Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Ueujahrswünsche. Aredigl am5632. Vom Landrabbiner Dr. Placzek in Brünn. ״ מי האיש החפץ חיים אהב ימים לראות טובWer hat Wohlgefallen am Leben, wer liebt die Tage, das Gute zw schauen?" (Ps. 34, 13.) Diesen Mahn- und Weckruf des Psalmisten führt das Neujahrsfest im Munde, das haltgebietend in das rastlose Getriebe des Alltagslebens eingreift und die Flüchtigkeit der Zeit zum Bewußtsein bringt. Die Jahreswende läßt das Herz beim Hinweise auf einen wieder entschwundenen Abschnitt des irdischen Seins unter den Schauern der Todesahnung erbeben und bei dem Gedanken an den letzten Abschnitt hienieden um so ängstlicher an das Leben sich klammern, je mehr es von demselben verliert. Ruft sie nicht ernsten Tones Jedem zu: ״Wo giebt es Einen, der nicht das Leben begehrt und Tage liebt, an denen er das Gute schaut!" Die Liebe zum Leben erwacht und wird am tiefsten empfunden in jenen Momenten, die es dem Ende zuführen die einen Markstein auf dem Wege zum Grabe bilden. Und Leben selbst vereinigt schon in sich einen Widerspruch. Leben heißt, den Tod fliehen, und doch ist Leben nur eine stete An- Näherung, sogar ein förmliches Jagen nach dem Tode, ein Fortschreiten von der Wiege zu Grabe. ויום חמות מיום חולהו (Kohel 7, 1) kann man in gewissem Sinne sagen: ״Der Todestag fängt eigentlich vom Geburtstage an." — Ob dieser Weg, von der Geburt zu Gruft, aufwärts führe oder abwärts, das hängt vom Menschen selber ab. ארח חיים