Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Jemandem die untrüglichen Zeichen göttlicher Huld und himmlischer Gunst gewahren. Wie aber müssen sich erst diese Gefühle und Empfindungen steigern, wenn zu diesen äußerlichen Zeichen noch persönliche Verdienste hinzukommen, wie müssen sie sich vervielfältigen, wenn diese Verdienste als ebensoviele Lorbeerblätter auf einem Ehrfurcht gebietenden Greisenhaupte zu einem herrlichen Kranze sich aneinander fügen. Wäre Kaiser Wilhelm nichts mehr als ein 80jähriger Greis, der noch in ungebrochener Körperkraft und ungetrübter Geistesfrische unter seinem Volke einherschreitet, wäre ihm die Kaiserkrone als reife Frucht in den Schooß gefallen, ohne daß er sich gemüht, ohne daß er sich darum verdient gemacht hätte, so würde doch unser Herz uns sagen, daß er ein Liebling Gottes, ein Auserwählter des Himmels sei, so würde uns doch eine innere Stimme Anrufen ״ ירא את ה׳ בד ומלךehrfürchte, mein Sohn, Gott und den Kaiser." Wie nruß nun erst dieses Gefühl der Ehrfurcht erhöht werden bei dem Gedanken, daß Preußens König die Gunst und Gnade der Vorsehung durch eigene Thaten zu verdienen bemüht war. Wer hatte es vor 28 Jahren geahnt, daß jener Prinz von Preußen, der nach den Gefechten bei Ubstadt und Durlach in Badens Residenzstadt als Sieger einzog, heute als Deutschlands Kaiser verherrlicht werden könnte, wer hätte es sich träumen lassen, daß nach kaum zwei Decennien aus diesen Prinzen das Prophetenwort passen werde: בחזק יבא וזרוע משלה בו הנה שכרו אתו ופעלתו?*פדו ״Mit Macht tritt er auf, sein eigener Arm verschafft ihm Herrschaft, er trägt seinen Lohn in sich, denn seine Thaten liegen vor ihm." Ja, seine Thaten lagen vor ihm, denn eingegraben waren in sein Herz die bedeutsamen Worte, die er als 9jähriger Knabe mit seinem älteren Bruder aus der Mutter Engelmunde vernommen, die Worte: ״Begnügt euch nicht mit Thränen, sondern handelt, entwickelt eure Kräfte, werdet Männer und geizet nach dem Ruhme großer Feldherren und Helden." Seine Thaten lagen vor ihm, denn er war sich zweck- und zielbewußt, es war ihn: klar, was er thun und vollbringen müsse, um ein seiner Mutter würdiger Sohn