Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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19 seinen bangen Ahnungen, fröstelnd, umweht von dem düstern Grauen der Hinfälligkeit, so sehnt man sich mit ganzer Seele in das sonnige Lächeln der goldenen Jugend, der frohen Kindheit wieder zurück. So geht es durch das ganze Dasein. Jedes Ungemach, jede Widerwärtigkeit, jede peinliche Ungeduld erzeugt den Wunsch: wenn doch schon der Tag, der Monat vorüber wäre. Und nun gar die harten Prüfungen, die aufreibenden Mühseligkeiten, die verhängnißvollen Ereignisse, sie lassen Manchen öfter wünschen: o, hätte ich doch das Jahr schon hinter meinem Rücken! Striche Gott aus dem Dasein des Einzelnen all' die Tage und Jahre, die dieser selber daraus hinweggewünscht, zu welchem Nichts würde dann sein Leben zusammenschrumpsen. Und alle die Erziehungsmittel des Geschickes, die das Menschenherz veredeln, seinen sittlichen Willen kräftigen und zu menschenivürdigem Walten treiben und spornen, alle solche Eindrücke und Erlebnisse möchten Viele ungeschehen machen. Der oberflächliche Sinnenmensch, der Augendiener des Augenblickes, verwünscht jeden Anlaß zu Mühe und Opfer, jede Probe für die Schwungkraft seines Strebens, jeden Kampf, der sein Wesen stählt, seine Sinnesrichtung regelt, jeden Zufall, der das Selbstbewußtsein hebt und die Erkenntniß mehrt, jedes Erlebniß, das den Schatz an Erfahrungen, an Menschen- und Weltkenntniß bereichert. Alles das wünscht Jener in das leere Nichts zurück und möchte am liebsten leichten Schrittes niühelos, um Nichts klüger, dafür um so Vieles verkommener durch's Dasein wandeln. Er weiß es eben nicht, daß der Blüthenduft den Schlafenden tödtet während der rauhe, unwirsche Sturm den rüstig Widerstehenden stärkt und härtet; daß der süße Hauch ungetrübten Wählergehens entnervend wirkt, den Geist umnebelt und Lebensüberdruß erzeugt, indeß im harten Ringen um's Dasein der Mensch zum Herrn der Schöpfung sich emporschwingt und das Leben erst recht lieb gewinnt. Wie sonderbar sind überdies des Thörichten Herzenswünsche! Der will Reichthum, ohne den Verstand und den Takt zu besitzen, ihn recht zu benutzen, und Jener will Macht und Stellung und hat nich