Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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62 empfindend die ganze Majestät dieses Raumes, rusen auch wir aus: ״O, wie voll ist dieses Haus der Erhabenheit Gottes!" Und doch, m. G., wäre ganz anders unsere Stimmung zu erwarten gewesen, wenn wir auf das sehen, was wir vor unserem Eintritt ins Gotteshaus gethan haben. Bei einem festlichen Mahle waren wir versammelt in unseren Häusern, als wie an einem Freudentage, für einen יזם טיב haben unsere Weisen den Tag vor dem strengsten aller Tage erklärt, die Freude an diesem Borfeste, den reichen Genuß bei demselben für ebenso verdienstvoll und so herrlich als die zermalmende und zerknirschende Kasteiung und die Beugung unsrer Seele am Tage der Versöhnung. Ist das nicht ein Widerspruch der Religion, ein Widersinn, eine wunderliche Dissonanz? Wird die Freude nicht reizlos, wenn ihren heiteren Flug der schwere Ernst aufhült, und wird der Ernst nicht seicht, dem die Oberflächlichkeit flüchtiger Freude vorausgeht? Wir wollen vor Gott uns jetzt beugen und erbeben vor der Herrlichkeit Gottes und haben vorher so irdisch uns verflüchtigt? Und doch, m. G, ist unsere Sitte so uralt, unsere Lehrer stellten sie sogar als eine deutliche Forderung der Thora hin und hielten sie unzertrennlich von der versöhnenden Kraft des heiligen Tages. So laßt uns den Widerspruch verstehen, damit auch wir wahrhaft vorbereitet sind für die Versöhnugn, die Gott uns bereiten will, daß wir ihrer würdiger werden und sie erhalten. I. Wir zittern, m. th. B. u. Schw., wir sind ernst, tiefernst gestimmt. Ist es der geheime Schauer vor dem gewaltigen Tage, der von uns verlangt, was wir an keinem Tage sonst an Entsagung uns auflegen, der uns ablösen will von allen, auch den bescheidensten irdischen Genüssen; der uns fortführt aus unserer Häuser Bequemlichkeit und Gemüthlichkeit, der uns trennt von unfern Theuren und Geliebten? Ist das Zittern nur ein irdisches Zittern? O, nein, m. Geliebten, ״ נפשי נבהלה מאודUnsere Seele, nicht unser Leib," erbebt