Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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21 der Mitmenschen Flügel leihen, es emporzutragen zur Höhe. — Da fleht 4in Armer, dem er beigestanden in der Bedrängniß: O, Gott, erhalle mir meinen Wohltthäter! und dort faltet ein Waisenkind, dem er den früh dahiugegangenen Vater ersetzt, in rührender Inbrunst die Hände für dessen Leben und Glück. Hier flüstert eine Wittwe unter erleichternden Thrünen ein tiefempfundenes Gebet für ihn, der als aufopfernder Anwalt, als treue Stütze sich ihr bewährt; und da ruft ein Schwacher, Verfolgter, für den er mannhaft eintrat in der- Noth: Herr, gieb dem Edlen Kraft und Gedeihen dafür, daß er selbstlos seinen Nath und seinen Arm leiht Jedem, der feiner Hilfe bedarf. Betet ein solcher Wackere jemals vereinzelt und allein? Begleitet nicht ein ganzer erhebender Stimmenchor seine Andacht? Kann er nicht hoffen, daß die Verheißung, die für den -מתפלל עם ד־.צ1בוו ward ertheilt, auch an ihm sich erfülle? — ״Seine Wünsche finden Erhörung und Ge Gewährung vor Gott!" II. Der Wunsch ist ein Armuthszeugniß der Kraf t. Woder- Wille rathlos, machtlos steht, da tritt der Wunsch ein; wo die Thatkraft umsonst, erfolglos ringt, da wirft sie sich dem Wunsche in die Arme. Darum soll das menschliche Begehrungsvermögen sich nicht zu bloßen Wünschen abschwächen, wenn es selbstthätig einzugreifen vermag. Wozu denn wünschen, wenn man sich den Wunsch selbst erfüllen kann? Warum beim Wunsche vor Gott stehen bleiben, wo Gott die Mittel und die Fähigkeit in unsere Hände gelegt, ein Verlaugen uns selber zu gewähren? Dieses erwägend, mochte der Psalmist sagen: אתת שאלתי מאת ה׳ אתה אבקש (Ps. 27, 4) ״So oft ich eine Sache von Gott wünsche, stets suche ich sie mit eigener Kraft zu erreichen." Und wie viele Wünsche giebt es, die wir in Gebeten an Gott richten, obgleich wir sie uns selber erfüllen können. Nehmen wir einen Hauptwnnsch an, in dem die meisten Gebete zusammentreffen: den Wunsch nach langem Leben. Ist es nicht zuineist der Mensch selber, der