Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9619793-9619877--1197-9619891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
94 fröhliche, Geist und Gemüth erquickende Ton, der die zartesten Saiten unseres Herzens berührt, der wie ein frischer Thau sich um uns lagert und uns in jene himmlischen Sphären versetzt, wohin nicht dringt des Lebens Qual und Mühe, der Erde kummervolle Sorgen. ״Und du sollst dich freuen deines Gottes, dich rühmen des heiligen Israels." Nicht öde und düster sind die Wege, auf die die Religion dich führt, nicht beengt sie deinen Gesichtskreis, nicht hemmt sie deinen Geiftesflug, nicht zwängt sie dich ein in einen bestimmten, fest umgrenzten Glaubensschatz, sondern umstrahlen will sie dich mit ihrem heiteren Glanze, dich führen zu lichten Höhen, zu dem wahren-Quell der Freude, der nur bei Gott, nur bei ihm allein zu stnden ist. Und welches andere, als das herannahende Pessachfest ist wohl mehr im Stanoe, unser Herz zu Gott zu erheben? Ein Volk hatte kaum erst die Fesseln abgelegt, die ihm geschmiedet wurden, es irrte noch während einer langen Wü stenwanderung mit scheuem Blicke umher, aber schon richtete es sich auf an seinem Gotte, es verlor den Muth und die Hoffnung nicht, die es auf seinen Gott gesetzt. Und das ist es, was aus der Vergangenheit uns entgegentönt. Ein großer, ewiger Gedanke ist es, den das Fest in uns zurückruft, so oft der Frühlingsmonat bei uns eingekehrt. Dahin ist die lange Winternacht, Alles lebt auf in der frischen Natur, Alles athmet Leben und wird zu neuem Schaffen angeregt. Und auch wir Israeliten werden zu neuem Leben erweckt durch das Fest der Befreiung und Erlösung, das von Jahr zu Jahr sich verjüngt, immer wieder befruchtenden Samen in die Herzell streut. So, m. A., unser Denken und Fühlen losgelöst ist von aller und jeder Erinnerung an die Vergangenheit, so nehmen wir auch der Gegenwart jede Weihe und jede Heiligkeit, von der unser Leben gehoben und getragen sein muß. Nur wenn Israel nicht bricht mit seiner Vergangenheit, und wenn auch seine Gegenwart durchwirkt und durchtränkt ist von den alten Ideen, die unsere Ahnen für Gott beseelten und begeisterten, nur dann kann