Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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55 der Eine im Eifer des Streites den Andern schweigen und spricht: Ich will zuerst reden. Aber der Andere läßt ihn nicht und spricht: Ich will beginnen! Aber der Heilige, gelobt sei er, wenn er sein Volk zu Gericht ladet, da spricht er zu ihm: ספר אתה למען תצדק Rede du zuerst, daß du gerecht erscheinst! Denn wenn ich Euch überwinde, bin ich ja doch im Nachtheil, aber wenn ich unterliege, wenn ihr euch als frei von Schuld erweiset, dann bin ich froh! הה״ד למנצח מזמור זמרו למי כשמכצחין אוהו שמה darum heißt es von Gott: Singet ihm, der sich freuet, wenn er unterliegt! — Ob es uns gelingen wird, m. Fr., den Herrn zu besiegen, in dem Gericht, das uns heute mit ihm zusammenruft? Versuchen wir es, und gehen wir muthig ans Werk, frei von dem Stolze, der das Bekenntniß scheut, baar der Verstocktheit die über die Sündenschuld das Auge schließt. Folgen wir der Mahnung, die aus des Himmels Räumen heut an uns ergeht: - ״ ירשיעך פיך ולא אני ׳ושפתיך יענו בךNicht ich, dein eigener Mund soll dich schuldig sprechen, die eigenen Lippen wider dich Zeugniß reden!" Doch nicht bloß die Lippen, auch das Herz soll bekennen, das erst macht die rechte Buße. Nicht bloß aussprechen sollen wir die Sünden, nicht bloß aufzählen die Vergehen; — הרב דברים לא יענה ואם ״ איש שפתים לא יצדקDie Fülle der Worte thut's freilich nicht, und Beredtsamkeit spricht von der Schuld nicht frei!" Sondern also muß das Bekenntniß sein, wie ein weises Wort es erheischet: אם אתה הבינות לבך ופרשת אליו בפיך ״Wenn du dein Herz zurichtest vor Gott und deine Hände zu ihm ausbreitest. Wenn du das Unrecht entfernst aus deinem Haus, und die Sünden nicht wieder heimträgst in dein Haus — אז תשא פניך ממום והיית מוצק ולא תירא dann kannst du dein Antlitz erheben fehlerlos, wirst fest stehen, und sonder Furcht." — Dein Herz richte zu vor Gott und nicht bloß deine Lippen, daß du tief innen die Kränkung nachsuchest, die Andere durch dich erlitten, daß du selbst den Schmerz durchkostest, den Andre durch dich erfahren, daß du das Unrecht klar erkennest, wie Gott es erkennt, der deutlich und