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Israelitisches Predigt-Magazin · 1878-01-01 · 1 (1878) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
4 (1878)
Issue
1 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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23 saugen, daß er verdorren muß vor der Leit. Sehet — bedeutete jener Rabbi mit Recht seinen Schülern — ich bin so alt geworden, weil nicht der Ehrgeiz, nicht die Schadenfreude, nicht die Mißgunst an meinem Herzen zehrten; ich konnte so alt werden, weil nicht die fieberhafte Geldgier meine Lebensruhe mir verscheuchte, weil kein Groll, kein Rachedurst in meiner Brust wühlte, weil kein Menschenhaß mein Blut vergiftete, weil versöhnungsreiche Milde den Frieden über meine Seele stets gebreitet. Ich bin so alt geworden — konnte ein Anderer sagen —, weil ich nicht der Spielball des launigen, jähen Zornes war, weil ich die Ruhe meines traulichen Stilllebens durch Zank und Streit nicht stören ließ, und weil ich endlich auf das verlockende böse Beispiel der Frevler nie beifällig blickte. - Und so könnten wir Jedem zurufen: Willst du wissen, במה תאריך ימים wie du dein Leben verlängerst, wie du die Krone eines greisen Hauptes erlangest? Halte fern von deinem Herzen die vertrocknende Gluth der falschen Begierde, vergeude deine Kräfte nicht im Frohndienste der Sinne, verschwende deine Naturgaben nicht an den Köder der Eitelkeit, bleib' ungeblendet vom gleißenden Glimmer erheuchelten Glückes, setze deine Tage nicht an den tollen, sinnbestrickenden Kampf um hohle Errungenschaften, unr die klirrenden Narrenschellen zweideutiger Machtvollkommenheiten! *Wünschest du von Gott Leben, so verbittere es nicht selber dir und Andern durch thörichtes Gebahren, durch wechselseitige Verläumdung und Verlästerung, verkümmere und vergälle dir und Andern nicht den frischen, frohen Muth, die rechte Lebensfreude durch das stete, unleidige Verunglimpfen, Herabzerren und Anfeinden! Betest du zu Gott um die kostbare Zeit, so tobte sie nicht selber durch leeres Gezänke, um platzende Schaumblasen, unr zwecklose Hirngespinnste, um die erbärmlichsten Lächerlichkeilen entwürdigender Genüsse, verkauf' und verrathe sie nicht in dem athemlosen Keuchen um Gewinn, um Geld und Geltung! Erfülle deine Tage mit beglückendem, gerechtem Wirken und Walten, damtt es auch von Gott heiße: אהב ימים

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