Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1878-01-01 · 2 (1878) · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
4 (1878)
Issue
2 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 141 (sequence 61)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9616701-9619793-9619877--1244-9619938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

141 ״Siehe Gott zeigte sich erhaben in seiner Kraft, und ward uns zum Lehrer, zum unvergleichlichen." (Hiob 36,22.) Siehe, Gott stieg herab in seiner Erhabenheit auf des Sinai blitz umzuckte, donnerumrollte Höhen, um uns kund zu thun seinen Willen, um uns zu bringen sein lichtes Feuergesetz, um sich uns zuoffenbaren. Hochheiliges, herrliches Offenbarungsfest! Wie können wir dich würdig feiern? Wie die große Gottesthat auch nur annähernd mit unfern schwachen Lippen schildern? Wie das herrliche Gottesgeschenk angemessen preisen? Denn daß mit dem Inhalte, dem erhabenen Gegenstände der Feier, auch die Art der Feier sich heben müsse, das fühlt ein Jeder von uns, das leuchtet von selbst ein- Aber wie sollen wir an die erhabenste Feier, die Israel begeht, herantreten? Da ist kein Sympol verhanden, das uns auf die rechte Spur der Feier hinlenkte. Peßach hat seine Mazza, Succoth seine Laubhütte, seinen Lulaw, Rosch-Haschana seinen Schofar, Jom-kippur sein Fasten und Kasteien, nur Schowuos steht ohne Symbol da, ohne greifbare Handhabe seiner Feier, ohne Versinnbildlichung seiner Idee. Doch wie? Sollte nicht vielleicht gerade in dieser Symbollosigkeit das eigentliche Symbol unseres Festes liegen? Jst's nicht, als wenn das Offenbarungsfest zu uns spräche: Seht, der Gott, den ich Euch vor Jahrtausenden offenbarte, er will ja auch ohne Symbol und ohne Bild und ohne irgend welche Gestalt von euch erfaßt sein. Denn jedes Bild, jedes Symbol, jedes Zeichen, es begränzt, es beschränkt den Begriff des zu Bezeichnenden, Gott aber ist einzig und unvergleichlich, und seine Lehre ist einzig und unvergleichlich, diese höchsten reingeistigen Gedanken lassen sich in kein Bild, in kein Symbol fassen, und das Fest der Offenbarung dieses Gottes und seiner Lehre, wie kann es anders als jymbollos erscheinen? Fürwahr, m. a. Z., welch' ein Reichthum liegt nicht in dieser Symbol-Armuth? Welch' eine Fülle von Gedanken in diesem Mangel an Zeichen und Bild? Da haben wir die Antwort auf unsere Frage: Wie sollen wir das Offenbarungsfest würdig feiern? Nun als etwas Reingeistiges können wir es nur im Geiste feiern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.