es begann. Welches aber die vorzüglichsten unserer Bitten sind, in welche Form unsere Religion sie gekleidet, das, m. A., lasset uns gemeinsam betrachten, indem wir Hinblicken auf den Inhalt unserer Gebete, die erfüllen das Wort des Propheten: ״ שאלו מה' מטר בעת מלקושFordert vom Ewigen Regen in der Zeit des Spätregens!" Amen. I. ״Erbittet von Gott Regen in der Zeit des Spätregens!" I. A. V.! Wir erflehen Regen, wir preisen Gott als den Spender der erquickenden, der nährenden Feuchtigkeit! Wir beginnen mit dem heutigen Tage die den ganzen Winter hindurch dem Gebete hinzugefügte Lobpreisung. משיב הרוה ״ ומוריר הגשםDer den Wind wehen und niederströmen läßt den Regen." M. A.! Der moderne Mensch fühlt sich enttäuscht, da er so schlicht nimmer den Inhalt vermuthet hätte an so bedeutsamem Wendepunkte erhobenen Flehens. Wir erscheinen uns losgelöst von der Natur, ihrem Segen und ihren Schrecken. Wir vermeinen, eine andere Grundlage unserem Dasein verliehen zu haben. Was gilt's dem Städtebewohner, ob's regnet oder stürmt, ob's heiß oder kalt herniederweht? Seine Arbeit und seine Verrichtung wird nicht bestimmt, nicht gehindert noch gefördert, wird nicht beeinflußt dadurch. Wir können des Windes entrathen, wir haben Wasser und Dampf dienstbar uns geinacht. Uns drohet nicht so leicht der Hungersnoth Schreckgespenst — allzu entwickelt sind die Mittel unseres Verkehres. Dem Mangel hier hilft sofort ab